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Andreas Bissels

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Kompetenzwerkstatt

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Das Konzept des Schreibzentrums

Auf dieser Seite wird das Konzept erläutert, das der Arbeit des Schreibzentrums der TH Köln zugrunde liegt.

Das Schreibzentrum der TH Köln ist Teil der Kompetenzwerkstatt an der Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung. Es ist zudem in­sti­tu­ti­o­nell­es Mitglied der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung e.V. (GefSuS).

Was ist das Schreibzentrum? Ziele und Themen

Das erfolgreiche Verfassen von Texten ist eine Schlüsselkompetenz für jede*n Akademiker*in, in allen Fachdisziplinen: Zum einen ist das Schreiben ein wesentliches Lern- und Denkwerkzeug und insofern ein wichtiger Baustein bei der Vertiefung vorhandenen oder der Exploration neuen Wissens. Der Schreibdidaktiker Otto Kruse (2007: 17) etwa schreibt hierzu treffend:

Schreiben [...] verlangt von Ihnen, das Wissen Ihrer Disziplin selbst zu durchdenken und mit Ihrer eigenen Sprache wiederzugeben. [...] Das Schreiben an der Hochschule ist nicht einfach Versprachlichung von Wissen, sondern es bedeutet aktive Verarbeitung von Informationen, Ideen, Fakten, Meinungen und Erfahrungen zu Fachwissen.

Zum anderen dient das Schreiben nicht nur der Dokumentation von Forschungsprozessen, sondern auch der Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und ermöglicht so die Beteiligung an fachwissenschaftlichen Diskursen. Doch ist der Erwerb der hierfür erforderlichen akademischen Schreibkompetenz ein langwieriger Prozess, der nicht nur Studierende immer wieder vor Herausforderungen stellt.

Um Schreibende an der TH Köln bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen, wurde das Schreibzentrum eingerichtet, ein fach- und fakultätsübergreifender Service für Fragen des wissenschaftlichen Schreibens. Die Angebote des Schreibzentrums richten sich sowohl an Studierende als auch an Promovierende und Lehrende. Langfristig wird dabei das Ziel verfolgt, die Schreibkompetenz an der TH Köln zu stärken und den hochschulweiten Austausch über das Schreiben zu fördern.

Konzipiert ist das Schreibzentrum als Lernumgebung und Wissensressource, auf die Angehörige der TH Köln jederzeit zurückgreifen können, um fundierte Unterstützung im Schreiben zu finden. Im Grunde werden dabei zwei Dinge in den Blick genommen: Zum einen geht es um das Schreiben selbst und den Schreibprozess als sozialen, kommunikativen Akt; zum anderen werden konkrete Texte und wissenschaftliche Textsorten thematisiert. Die Bandbreite der Themen, die am Schreibzentrum angesprochen werden, erstreckt sich mitunter von der Themenfindung und -eingrenzung, der Formulierung einer treffenden Forschungsfrage, der sprachlich-stilistischen Textgestaltung, der plausiblen Argumentation und sinnvollen Textgliederung bis hin zu Fragen des Zeitmanagements und der Selbstorganisation, der richtigen Schreibstrategie und des zielführenden Umgangs mit Schreibhemmnissen.

Die Angebote des Schreibzentrums

Die Zielgruppen des Schreibzentrums werden in verschiedenen Lehr-Lern-Formaten (s. Abb. 1) dabei unterstützt, verständliche und kohärente Texte zu formulieren und dabei selbst den Weg zu finden, den sie mit ihren Texten gehen möchten. Um die Entwicklung dieser Formate abzustimmen, steht das Schreibzentrum bei der Konzeption im engen Austausch mit den Fakultäten. Die offene Sprechstunde in der Schreibberatung wird in Zusammenarbeit mit der Hochschulbibliothek angeboten. Angebote für Promovierende werden in Zusammenarbeit mit dem Graduiertenzentrum erarbeitet. Eine zielgerichtete Schreibberatung für Studierende mit Beeinträchtigung und/oder chronischer Erkrankung wird in Zusammenarbeit mit der Beauftragten für Studierende mit Beeinträchtigung ermöglicht.

