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Cologne Institute of Conservation Sciences

Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft

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Prof. Dr. Friederike Waentig

Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS)

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Erste Hilfe für Objekte aus Kunststoff?!

Objekte aus der Sammlung, darunter Mario Bellinis Divisumma 18, Tupperware aus den 1950er Jahren u. eine aus Acrylglas gefertigte Butterdose von 1936. (Bild: TH Köln - CICS - Lisa Burkart)

Ein Leben ohne Kunststoff ist heute nicht mehr vorstellbar: Kunststoff ist der Werkstoff des 20. und 21. Jahrhunderts. Aber was verraten die Produkte durch ihre Formgestaltung, Herstellungstechnik und Materialität über uns und wie können wir sie für die Nachwelt erhalten?


Die beiden Restauratorinnen und Alumni Lisa Burkart und Laura Bode beschäftigen sich mit dem Alltagskulturgut Kunststoff und seinen Alterungsprozessen. In den nächsten Jahren beleuchten sie den Einfluss der Kunststoffe auf unsere kulturelle Entwicklung im interdisziplinären Forschungsprojekt „KuWerKo – Kunststoff ein moderner Werkstoff im kulturhistorischen Kontext“. Daran beteiligt sind der Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit dem LVR Industriemuseum Oberhausen, das Institut für Kunststofftechnik (IKT) der Universität Stuttgart und das Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften (CICS) der TH Köln.

Lisa Burkart und Laura Bode (von links nach rechts) beim Auspacken von Neuzugängen der Sammlung des Deutschen Kunststoff-Museums. Lisa Burkart und Laura Bode (von links nach rechts) beim Auspacken von Neuzugängen der Sammlung des Deutschen Kunststoff-Museums. (Bild: LVR - Uta Scholten)

Zwar ist Kunststoff als „unverrotbar“ in Verruf geraten, aber dem ist nicht so: auch Kunststoff altert. Vor allem die frühen Kunststoffe (Mitte 19. bis Anfang 20. Jh.) sind betroffen. Hier können die Alterungsprozesse sogar so weit gehen, dass die Objekte im wahrsten Sinne des Wortes zerfallen. Lisa Burkart beendete 2016 ihr Studium am CICS. Zu Beginn ihres Studiums galt ihr Interesse der Restaurierung von Objekten aus Holz, vor allem Möbel. Wie hoch der Restaurierungsbedarf für Möbel aus Kunststoff ist, war ihr damals noch nicht bewusst. Doch im Laufe ihres Bachelorstudiums entwickelte sich ihre Neugier an modernen Materialien und Design. In ihrer Masterarbeit und durch eine Kooperation mit dem Vitra Design Museum in Weil am Rhein konnte sie sich Entwürfen des finnischen Architekten und Designers Alvar Aalto und deren ‚Kunststoff-Oberflächen‘ widmen. Aus der Kooperation heraus bekam sie die Möglichkeit im Rahmen eines Volontariats in der Restaurierungswerkstatt des Museums mitzuarbeiten. Die umfangreiche Sammlung umfasst Stücke aus den Anfängen der modernen Gestaltung im 19. Jahrhundert bis hin zum Design der Gegenwart.  Lisa Burkart beobachtete während ihres Volontariats die unterschiedlichen Alterungsphänomene und Schadensbilder an den Sammlungsobjekten. Auf dem noch jungen Gebiet der Konservierung und Restaurierung von modernen Materialien gibt es bisher verhältnismäßig wenig praktische Erhaltungsstrategien. Deshalb bietet das Forschungsprojekt „KuWerKo für Lisa Burkart die Möglichkeit, die nächsten vier Jahre auf diesem Gebiet intensiver zu forschen.

Doch nicht nur die Beobachtung und Interpretation von Alterungsprozessen steht im Fokus des Projektes. Eine Hauptaufgabe ist die interdisziplinäre Spurenlese und Objektanalyse mit sachkulturellem, wissenschafts- und technikhistorischem Fokus. Die Projektpartner möchten den kulturhistorischen Einfluss der Kunststoffindustrie und ihren Produkten auf die Gesellschaft herausarbeiten. Dafür stellt das Deutsche Kunststoff-Museum seine Sammlung von 20.000 Objekten rund um das Thema Kunststoff zur Verfügung.

Vor allem die langfristige, objektgerechte Lagerung von Objekten aus Kunststoff stellt die Museen vor eine Herausforderung. Die Materialien altern, die damit einhergehenden chemischen und physikalischen Zersetzungsprozesse sowie migrierende Gase sind in den Museumsdepots auch eine Gefahr für benachbarte Objekte. Die sogenannte Präventive Konservierung setzt sich genau mit dieser Fragestellung auseinander und versucht, durch optimale Lagerung die Alterung der verschiedenen Kunststoffe zu verlangsamen und sogar aufzuhalten.
Diesem Feld widmet sich Laura Bode, die sich während ihres Bachelor- und Masterstudiums am CICS bereits früh mit der Präventiven Konservierung von Sammlungen beschäftigt hat. Auf dem Gebiet des Sammlungsmanagements im Depot konnte sie bereits einige Erfahrungen sammeln: In der Sammlung des Europäischen Flakonglasmuseums in Kleintettau, in der Werk- und Formensammlung des Kolumba (Kunstmuseum des Erzbistums Köln) und im Depot des Rijksmuseums in Amsterdam. Ein besonderer Fokus lag dabei immer auf der Problematik, wie man degradierende Kunststoffobjekte am besten lagert. Laura Bode wird sich in die Theorie vertiefen und das Thema praktisch weiterentwickeln. Vor allem die Lagerung von Kunststoffen am Beispiel der Sammlung des Deutschen Kunststoff-Museums wird sie in ihrer Masterarbeit untersuchen.

„Wir freuen uns darauf, thematisches Neuland zu betreten und uns mit der vielfältigen, bunten und einzigartigen Sammlung des Deutschen Kunststoff-Museums zu beschäftigen. Vor allem von der inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Projektpartnern erhoffen wir uns viel Input.“.

Fortsetzung folgt…

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