Typisch Mann, typisch Frau? Prof. Dr. Michaele Völler

„Frauen haben das Problem, dass sie zu selbstkritisch sind und sich nicht gut vermarkten.“


Prof. Dr. Michaele Völler lehrt Versicherungsmarketing und Unternehmensführung und ist Leiterin der Forschungsstelle Versicherungsmarkt am Institut für Versicherungswesen. Prof. Dr. Michaele Völler lehrt Versicherungsmarketing und Unternehmensführung und ist Leiterin der Forschungsstelle Versicherungsmarkt am Institut für Versicherungswesen. (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

„Frauen können erfolgreich sein, müssen es aber nicht. Es ist sozial akzeptiert, als Frau keine Karriere zu machen. Und das ist doch befreiend!“ Im Gegensatz zum Mann, der geradezu dazu verdammt ist, als evolutionär-bedingter Jäger und Ernährer in der beruflichen Hackordnung voran zu kommen.

Prof. Dr. Michaele Völler will zwar keine Lanze für die Männer brechen. In ihrer Zeit bei der Boston Consulting Group Deutschland war sie erfolgreich in ihrem Job als Beraterin und Projektleiterin, erlebte aber auch Schwierigkeiten. Beispielsweise durch die Bewertungskriterien der Vorgesetzen: Männer, die die Regeln für erfolgreiches Arbeiten definieren und diese an männlichen Maßstäben ausrichten. Natürlich werden dann zwei Kinder als Handicap für eine Beförderung angesehen, aber nur bei den Müttern, nicht bei den Vätern. Für Völler liegt das nicht an bösem Willen, sondern an den gesellschaftlichen Werten, durch die die Vorgesetzten – mehrheitlich ältere Herren – geprägt wurden.

Und man, bzw. frau kann auch anders zum Erfolg kommen: „Ich war immer offen und persönlich im Kontakt mit Kunden, darüber konnte ich sehr gut Vertrauen aufbauen, um auch in schwierigen Situationen konstruktiv mit ihnen zusammenzuarbeiten.“ Am Ende stand sie vor der Wahl: Karriereleiter weiter hinauf oder eine Professur. Und da sind wir wieder bei den sozialen Erwartungen: Denn für Michaele Völler können Frauen viel leichter auch ein anderes Konzept von Erfolg für sich definieren, abseits der Statussymbole eines hohen Gehalts, Boni, repräsentativen Büros und Sekretärinnen. „Ich bin erfolgreich, wenn mein Lebenskonzept mit Arbeit und Familie passt.“

Die Versicherungsbranche ist eine Männerwelt

Jetzt teilt sie sich im Institut für Versicherungswesen ihr kleines Büro mit einem Kollegen, verdient deutlich weniger, macht dafür aber nur noch „was ich will und mit wem ich es will“. Und das Ansehen als Professorin ist auch höher. Die Versicherungsbranche ist eine Männerwelt. Da fällt man als Frau per se schon auf. „Wenn man dann auch noch gut in seinem Job ist, bleibt man viel stärker im Gedächtnis haften. Frauen haben das Problem, dass sie zu selbstkritisch sind und sich nicht gut vermarkten.“ Während Männer keine Hemmung hätten, sich Kompetenzen ans Revers zu heften, von denen sie nur Grundkenntnisse besitzen, würden Frauen sich ständig in Frage stellen und nur solche Fähigkeiten an sich akzeptieren, die sie auch zu 100 Prozent beherrschen.

„Frauen nutzen ihre Netzwerke einfach schlechter. Dabei müssen sie gepusht werden, zum Beispiel durch einen Mentor.“ Michaele Völler benutzt demonstrativ die männliche Form „Mentor“. In einer Welt, in der immer mehr Wert auf Usability gesetzt wird, findet sie, sollte man seine Energie darauf verwenden, durch Leistung und als Role-Model seine Frau zu stehen, statt durch umständliche Sprache. „Meine Kinder werden unter dem Begriff ‚Professor‘ nicht automatisch einen Mann verstehen, denn sie sehen mich als Vorbild.“ Und durch den Wertewandel, der in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat und weiter anhält, würde sich auch das Rollenverständnis ändern. „Als Lehrer ist es jetzt bereits sozial akzeptiert, dass Männer in Elternzeit gehen.“ In der Industrie kommt das also auch noch.

M
M