Die Abbildung zeigt drei untereinander angeordnete Textkästen, die die Angebote des Schreibzentrums darstellen.  In den Kästen werden die Angebote näher erläutert; sie enthalten den folgenden Text: Beratung, fachübergreifend, prozessorientiert und personenzentriert, individuelle Termine und offene Sprechstunde, für Studierende, Promovierende und Lehrende. Seminare und Workshops, zu den Facetten wissenschaftlichen Schreibens, fachübergreifend und fachspezifisch, digital und in Präsenz, für Studierende, Promovierende und Lehrende. Events, wie z. B. der SuperSchreibTag oder die Schreibzeit, zur Sensibilisierung für das Thema Schreiben sowie zur Förderung eines fach- und fakultätsübergreifenden Austauschs.  Die Kästen werden umrahmt von zwei Pfeilen. Sie symbolisieren, dass digitale Selbstlernmaterialien und Peer-to-Peer-Lernumgebungen die Bindeglieder der drei Kern-Angebote des Schreibzentrums sind. Abb. 1: Konzeptdarstellung des Schreibzentrums (Bild: TH Köln; Icons: Happy Art/AdobeStock.com)
  • Die fachübergreifende Schreibberatung ist offen für alle Studierenden und Promovierenden der TH Köln und wird sowohl als offene Sprechstunde als auch in Form individueller Gesprächstermine angeboten. Sie ist in erster Linie eine non-direktive Hilfe-zur-Selbsthilfe: In vertraulichen Gesprächen werden die individuellen Herausforderungen des Schreibens und/oder konkrete Texte thematisiert, um gemeinsam, im Dialog Antworten oder Lösungen zu finden. Die Verantwortung für ihre Texte bleibt hier stets bei den Ratsuchenden. In diesem Verständnis stellt Schreibberatung „eine begleitete Hinführung zum selbständigen Umgehen mit dem komplexen Schreibprozess“ (Brinkschulte 2014: 125) dar. Daneben können Lehrende sich jederzeit in schreibdidaktischen Fragen an das Schreibzentrum wenden.
  • In den Seminaren für Studierende, die das Schreibzentrum im Programm der Kompetenzwerkstatt anbietet, werden in praktischen Übungen grundlegende wissenschaftliche Arbeitstechniken erlernt und studienrelevante Textsorten in den Blick genommen. In Workshops für Promovierende werden Themen rund um das Verfassen der Dissertation, aber auch zur Entwicklung von Präsentations- und Organisationskompetenzen, angeboten. Und auch hochschuldidaktische Fortbildungen für Lehrende sind geplant, die eine sinnvolle Integration des Schreibens in die Fachlehre thematisieren.
  • Zur weiteren Sensibilisierung für die Vielschichtigkeit des Themas und zur Förderung des fakultätsübergreifenden Austauschs organisiert das Schreibzentrum außerdem regelmäßig kleinere oder größere Events zum wissenschaftlichen Schreiben. Hierzu gehören etwa die Schreibzeit oder der SuperSchreibTag. Diese Veranstaltungen bieten nicht nur einen besonderen Rahmen für Feedback und die Arbeit am eigenen Text, sondern ermöglichen auch, das Schreiben in der Gemeinschaft zu erleben und mit anderen Schreibenden Erfahrungen auszutauschen.

Zusätzliche Unterstützung findet sich in den digitalen Selbstlernmaterialien des Schreibzentrums, die über die E-Learning-Plattform ILIAS sowie die Kommunikations- und Kollaborationsplattform THspaces zur Verfügung gestellt werden. Ein weiteres Ziel des Schreibzentrums ist es schließlich, Peer-to-Peer-Lernumgebungen, wie z. B. autonome Schreibgruppen, zu schaffen, in denen sich Interessierte auf Augenhöhe begegnen, sich über ihre Texte austauschen oder einfach gemeinsam schreiben.

Rahmen und Fundierung unserer Arbeit

Als theoretischer Rahmen für die Arbeit des Schreibzentrums dienen die prozessorientierte Schreibdidaktik und sozialkonstruktivistische Lerntheorien. Für die konzeptionelle Ausrichtung bedeutet dies u. a.: Während die fachlich-inhaltliche Betreuung und Bewertung schriftlicher Arbeiten den Lehrenden in den Fachdisziplinen zukommt, ist die Aufgabe des Schreibzentrums in erster Linie eine kompetenzorientierte, motivationsfördernde „Begleitung […] im Umgang mit Texten.“ (Bräuer 2016: 339)

Darüber hinaus liegen, neben bewährten schreibdidaktischen Methoden, insbesondere die drei folgenden, grundlegenden Einsichten aus Schreibdidaktik und Schreibforschung (vgl. hierzu auch Gherairi /Hirschfelder 2015: 10) dem in Lehre und Beratung verfolgten Ansatz des Schreibzentrums zugrunde:

  • Akademische Schreibkompetenz ist erlernbar und kann durch Übung gefördert werden.
  • Der Schreibprozess ist komplex, rekursiv und verläuft individuell unterschiedlich.
  • Und: Es ist wichtig, über das Schreiben zu sprechen und sich Text-Feedback einzuholen.

