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STEPS – Geschäftsführende Direktorin

Prof. Dr. Astrid Rehorek

Prof. Dr. Astrid Rehorek

Angewandte Naturwissenschaften

Pionierarbeit

Logo Steps (Bild: STEPS/FH Köln)

Die TH Köln hat 2013 ihr erstes Forschungsinstitut gegründet. Ein Gespräch mit der geschäftsführenden Direktorin Prof. Dr. Astrid Rehorek über die Besonderheiten und Ziele dieser Einrichtung.

Prof. Dr. Astrid RehorekProf. Dr. Astrid Rehorek (Bild: Costa Belibasakis/FH Köln)

An welchen Themen forschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsinstituts STEPS?
Die Forscherinnen und Forscher des Instituts beschäftigen sich unter anderem mit biologischer und chemischer Verfahrenstechnik, mit Membrantechnologie, Kanalisation, Kläranlagen und Trinkwasserproduktion, mit erneuerbaren Energien sowie mit Prozessanalyse- und Regelungstechnik – alles immer unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit. Der Institutsname ist abgeleitet aus der englischen Bezeichnung für Nachhaltige Technologie und Computerservices für Umwelt und Produktion –  Sustainable Technologies and Computational Services for Environmental and Production Processes.

Ist der Institutsname ausschließlich ein Akronym, wie Sie es gerade erläutert haben, oder hatten Sie bei der Namenswahl auch die Bedeutung des englischen Worts Steps – Schritte – im Blick?
Durchaus. Wir im Institut verstehen uns in gewisser Weise als Pioniere, denn wir unternehmen Schritte, die darauf zielen, Forschung an der TH Köln noch stärker zu verankern. Und Schritte, die dazu führen sollen, dass unsere Forschungsleistung auch gesellschaftlich besser erkannt und damit anerkannt wird.

Steps: Die ProfessorenEnge Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Informatikern (Bild: Costa Belibasakis/FH Köln)

Was unterscheidet STEPS von den übrigen Instituten der TH Köln?
Die Institute der TH Köln haben sich – wie an Fachhochschulen üblich – aus der Lehre entwickelt, denn Forschung gehörte zunächst nicht zum Auftrag, den die Politik den Fachhochschulen zugestanden hat. Das Verständnis verändert sich peu à peu. STEPS verfolgt vorrangig Forschungsziele und verfügt über eigene finanzielle Ressourcen. Es ist ein übergreifendes Forschungsinstitut von drei Fakultäten. Mit STEPS weist die Hochschule nicht nur auf ihre wissenschaftliche Kompetenz zu einem Themenkomplex hin, sondern zeigt, dass sie auch eine entsprechende Forschungsinfrastruktur aufgebaut hat.

Die enge Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Informatikern in unserem Team ermöglicht es uns, Ideen und Erfahrungen unterschiedlicher technischer Wissensgebiete zu neuen Ergebnissen und Produkten für Anwendungen in der Industrie institutionalisiert zu bündeln.

Wie kam es zur Gründung von STEPS?
STEPS ist aus einer Kompetenzplattform hervorgegangen. Eine Gruppe besonders forschungsengagierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatte sich vor sechs Jahren bei einem Wettbewerb des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums mit der Idee für  inter- und transdisziplinäre Forschungsvorhaben unter der Überschrift "Nachhaltigkeit für Industrie und Umwelt" durchgesetzt. Die Kompetenzplattform wurde über fünf Jahre mit 500.000 Euro vom Land gefördert, die Hochschule steuerte einen Eigenanteil in derselben Höhe bei. Mit diesen Mitteln konnten einige Forschungsprojekte durchgeführt werden, die wiederum  zu zahlreichen neuen Forschungsansätzen geführt haben. Und es hat sich gezeigt, dass diese Wissenschaftlergruppe ganz besonders konzentriert zusammenarbeitet, wenn es darum geht, Forschung über kooperative Promotionsverfahren voranzutreiben.

