Blended Intensive Programme (B.I.P.) Conference November 2026
Blended Intensive Programm (B.I.P.) für Mitarbeitende (Forschende und Promovierende) zum Thema „Digitalität und Gesellschaft: Gedankenexperimente und Szenarien als interdisziplinäre Ansätze“ an der TH Köln, 16.–20. November 2026. Bei Interesse an einer Teilnahme kontaktieren Sie Anna Schelling über anna.schelling@th-koeln.de.
Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des interdisziplinären Forschungszentrums DITES planen wir mehrere Aktivitäten während der Woche von Montag, dem 16., bis Freitag, dem 20. November 2026, unter dem Titel „Digitalität und Gesellschaft: Gedankenexperimente und Szenarien als interdisziplinäre Ansätze“. Wir werden auf 10 Jahre Expertise im Bereich Digitalität und Gesellschaft zurückblicken und zugleich versuchen, einen Blick in die Zukunft zu werfen.
Die Veranstaltung bietet internationalen Forschenden und Promovierenden eine einzigartige Gelegenheit, sich gemeinsam mit einer kleinen Gruppe ausgewählter Kolleginnen auf interdisziplinäres Denken und Arbeiten einzulassen. Wir bieten mehrere thematische Tracks an, die darauf ausgelegt sind, intensive interdisziplinäre Reflexion, Diskussion und kreative Arbeit zu fördern. Durch die Anwendung von Gedankenexperimenten, Szenarien und verwandten Methoden möchten wir wichtige Fragestellungen anstoßen und untersuchen, wie diese Ansätze dabei helfen können, aktuelle gesellschaftliche Veränderungen im Zusammenhang mit Digitalität zu verstehen. Gemeinsam mit Kolleg*innen und Studierenden aus verschiedenen Ländern und Disziplinen werden wir das Potenzial dieser Ansätze für internationale und interdisziplinäre Forschung und Lehre erkunden.
Das Programm beginnt am Montag mit einem eröffnenden Konferenztag, gefolgt von parallelen thematischen Tracks und Diskussionen am Dienstag und Mittwoch. Am Donnerstag fördern wir die interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Austausch zwischen allen Tracks, und am Freitag finden eine lokale Erkundung sowie eine Abschlusssitzung statt.
Folgende Tracks sind geplant:
Digitalität und Demokratie: Begegnungen in digitalen Räumen erforschen
In gegenwärtigen Gesellschaften, in denen Individuen ihr eigenes Leben zunehmend gestalten und reflektieren, fragen wir danach, wie sich digitale und analoge Begegnungen unterscheiden – und was dies für Demokratie im Kontext reflexiver Moderne bedeutet.
Besonders interessiert uns, wie diese Unterschiede soziale Interaktion, Dialog und das Potenzial zur Überwindung gesellschaftlicher Spaltungen in zunehmend polarisierten Kontexten prägen. Gleichzeitig untersuchen wir, wie Graswurzelwissen, urbane Räume und digitale Infrastrukturen miteinander verbunden werden können, um Bottom-up-Praktiken sichtbar, teilbar und wirksam zu machen.
Unsere leitende Idee besteht darin, Digitalität als immersiv, zugänglich und emanzipatorisch neu zu denken – eingebettet in den Alltag statt als bloßes Werkzeug erfahren. Die leitende Fragestellung wird gemeinsam weiterentwickelt und präzisiert – idealerweise in Zusammenarbeit mit einem Praxispartner (noch zu identifizieren) und abhängig davon, mit welchem Partner wir letztlich zusammenarbeiten und welche Fragestellungen dieser einbringt.
Organisiert von: Prof. Dr. Babette Brinkmann (Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, TH Köln), Prof. Dr. Stefan Bente (TH Köln, Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften), Dr. Philip Roth (Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, TH Köln), Dr. Cristina Catalanotti (IUAV Venedig)
Wessen Wissen zählt? Erfahrungswissen in Pflege und Sozialer Arbeit in digitalen Zeiten
Erfahrungswissen bezeichnet Wissen, das in den gelebten Erfahrungen von Einzelpersonen oder Gruppen verwurzelt ist. Es entsteht aus konkreten persönlichen Erfahrungen. Insbesondere in der informellen Pflege – aufgrund langfristiger Einbindung und der hohen Anforderungen von Sorgearbeit – haben Pflegende umfangreiche Expertise sowohl in der Pflegepraxis als auch in Bewältigungsstrategien entwickelt. Dieses Erfahrungswissen bleibt jedoch häufig unsichtbar, implizit und wird weder systematisch dokumentiert noch angemessen anerkannt. Digitale Praktiken, Plattformen und Werkzeuge schaffen neue Räume, in denen solches Wissen produziert, geteilt und ausgehandelt wird. Dieser Track lädt zu interdisziplinären Beiträgen ein, die untersuchen, wie solches Wissen durch digitale Praktiken hervorgebracht, ausgehandelt und verändert wird, mit dem Ziel, Zusammenarbeit zu fördern und Autorität in Pflege und Sozialer Arbeit neu zu denken.