Im Kern bedeutet dies: Der Erwerb akademischer Schreibkompetenz – mit allem, was dazu gehört – kann zwar mitunter ein langwieriger und herausfordernder Prozess sein, doch können das erforderliche Wissen und die notwendigen Fertigkeiten erlernt und durch ausdauernde Übung gestärkt werden (vgl. etwa Ruhmann/Kruse 2014: 17). Es ist ein Ziel eines Hochschulstudiums, dies zu erreichen und Schritt für Schritt zu erlernen, was es heißt, einen wissenschaftlichen Text zu schreiben.

Aufgrund der Individualität des Schreibprozesses kann es allerdings keine Patentrezepte für den Schreiberfolg geben. Aus diesem Grund setzt die prozessorientierte Schreibdidaktik auch „[…] bei den Schreibenden und deren Bedürfnissen an und unterstützt sie dabei, das Wissen und die Strategien zu entwickeln, die sie brauchen – in der jeweils aktuellen Textproduktion und weit darüber hinaus.“ (Bräuer/Girgensohn 2022: VIII) In diesem Sinne geht es nicht darum, Texte zu optimieren; das Schreibzentrum bietet ausdrücklich kein Lektorat oder Korrektorat. Vielmehr ist es eine Aufgabe der Arbeit am Schreibzentrum, die Reflexion über das Schreiben anzuregen, damit es zu einem alltäglichen, ganz selbstverständlichen Begleiter in Studium und Lehre wird.

Und dabei sollte immer wieder auch betont werden, dass Schreiben keine einsame Tätigkeit am heimischen Schreibtisch sein muss (vgl. ausführlich Fröhlich/Henkel/Surmann 2017 sowie Kruse 2018: 193-196). Ganz im Gegenteil: Fragen und Probleme lösen sich zumeist genau dann auf, wenn man das Gespräch mit anderen sucht. Hierzu gehört ganz wesentlich auch die Einsicht, dass man mit den Herausforderungen des Schreibens nicht alleine ist. Daher ist es eine weitere Aufgabe des Schreibzentrums, einen Ort des vertraulichen Sprechens über das Schreiben und des Schreibens als gemeinsamer, geteilter Lernerfahrung zu schaffen.

Downloads

Folie zur Bewerbung der Angebote des Schreibzentrums (PDF, 660 KB)

Sollten Sie gedruckte oder digitale Materialien benötigen, um in Ihrem Fachbereich auf unsere Angebote aufmerksam machen zu können, schicken Sie uns jederzeit gerne eine E-Mail an schreibzentrum@th-koeln.de.

Verwendete Literatur

Bräuer, Gerd (2016): Konzeptuelle Überlegungen zur Ausrichtung von Schreibzentren als Lernzentren. In: Ballweg, Sandra [Hrsg.]: Schreibberatung und Schreibförderung: Impulse aus Theorie, Empirie und Praxis. Frankfurt am Main: Lang, S.337-360.

Bräuer, Gerd/Girgensohn, Kathrin (2022): Geleitwort. In: Grieshammer, Ella et al.: Zukunftsmodell Schreibberatung. Eine Anleitung zur Begleitung von Schreibenden im Studium. 5. unveränd. Auflage. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S.VIIf.

Brinkschulte, Melanie (2014): Kollaboratives Lautes Erinnern als Methode in der Schreibberater*innen-Ausbildung. In: Westphal, Petra et al. [Hrsg.]: Peer Learning durch Mentoring, Coaching & Co. Aktuelle Wege in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Immenhausen: Prolog-Verlag, S.125-135.

Fröhlich, Melanie/Henkel, Christiane/Surmann, Anna (2017): Zusammen schreibt man weniger allein. (Gruppen-)Schreibprojekte gemeinsam meistern. Opladen, Toronto: Budrich.

Gherairi, Jasmina/Hirschfelder, Nicole (2015): Wissenschaftliches Schreiben als Herausforderung im Studienalltag. Ein integriertes Schreibprojekt im Fachbereich Amerikanistik. In: Tübinger Beiträge zur Hochschuldidaktik 11/1, S.5-50. URL: https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/63020.

Kruse, Otto (2007): Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. 12., völlig neu bearbeitete Auflage. Frankfurt, New York: Campus.

Kruse, Otto (2018): Lesen und Schreiben. Der richtige Umgang mit Texten im Studium. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Konstanz, München: UVK/Lucius.

Ruhmann, Gabriela/Kruse, Otto (2014): Prozessorientierte Schreibdidaktik: Grundlagen, Arbeitsformen, Perspektiven. In: Dreyfürst, Stephanie/Sennewald, Nadja [Hrsg.]: Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung. Opladen, Toronto: Budrich, S.15-34.

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