Typisch Mann, typisch Frau? Prof. Eva-Maria Pape

„Falsche Bescheidenheit oder Zurückhaltung bei der Darstellung der eigenen Fähigkeiten ist nicht förderlich.“


Prof. Eva-Maria Pape ist Direktorin des Instituts für Energieeffiziente Architektur und Prodekanin für Studium und Lehre an der Fakultät für Architektur Prof. Eva-Maria Pape ist Direktorin des Instituts für Energieeffiziente Architektur und Prodekanin für Studium und Lehre an der Fakultät für Architektur (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Frank Gehry, Norman Foster, Walter Gropius, Antoni Guadí, Rem Koolhaas, Daniel Libeskind, Mies van der Rohe, Walter Zumthor, Arata Izozaki – auf der noch weitaus längeren Liste berühmter Architekten taucht mit der Britin Zaha Hadid nur eine Frau auf. Gerade mal eine Handvoll Architektinnen hätten sich international einen Namen gemacht, schätzt Prof. Eva-Maria Pape. An der Zahl der Architekturstudentinnen liegt das nicht – an unserer Hochschule ist es knapp die Hälfte.

Selbstständigkeit als Hürde

Wer in der Architektur groß rauskommen will, muss sich erst einmal selbstständig machen. Das scheint für viele Frauen eine erste Hürde zu sein, die auch mit den neun Leistungsphasen-Voraussetzungen zu hat, um sich als Architekt oder Architektin in der Kammer eintragen zu können: Entwurfsplanung, Ausführungsplanung und Objektbetreuung sind drei der Phasen, die man als Berufserfahrung vorweisen muss. Je nachdem, wo man als Absolventin und Absolvent arbeitet, ist das gar nicht so leicht zu realisieren.

Für Eva-Maria Pape stand die Selbstständigkeit bereits früh im Berufsleben fest. Und Erfolge kamen schnell: So gewann sie Ende der 1990er-Jahre ihren ersten großen Wettbewerb für den Bau des Studienfunktionalen Zentrums der RWTH Aachen. Mit ihrem Architekturbüro realisiert Pape nach wie vor große Aufträge für Bürogebäude, öffentliche Gebäude und Wohnkomplexe. Doch durch die Vergaberichtlinien der EU sei es mittlerweile für den Nachwuchs schwierig, überhaupt an solchen Wettbewerben teilzunehmen, da sie nicht eingeladen werden. „Man muss Erfahrung mit ähnlichen Projekten vorweisen, sonst hat man keine Chance.“

Und auch als Jurymitglied in solchen Wettbewerben erlebt es Pape selten, dass Architektinnen überhaupt am Wettbewerb teilnehmen, weil sie nicht eingeladen werden. Die Baubranche ist überwiegend mit Männern besetzt, es passiert selten, dass Pape bei Bauprojekten auf der anderen Seite des Tisches mit Frauen zu tun hat. Je nach Charakter macht sie dann manchmal auch die Erfahrung von mehr oder weniger subtilen Anspielungen auf und Vorbehalten gegenüber ihrem Geschlecht. „Natürlich hat es letztendlich auch ein Stückweit damit zu tun, wie gut ich mich, meine Arbeit und mein Konzept vermarkte, um den Bauherren zu überzeugen“. Falsche Bescheidenheit oder Zurückhaltung bei der Darstellung der eigenen Fähigkeiten sei da nicht förderlich. Und hier erlebt die Professorin für Baukonstruktion die Studenten meist selbstbewusster im Auftreten als viele Studentinnen.

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