Organisiert von: Prof. Dr. Isabel Zorn (Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, TH Köln), Johanna Krieser (Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, TH Köln)
Digitale menschliche Zwillinge als praktische Brücke zwischen Menschen und der digitalen Welt: Fortschritte im menschenwertorientierten Design
Digitale menschliche Zwillinge entwickeln sich zu einer praktischen Brücke zwischen Menschen und der zunehmend intelligenten digitalen Welt. Sie erfassen nicht nur Verhaltensmuster und Fähigkeiten, sondern auch Ziele, Werte, Kontexte und Wohlbefinden. Da diese Systeme zunehmend sozial und affektiv sensibel werden, eröffnen sie neue Möglichkeiten für menschenzentrierte Innovationen in personalisierter Unterstützung, Zusammenarbeit, Wohlbefinden und adaptiven digitalen Umgebungen. Gleichzeitig erfordert die Realisierung dieses Potenzials Ansätze, denen Menschen vertrauen können. In diesem Sinne bieten die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der EU AI Act eine wichtige Grundlage für eine verantwortungsvolle Nutzung, indem sie Transparenz, Rechenschaftspflicht, menschliche Aufsicht, solide Daten-Governance und die Achtung grundlegender Rechte betonen. Dieser Track lädt daher zu Beiträgen ein, die untersuchen, wie digitale menschliche Zwillinge so gestaltet, eingesetzt und evaluiert werden können, dass sie sowohl innovativ als auch ethisch robust sind, mit besonderem Augenmerk auf sensible Formen der Inferenz, einschließlich Emotionserkennung, bei denen Kontext, Zweck und Verhältnismäßigkeit entscheidend für die Wahrung menschlicher Würde, Autonomie und öffentlichen Vertrauens sind. Der Track ist um drei Themenbereiche strukturiert. Der erste betrifft menschenwertorientiertes Design und fokussiert darauf, wie digitale menschliche Zwillinge hinsichtlich Transparenz, Kontrollierbarkeit, Fairness, Datenschutz und Übereinstimmung mit individuellen und kollektiven Prioritäten entwickelt und bewertet werden können. Der zweite behandelt situierte digitale Menschen in digitalen Umgebungen, in denen Spatial AI Zwillinge in Orte, Aktivitäten und soziale Kontexte einbettet – von Wohnungen und Arbeitsplätzen bis hin zu Städten und Extended Reality – und dadurch reichhaltigere Interaktionsmodelle ermöglicht, die berücksichtigen, was Menschen tun, wo sie sich befinden, mit wem und unter welchen Bedingungen. Der dritte Themenbereich betrifft Affective AI und soziale Intelligenz, einschließlich der Erfassung und Modellierung von Emotionen, Stress, Motivation und zwischenmenschlicher Dynamik sowie der Nutzung digitaler Menschen und XR als Forschungsinstrumente zur Untersuchung von Zusammenarbeit, Kommunikation, Vertrauen, Verzerrungen und Gruppenentscheidungen in immersiven, aber kontrollierten Szenarien.
