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Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften

Campus Südstadt
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Masterstudiengang Gender und Queer Studies: Interview mit Prof. Dr. Renate Kosuch

Prof. Dr. Renate Kosuch  (Bild: A. L. Recksiek)

Gemeinsam mit der Universität zu Köln und unter Beteiligung der Hochschule für Musik und Tanz Köln bietet die TH Köln ab dem Wintersemester den Masterstudiengang Gender und Queer Studies an. Prof. Dr. Renate Kosuch vom Institut für Geschlechterstudien in der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften hat an der Entwicklung des Studiengangs maßgeblich mitgearbeitet.

Drei Akteure ein Studiengang. Wie wirkt sich die Zusammenarbeit der Hochschulen auf die Inhalte des Studiengangs aus?
Renate Kosuch: Wir können ein ungewöhnlich breit gefächertes Studienangebot bereitstellen. Alle Fakultäten der Universität zu Köln beteiligen sich, die Humanwissenschaften, wo der Studiengang verankert ist, Wirtschaft, Mathematik, Naturwissenschaften, Recht, Philosophie und Medizin. Die Hochschule für Musik und Tanz Köln ist dabei. Zusammengenommen mit dem Studienangebot unserer Hochschule eröffnet sich eine Fülle an Möglichkeiten der Schwerpunktsetzung. Allein wenn Sie in die Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften schauen, die den Studiengang hier bei uns verantwortet, finden Sie dort bereits ein multidisziplinäres Lehrangebot. Perspektivisch wollen wir weitere Fakultäten unserer Hochschule einbinden, gerade auch aus den technischen Bereichen.

Wie erschließen sich die vielen Facetten der Gender Studies den Studierenden konkret?
Renate Kosuch: Durch den Verbund kann die inhaltliche Breite gut strukturiert und zugänglich gemacht werden, dies war uns auch in der Curriculumentwicklung wichtig. Neben eigens konzipierten Lehrveranstaltungen sieht der Studienplan Module vor, die mit anderen Masterstudiengängen der beteiligten Hochschulen absolviert werden. Dann gibt es das „Kolloquium“, das sich als Ort der transdisziplinären Auseinandersetzung mit den vielfältigen Impulsen wie ein roter Faden durch das Studium zieht. Einen besonderen Entwicklungsraum bietet auch ein Forschungs- und Praxismodul, das als Praktikum, durch Beteiligung an Forschungsprojekten oder in eigenen Forschungs- und Praxisprojekten im In- und Ausland absolviert werden kann. Da kann sich noch Vieles entwickeln. Unser Fundament ist das unter der Leitung von GeStiK, der zentralen Einrichtung der Gender Studies an der Universität zu Köln, geknüpfte Netzwerk in die Hochschulen und in die Region hinein. Das Institut für Geschlechterstudien wurde von GeStiK schon früh eingebunden und so wird die TH Köln Expertise in den Gender Studies, Erfahrung in Wissenschaft, die sich auch anwendungsorientiert herausfordern lässt, und ihr großes Netzwerk in die Praxis einbringen.

Und schließlich können sich inhaltliche Schwerpunktsetzungen auch durch hochschulübergreifendes Teamteaching und Dialogvorlesungen neu und weiterentwickeln. Das Interesse, sich an solchen Lehrformaten zu beteiligen ist groß – das hat sich schon bei der Planung der ersten Ringvorlesung gezeigt.

Gender and Queer Studies sind bislang ein Thema von Geistes- und Sozialwissenschaften. Kann das Masterstudium dabei helfen, Verständnis für mit dem Geschlecht verbundene soziokulturelle Zuschreibungen in einen breiteren Raum zu tragen?
Renate Kosuch: Ganz bestimmt. Mit dem Masterabschluss können sich Absolvent*innen in die vielfältigen Fachkulturen einbringen, aus denen sie ursprünglich kommen. Wir begegnen ihnen dann beispielsweise im Gesundheitswesen, in der Personal- oder Produktenwicklung, in der Politikberatung, oder in der Arbeit mit Gruppen und Initiativen. Oder sie gehen in die Forschung nicht nur explizit zu Genderfragen,  z.B. in außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Und wir finden sie sicherlich dort, wo Gender-Kompetenz das Tätigkeitsprofil prägt: in Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsstellen, in öffentlicher Verwaltung, Unternehmen, oder in Gender und Queer Beratungsstellen.

Ein Blick in das Jahr 2050: Werden sich durch eine breitere Gendersensibilisierung und -kompetenz  unser Zusammenleben, der Alltag, die Arbeitswelt verändert haben? Und wenn ja, wie?
Renate Kosuch: Verändert ja – gerechter hoffentlich. Um die bessere Verteilung von Lebenschancen zu verhandeln brauchen wir Kategorien – Geschlecht kommt dabei eine Schlüsselstellung zu. Das wird auch im Jahr 2050 noch ein fortgesetztes Bemühen erfordern. Aber so paradox es erscheint, die Auflösung von Kategorien, Vielfalt und Uneindeutigkeit sind ebenfalls bedeutsame Quellen der Entwicklung von Gerechtigkeit, Freiraum, Kreativität und Demokratie. Ich bin überzeugt davon, dass dafür notwendige Innovationen vor allem in transdisziplinären Räumen wie unserem hier entwickelt werden können, mit Blickrichtungen und Methoden, die queer zu den disziplinären Herangehensweisen stehen. Im hochschulübergreifenden Zusammenspiel werden sich Wissenschaftler*innen ebenso wie Studierende drängenden aber auch übersehenen Fragestellungen zuwenden. Da wird es um Körper und Identitäten, um Gesellschaft, um Macht und Begehren gehen – die Methoden der Gender- und Queer Studies haben da einiges zu bieten.

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