Typisch Mann, typisch Frau? Prof. Dr. Michaela Lambertz

„Ich warte immer noch darauf, dass eine Studentin mir sagt, sie habe sich für einen Ingenieurberuf entschieden, weil ihre Mutter Ingenieurin ist.“


Bauingenieurin Prof. Dr. Michaela Lambertz leitet den Masterstudiengang Green Building Engineering an der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme. Bauingenieurin Prof. Dr. Michaela Lambertz leitet den Masterstudiengang Green Building Engineering an der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme. (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Dr. Michaela Lambertz war 2012 im Institut für Technische Gebäudeausrüstung die erste Frau, die als Professorin berufen wurde, und damit die zweite Frau überhaupt in ihrer Fakultät. Schwer oder besonders hindernisreich hat sie die Eingewöhnung nicht empfunden. Zwar hätte sie einigen Kollegen zu anfangs durchaus angemerkt, dass sie unsicher waren und nicht wussten, wie sie mit ihr umgehen sollten. Aber als Bauingenieurin ist Lambertz gewohnt, mit Männern zu arbeiten. Das ist für sie eigentlich noch nie ein Problem gewesen. Nur in ihrem Studium erinnert sie sich an einen Professor, der alle Studentinnen einmal gefragt hatte, warum sie diesen Studiengang gewählt hätten. „Das war schon ärgerlich. Aber er konnte einfach nicht nachvollziehen, was Frauen daran interessiert.“ Lambertz Grund war ihr Vater, ebenfalls Bauingenieur – wie so ziemlich alle Väter ihrer Kommilitoninnen.

Studienwahl: eine Frage der Vorbilder

Für die Studiengangsleiterin des Masters Green Building Engineering ist die Studienwahl eine Frage der Vorbilder. Dass Bauingenieurwesen nur etwas für Männer sei, kam ihr damals nicht in den Sinn. „Ich warte allerdings immer noch darauf, dass eine Studentin mir sagt, sie habe sich für einen Ingenieurberuf entschieden, weil ihre Mutter Ingenieurin ist. Aber ich bin optimistisch, das kommt noch.“ Vieles habe mit dem eigenen Rollenerleben zu tun – bei Männern wie Frauen.

Lambertz möchte für Studentinnen ein Vorbild sein, die glauben, Familie und Karriere lasse sich nicht miteinander vereinbaren, und die deshalb beispielweise ein Masterstudium ausschließen. Selbst zweifache Mutter sieht sie große Vorteile in der zeitlichen Flexibilität, die ihr die Hochschule als Arbeitgeberin bietet. Wobei sie sich die Betreuungsaufgaben mit ihrem Mann teilt. „Durch die Möglichkeit, dass auch Männer Elternzeit nehmen können, hat sich für Unternehmen betriebswirtschaftlich vieles geändert. Sie müssen jetzt damit rechnen, dass auch ein Mitarbeiter ein halbes Jahr ausfällt, weil er frei nimmt.“

Das Klischee, dass nur sogenannte Mannweiber ein Ingenieurstudium absolvieren, erlebt sie im Alltag nicht. Vor zwei Jahren war die Fachschaft rein weiblich besetzt, mit Frauen, die überhaupt nicht diesem Klischee entsprachen. Es sei allerdings schon schwieriger, wenn Frauen zu weiblich-attraktiv wirken, und gleichzeitig noch intelligent. Da gebe es bei einigen Männern immer noch eine Schere im Kopf. Das erlebt die ehemalige Siebenkämpferin bisher aber eher privat: Einmal akzeptierten sie die Fußballspieler eines Jugendteams nicht als Fitnesstrainierin, weil sie eine Frau ist. „Aber Fußball ist noch einmal eine ganz eigene Welt der Männlichkeit“, kommentiert sie lächelnd ihr Erlebnis.

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