MALIS-Symposium: Die Rolle der Ethik für angehende Bibliothekarinnen und Bibliothekare

Der berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft feiert sein zehnjähriges Bestehen. Rund 200 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutieren zwei Tage über Konzepte und Strategien für die bibliothekarische Praxis. Initiator des Symposiums ist Prof. Dr. Oßwald, Studiengangsleiter MALIS. Auch das Thema Ethik spielt eine bedeutende Rolle.

Bibliothekarinnen und Bibliothekare leisten einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen und wissenschaftlichen Kommunikation. Doch sie stehen im Zeitalter von Digitalisierungs- und Archivierungsprozessen, Informationsfluten mit Fake News oder beim Umgang mit rechtspopulistischen Publikationen vor zahlreichen Herausforderungen. Neben IT, Management oder Dienstleistungsorientierung ist das Thema „Ethik“ ein Bestandteil im Curriculum des Studienganges (Master in Library and Informations Science / MALIS) an der TH Köln. Ein Thema, das Prof. Dr. Hermann Rösch auf dem Symposium „Mit MALIS Zukunft gestalten – Konzepte und Strategien für die bibliothekarische Praxis“ vorstellt.

Prof. Dr. Hermann Rösch, Sie lehren „Bibliotheksethik“ an der TH Köln. Wie sollten Bibliotheken mit rechtspopulistischen Publikationen und Verlagen umgehen?

Es gibt eindeutig ein vermehrtes Aufkommen von rechtspopulistischen und rechtsradikalen Publikationen. Zurzeit wird stark diskutiert, wie damit umzugehen ist. Aus ethischer Sicht muss ich dazu sagen, dass Informationsfreiheit als ethischer Grundwert oberste Priorität hat. Selbstverständlich sollten Bibliotheken deshalb auch Werke mit umstrittenen Inhalten von rechtspopulistischen Verlagen in ihren Bestand aufnehmen. Ansonsten müssten wir uns auf eine Instanz verlassen, die alleine für uns entscheidet, welches Werk verbannt werden soll. Das könnten wir jedoch selbst nicht überprüfen, was wiederum eine Form von Entmündigung wäre. Aus ethischer Sicht ist zu fordern, dass in Bibliotheken Materialien zu allen im gesellschaftlichen Diskurs thematisierten Aspekten bereitgestellt werden, damit sich die Bürgerinnen und Bürger selbst ein Bild machen können. Bibliotheken müssen in dieser Hinsicht neutral sein und dürfen nichts vorenthalten. Sie haben die ethische Verpflichtung, das demokratische System zu stärken, indem sie ohne Einschränkung zur informationellen Grundversorgung beitragen.

Und wie sieht das in der Praxis aus?

Wenn Dokumente mit entsprechenden umstrittenen Inhalten bereitgestellt werden, wie beispielsweise „Mein Kampf“, dann sollten Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer die Möglichkeit haben, sich mithilfe von Materialien, die genau in gleicher Weise zugänglich sind, kritisch mit diesen Werken auseinanderzusetzen. Durch Kontextualisierung soll die Dekonstruktion von Lügen, Verfälschungen und Verschwörungstheorien ermöglicht werden. Das schafft Vertrauen in Bibliotheken, denn in funktionierenden Demokratien darf Bürgerinnen und Bürger nichts vorenthalten werden.

Wie kann das im Einzelnen aussehen?

Es gibt Bibliotheken, die beispielsweise Flyer zu Werken mit rechtspopulistischen Inhalten anbieten, in denen en detail aufgelistet wird, welche Aussagen und Fakten falsch sind. Außerdem bieten Bibliotheken Diskussionsveranstaltungen zu entsprechenden Themen an, laden Betroffene ein und arbeiten mit Expertinnen und Experten von Einrichtungen und Interessenverbänden zusammen, die aufklären und Antworten auf Fragen geben. Bibliotheken vermitteln darüber hinaus auch Informationskompetenz und stärken so die Fähigkeit, die Glaubwürdigkeit von Quellen zu beurteilen. Das Verbreiten von ethischem Problembewusstsein ist ein wichtiger Punkt. Daran müssen wir in Deutschland noch arbeiten.

Was vermitteln Sie Ihren Studierenden in Ihren Seminaren zum Thema Ethik?

Unsere Studierenden lernen u.a. anhand von Fallstudien aus der Bibliothekspraxis, sich ethische Fragen zu stellen und Lösungswege durch ethische Reflexion zu finden. Es geht um Fälle aus den Bereichen der Informations- und Meinungsfreiheit, des Datenschutzes oder der Informationsgerechtigkeit. Auf der anderen Seite geht es uns auch darum, dass unsere Studierenden Sinnfragen stellen: Welche Rolle spielen Bibliotheken für die Scientific Community und für die Zivilgesellschaft? Welche Bedeutung hat die bibliothekarische Arbeit für die Gesellschaft und für die Wissenschaft im 21. Jahrhundert, wo vieles digital abläuft? So ist z.B. zu reflektieren, wie Forschungsmonitoring durch Bibliotheken oder der Einsatz von Learning Analytics Software zu bewerten ist. Wir zielen darauf, dass die angehenden Bibliothekarinnen und Bibliothekare sich diesen und ähnlichen Fragen stellen und ethische abgesicherte Lösungen finden.

Das Symposium findet am 31. Januar und 1. Februar 2019 an der TH Köln, Claudiusstr. 1, Hörsaal 69, 50678 Köln, statt. Anmeldungen sind nicht mehr möglich.

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