Was versteht man unter kooperativen Promotionsverfahren?
Im Zuge des Bologna-Prozesses bieten Universitäten wie Fachhochschulen mit dem Bachelor und dem Master ein gestuftes System an Abschlüssen an. Nach dem Masterabschluss hat der wissenschaftliche Nachwuchs die Möglichkeit, sich weiter zu qualifizieren. Das heißt, dass auch die besten Masterstudierenden an Fachhochschulen direkt ein Promotionsverfahren anschließen können. Da die Fachhochschulen aber üblicherweise kein Promotionsrecht besitzen, geht das nur in Kooperation mit Universitäten. Unserer Erfahrung nach ist es schwierig, solche kooperativen Promotionen an der Universität zu etablieren, weil dort über den fachinteressierten Kollegen hinaus Gremien überzeugt werden müssen, die sehr streng auf die Einhaltung der jeweiligen Promotionsordnung wachen. So mussten wir bei den mehr als zehn erfolgreich abgeschlossenen Promotionsverfahren unserer Kompetenzplattform mit ebenso vielen Universitäten umgehen. Deshalb ist es ein wichtiges Anliegen unseres neuen Forschungsinstitutes, mit entsprechenden universitären Partnern ein vereinfachtes, schnelleres Verfahren nach fest vereinbarten Regeln einzurichten. Wir wollen dabei die Promovierenden mit einem strukturierten Programm unterstützen, das beispielsweise Betreuungsvereinbarungen beinhaltet, mit denen die Rechte und Pflichten der Promovierenden und ihrer Betreuer transparent gemacht werden.

Das Forschungsinstitut STEPS will auch ein Kolleg für Promovierende anbieten. Warum?
Wir wollen damit Promovierenden und ihren Betreuern ein Forschungsumfeld einrichten, in dem sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen themenbezogen austauschen können. Bisher stehen sie in ihren Fakultäten verglichen mit Forscherinnen und Forschern an Universitäten vergleichsweise isoliert da. Dort betreut ein Professor oder eine Professorin viele Promovierende und diese stehen zwangsläufig stärker untereinander in Kontakt. Außerdem möchten wir durch das Kolleg die Qualität der bei uns angefertigten Promotionen sichern, etwa indem wir es den Promovierenden ermöglichen, ihre Forschungsergebnisse frühzeitig auf Seminaren oder Konferenzen mit anderen Wissenschaftlern zu diskutieren.

STEPS ist eine junge Einrichtung. Können Sie dennoch bereits über erste Erfolge berichten?
Ich sehe es als Erfolg an, dass wir neue Mitglieder gewinnen konnten. Darunter sind sowohl Promovierende als auch junge Professorinnen und Professoren, die den Schritt aus der Industrie an die Fachhochschule getan haben und die trotz hoher Lehrbelastung engagiert forschen wollen. Mich freut ganz besonders, dass eines dieser Mitglieder aus unserer jüngsten erst 2009 gegründeten Fakultät kommt, der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften. Inzwischen gehören 9 Professorinnen und Professoren als Vollmitglieder STEPS an, hinzu kommen sechs weitere assoziierte Mitglieder aus dem Kreis der Wissenschaftler.

Stolz sind wir auf das Metabolon-Projekt, an dem mehrere STEPS-Professorinnen und Professoren mitwirken. Aus dieser Kooperation hat sich auf dem Gelände der Deponie Leppe ein eigener Lehr- und Forschungsstandort entwickelt, mit dem regionale Interessen bedient werden konnten, der aber künftig auch den Weg für internationale Projekte bereiten soll. Beachtenswert sind weiterhin die Projekte, die in den Forschungsbereichen Grüne Chemie und Biotechnologie angesiedelt sind, darunter auch eines, bei dem es um die Klärung von farbstoffhaltigem Wasser aus der Textilindustrie geht.

Text: Dr. Frank Frick

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