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Ein Artikel aus dem Hochschulmagazin

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Prof. Dr. Klaus-Dirk Schmitz

Informations- und Kommunikationswissenschaften
Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation (ITMK)

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Wie gut ist Google Translate?

Porträt von Prof. Dr. Klaus-Dirk Schmitz (Bild: Costa Belibasakis/FH Köln)

Google Translate verunstaltet sogar Weihnachtslieder. „Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit“ ins Englische übersetzt, wird zu „Power up the door, the door does not make much“. Prof. Dr. Klaus-Dirk Schmitz vom Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation erklärt im Inside-out-Interview, warum Übersetzungsprogramme nie so gut sein können wie der Mensch.

Wie funktionieren maschinelle Übersetzungsprogramme?
Klaus-Dirk Schmitz:
Grundsätzlich unterscheidet man bei der maschinellen Übersetzung zwei Ansätze. Zum einen gibt es sogenannte regelbasierte Verfahren. Diese analysieren zunächst den zu übersetzenden Satz und identifizieren einzelne Wörter, Wortgruppen, Nebensätze und Sätze. Wenn diese Struktur erkannt ist, übertragen sie die einzelnen Wörter in die Zielsprache und bauen die Struktur wieder auf. Es gibt also Wörterbücher für die Ausgangssprache, für die Zielsprache und ein Übersetzungswörterbuch. Google Translate funktioniert ganz anders. Hinter dem Programm steht ein statistisches System mit einer riesengroßen Datenmenge von bereits übersetzten Texten. Das System versucht aus diesen Daten Schlüsse zu ziehen, wie Sätze aussehen und Übersetzungen zu finden. Das hat einen großen Vorteil: Ich kann dieses System auf jede Sprache anwenden, für die ich eine bestimmte Datenmenge besitze. Darum gibt es Google Translate auch in sehr vielen verschiedenen Sprachen. Bei regelbasierten Verfahren muss man für jede neue Sprache auch neue Wörterbücher aufbauen und Regeln definieren. Darum gibt es diese Systeme für die großen, aber nicht für „exotische“ Sprachen.

Warum funktionieren die maschinellen Übersetzungen nicht so gut?
Klaus-Dirk Schmitz: Das Problem jeder Übersetzung sind Mehrdeutigkeiten. Der Mensch bemerkt die Mehrdeutigkeiten nicht, denn er erkennt den Sinn meistens über den Inhalt. Im Englischen zum Beispiel ist oft nicht klar, ob kleingeschriebene Wörter Substantive oder Verben sind. Der Mensch erkennt das meist sofort, der Computer nicht. Dieses Problem kann auch nicht durch mehr Datenmaterial gelöst werden. In einer Studie wurde Google Translate in den Jahren 2010, 2011, 2012 und 2013 mit dem gleichen Text getestet. 2010 war die Übersetzung schlecht, 2011 wurde sie besser, 2012 wurde sie noch besser und 2013 wurde sie wieder schlechter. Man braucht riesige statistische Datenmengen um Schlüsse zu ziehen, wie ein Wort übersetzt wird. Aber je größer die Datenmenge, umso mehr Mehrdeutigkeiten tauchen auf und die Ergebnisse werden wieder schlechter.

Wie werden die Systeme heute eingesetzt?
Klaus-Dirk Schmitz:
Google Translate wird häufig verwendet, um eine Idee davon zu bekommen, was in einem Text steht. Sie bekommen etwa einen Patentantrag auf Japanisch und mit Google Translate bekommen sie einen Eindruck, worum es gehen könnte. Diese Vorgehensweise heißt Informativübersetzung. Aber es gibt kein maschinelles Übersetzungssystem, das anspruchsvolle Texte wie Bedienungsanleitungen so gut übersetzt wie ein Mensch. Maschinelle Systeme können aber unterstützen. Es kann zum Beispiel effizienter sein, einen Text in Google Translate einzugeben und dann das Ergebnis zu korrigieren, als den kompletten Text selbst zu übersetzen. Eine andere maschinelle Unterstützung sind Translation Memories. Grundlage ist eine Datenbank mit vielen Sätzen, die schon einmal von der Ausgangssprache in die Zielsprache übersetzt wurden. Wenn ein neuer Text zu übersetzen ist, überprüft das Programm, ob ein gleicher oder ein sehr ähnlicher Satz schon in der Datenbank vorhanden ist. Das System bietet dann diese Übersetzung an. Und ich kann entscheiden, ob der Vorschlag passt oder ob ich kleine Änderungen vornehmen muss. Das ist heute Praxis in vielen Bereichen.

Interview: Christian Sander

Studiengänge des Instituts für Translation und Mehrsprachige Kommunikation

Fachübersetzen (Master)

Dieser Studiengang am ITMK / Fakultät 03 vermittelt die Wissenschaft und Praxis des Fachtextübersetzens inklusive Terminologie-, Translations- und Fachkommunikationswissenschaft. Er kann mit dem Schwerpunkt Technik/Naturwissenschaften oder Wirtschaft/Recht absolviert werden und erlaubt eine Spezialisierung in einer, zwei oder drei modernen Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Spanisch).

Internationales Management und Interkulturelle Kommunikation (Master) / GlobalMBA

Dieser internationale Studiengang der Fakultäten 03 und 04 führt in 15 Monaten zu zwei Abschlüssen (M. A. und MBA) und kombiniert Elemente des Internationalen Managements mit der Theorie und Praxis der Interkulturellen Kommunikation. Die Unterrichtssprache ist Englisch, das Studium umfasst Aufenthalte an Partnerhochschulen in Polen, China und den USA.

Konferenzdolmetschen (Master)

Dieser Studiengang am ITMK / Fakultät 03 vermittelt die Theorie und Praxis des Konferenzdolmetschens (Simultan- und Konsekutivdolmetschen) inkl. Vorbereitungsmethodik, Recherchemanagement sowie für den Beruf des Dolmetschers nötige Fachkenntnisse. Er kann in zwei Varianten (ABC, ACCC) mit Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch als aktive und passive Sprachen studiert werden.

Mehrsprachige Kommunikation (Bachelor)

Dieser Studiengang am ITMK/Fakultät 03 deckt 2 moderne Fremdsprachen (zur Wahl: Englisch, Französisch, Spanisch), die Grundsprache Deutsch und Grundlagen der Übersetzungs-, Kommunikations-, Sprach- und Kulturwissenschaft ab. Zum 4. Semester erfolgt eine Schwerpunktsetzung auf "Translation" (Übersetzen/Dolmetschen), "Kultur und Medien" oder "Wirtschaft". Das 5. Semester wird im Ausland absolviert.

Sprachen und Wirtschaft (Bachelor)

Dieser 4-jährige internationale Studiengang am ITMK / Fakultät 03 integriert über die Kooperation mit Universitäten in Belgien, Spanien, Frankreich und Irland zwei Jahre an Partnerhochschulen im Ausland. Er bietet eine grundständige wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung (Wirtschaft im Kontext: Kultur, Institutionen, Kommunikation) und ein umfassendes Studium in zwei modernen Fremdsprachen.

Terminologie und Sprachtechnologie (Master)

Der Studiengang der Fakultät 03 bietet in vier Semestern ein vertiefendes Studium, das auf der Basis wissenschaftlicher Grundlagen und anwendungsorientierter Inhalte eine professionelle Qualifikation im Bereich der Konzeption und des Einsatzes von Terminologie- und Sprachtechnologie-Systemen vermittelt.

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