Heavy Acids: Rock'n'Roll auf dem Campus

Christian Wenning, Matthias Balsam, Benjamin Frindt und Prof. Stéphan Barbe geben als Heavy Acids ihr Debütkonzert (Bild: Sonja Müller/TH Köln)

Jetzt mal ehrlich: Wer wollte früher nicht ein Rockstar werden? Die einen träumten es nur, heimlich in ihrem Jugendzimmer. Und beneideten dabei jene, die es offensiv versuchten.


Egal, wie gut oder schlecht die Bands waren. Immerhin hatten sie Mut. In Kellern und Garagen, mit viel Bier und ein paar schwärmerischen, wohlmeinenden Groopies. Verklärte Erinnerungen und Fantasien gehen dabei Hand in Hand. Und wenn man zwar der Adoleszenz entwachsen ist, faszinieren Wunsch und Wirklichkeit des Rock’n‘Rolls nach wie vor.

Auch wenn sich die Heavy Acids keinen Tagträumen hingeben, jetzt noch mal mit einer zweiten Karriere als Rocker durchzustarten. „In Köln gibt es genug Bands, die besser sind als wir”, sagt Gitarrist Christian Wenning. „Aber wir haben den besseren Support”, erwidert Stéphan Barbe (Bass und Synthesizer). Denn eine ganze Fakultät steht hinter ihnen: 670 Chemie-Studentinnen und Studenten. Das Konzert im Kölner Blue Shell – das erste der Acids außerhalb der Hochschule – war lang im Voraus ausverkauft.

Stéphan Barbe, eigentlich Professor für chemische Verfahrenstechnik am Campus Leverkusen, ist so etwas wie der Mastermind der Band. Er hat die Acids gegründet, um inmitten der Industrielandschaft des Chemparks etwas mehr Campus-Atmosphäre zu zaubern. In Christian Wenning, Benjamin Frindt (Gesang) und Matthias Balsam (Schlagzeug) fand Barbe drei Doktoranden, mit denen er musikalisch auf einer Wellenlänge ist: Aus dem Fundus von Bands wie Nirvana, Kyuss, Queens of the Stone Age, Foo Fighters, Artic Monkeys und The Raconteurs schöpfen die Acids ihr Repertoire.

(v. l.) Prof. Dr. Stéphan Barbe, Benjamin Frindt, Matthias Balsam und Christian Wenning(v. l.) Prof. Dr. Stéphan Barbe, Benjamin Frindt, Matthias Balsam und Christian Wenning (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Geprobt wird im Keller des Fakultätsgebäudes. Dort darf zwar wie auf dem gesamten Gelände des Chemparks kein Alkohol getrunken werden, dafür schmückt den Proberaum bereits die erste Trophäe: ein violetter BH, der bei einem Campuskonzert auf die Bühne flog. Erst ging es darum, sich mit Kollegen nach der Arbeit auf angenehme und lautstarke Art den Kopf durchzupusten. Mittlerweile, nach drei Campuskonzerten, haben sie Blut geleckt und Spaß an der Bühnenpräsenz. „Obwohl wir keine Rampensäue sind”, räumt Matthias Balsam ein. „Wir versuchen die Pausen zwischen den Stücken möglichst kurz zu halten.”

Wie sie gerne klingen würden? „Wie die Rival Sons”, sagt Benjamin Frindt. „Aber das ist schwer, die sind sehr gut. Ihr Sound hat eine enorme Wucht.” Und weil es auf die Dauer langweilig wird, eine von vielen Coverbands zu sein, plant Barbe eine Weiterentwicklung. Expressionistische russische Stummfilme der 1920er reizen ihn. Zum Beispiel Panzerkreuzer Potemkin von Sergei Eisenstein. Neu vertont durch die Heavy Acids, aber mehr in Richtung Jazz und Elektro, im Stil von Portishead oder dem Cinematic Orchestra. Als Livekonzert kann Barbe sich dann die musikalische Vertonung einer Filmvorführung vorstellen. „Ich finde den Rollentausch spannend. Sonst bewerte ja immer ich die Studierenden, hier ist das genau umgekehrt.“

Text: Monika Probst

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