Organisiert von: Dr. Dan Zhu (TH Köln, Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften), Prof. Dr. Hans-Günter Lindner (TH Köln, Fakultät für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften)
Zahlen versus Gefühl: Datenvisualisierung jenseits von Objektivität? Dilemmata der Visualisierung von Gewalt, ohne Entmenschlichung zu reproduzieren
Dieser Workshop untersucht Dilemmata rund um die Visualisierung von Gewalt, ohne dabei Entmenschlichung zu reproduzieren. Wenn Praktiken von Gewalt und Unterdrückung durch Forschung sichtbar gemacht werden, ist es wichtig zu berücksichtigen, wie Dokumentationsstrategien unbeabsichtigt dazu führen könnten, Opfern ihre Handlungsmacht abzusprechen. Wir laden Teilnehmende aus unterschiedlichen Disziplinen dazu ein, kritisch zu untersuchen, wie Datenvisualisierung sich vom Mythos der Neutralität und universellen Objektivität hin zu ethischeren, situierten und affektiven Formen der Darstellung bewegen kann. Aufbauend auf feministischen Ansätzen hinterfragen wir die Annahme, dass visueller Minimalismus gleichbedeutend mit Neutralität sei, und betrachten die Rolle von Emotionen und Affekten in wahrheitsgemäßen Darstellungen von Daten. In manchen Fällen bildet Fiktion Realität besser ab als Zahlen oder ergänzt diese zumindest. Welche alternativen visuellen Strategien können Relationalität, Verantwortlichkeit und Verkörperung bei der Präsentation von Forschungsergebnissen in den Vordergrund stellen? Die Arbeit im Track basiert auf der Präsentation eines konkreten Falls zu Daten und Algorithmen zur Vorhersage von Kriminalität sowie zu Regierungspraktiken durch Zahlen, bereitgestellt in Kooperation mit Algorithm Watch.
Organisiert von: Prof. (iR.) Dr. Carmen Kaminsky (TH Köln), Dr. Claske Dijkema (FH Bern)
Das digitale Analog: Ein Workshop systemischer Kritik durch analoges Game Design (Track voll/geschlossen)
In der gegenwärtigen Landschaft „wicked problems“ werden unsere kritischsten Infrastrukturen durch digitale Systeme gesteuert, die bewusst unsichtbar gestaltet sind. Von algorithmischer Verzerrung bis hin zu den Extraktionsmechanismen der Plattformökonomie ist digitale Logik „in die Black Box eingebrannt“ und wird durch nutzerzentrierte Interfaces verborgen, die Reibungslosigkeit über Verständnis stellen. Um diese Strukturen wirksam zu kritisieren, schlagen wir einen Wechsel von nutzerzentriertem Konsum hin zu systemzentrierter Dekonstruktion vor.
Die Methodik „The Digital Analogue“ ist eine strategische Notwendigkeit für systemische Erkenntnis. Sie nutzt den Prozess analoger Literalisation – die Transformation unverständlicher, schwer greifbarer digitaler Prozesse in greifbare Kartonkomponenten, Holzklötze und explizite Regeln. Anders als digitale Systeme, die ihre Steuerungslogik verbergen, zwingt ein analoges Spiel seine Logik an die Oberfläche; eine Spielerin kann erst mit dem System interagieren, wenn die Regeln verinnerlicht wurden. Durch die Vergegenständlichung des Unsichtbaren schaffen wir ein Labor für systemische Kritik, in dem die Architektur eines „wicked problem“ zu einem manipulierbaren Modell wird.
Organisiert von: Prof. Dr. Amelie Duckwitz (TH Köln), Prof. Dr. Petra Werner (TH Köln), Prof. Dr. Lars Rinsdorf (TH Köln), Raoul Boers (Zuyd Hogeschool, Maastricht), Tom Luyten PhD (Zuyd Hogeschool, Maastricht), Gaston Jamin (Zuyd Hogeschool, Maastricht)
Die Veranstaltung ist als Staff B.I.P. (Blended Intensive Programme) konzipiert, eine Mobilitätsinitiative, die durch das Erasmus+-Programm der EU gefördert wird und die Nutzung digitaler Technologien sowie innovativer Lehrmethoden in Bildung und Ausbildung unterstützt. Die Teilnahme steht Forschenden und Promovierenden offen. Erasmus+-Fördermittel zur Deckung der Reisekosten sind verfügbar und werden über die jeweilige Heimatinstitution beantragt. Um förderberechtigt zu sein, müssen Teilnehmende am Montag anreisen und am Freitag abreisen. Eine Teilnahme nur an den Kerntagen (Dienstagmorgen bis Donnerstagabend) kann individuell über Erasmus+ Staff Mobility gefördert werden. Promovierende, die nicht an einer Hochschule beschäftigt sind, können keine Förderung über Staff BIP beantragen, jedoch eine Förderung über Doctoral Mobility. Teilnehmende außerhalb der EU sind ebenfalls herzlich willkommen; bitte beachten Sie jedoch, dass in diesen Fällen möglicherweise keine Erasmus+-Förderung der EU verfügbar ist.
Die Veranstaltung findet am Campus Gummersbach der TH Köln in der Nähe der Stadt Köln statt.
April 2026