Männlich, jung, vom Land

Bei der Nacht der Technik 2019 präsentiert das Institut seine aktuelle Entwicklungsarbeit zu ferngesteuerten Baggern. (Bild: Costa Belibasakis/TH Köln)

Es gibt ihn auch nach 70 Jahren noch, den typischen Absolventen am Institut für Bau- und Landmaschinentechnik. Für die Industrie ist das gar nicht so verkehrt.


(li.) Wilhelm Schott, Alumnus und Vorsitzender des IBLFördervereins. Prof. Dr. Wolfgang Kath-Petersen, geschäftsführender Institutsdirektor (re.). (li.) Wilhelm Schott, Alumnus und Vorsitzender des IBLFördervereins. Prof. Dr. Wolfgang Kath-Petersen, geschäftsführender Institutsdirektor (re.). (Bild: Thilo Schmülgen/Costa Belibasakis/TH Köln)

Als Wilhelm Schott in Köln sein Studium der Landmaschinentechnik anfing, da war Willy Brandt Bundeskanzler, da hatte gerade der erste Mensch den Mond betreten, und Schotts Ausbildungsstätte hieß noch Staatliche Ingenieurschule und saß am Ubierring. Eine Einrichtung, die ein Jahr später, 1971, in der neu gegründeten Fachhochschule aufgehen sollte. Was sich in den fast 50 Jahren seither getan hat, lässt sich aber nicht bloß an Namensänderungen ablesen. Studieninhalte und Anforderungen an die Studierenden zeigen das schon eher: „Damals war ein einmonatiges Praktikum in einer Gießerei Pflicht. Ob das einen Sinn hatte, weiß ich nicht, jedenfalls sollten wir dabei die Werkstoffe kennenlernen, aus denen die Maschinen gebaut wurden“, erzählt Schott. Glühendes Eisen, sprühende Funken, das war die Welt, die ein Student der Landmaschinentechnik damals kennenlernte.

Die Ursprünge des heutigen Instituts für Bau- und Landmaschinentechnik (IBL) an unserer Hochschule reichen sogar noch früher zurück in das Jahr 1949. Mit einem Festkolloquium wird am 27. und 28. September das 70-jährige Bestehen gefeiert. Wilhelm Schott ist mittlerweile Vorsitzender des IBL-Fördervereins, der das Festprogramm gemeinsam mit dem Institut gestaltet. Geschäftsführender Direktor ist heute Prof. Dr. Wolfgang Kath-Petersen, der lange Jahre für Unternehmen der Branche gearbeitet hat und seit 2011 an der TH Köln arbeitet.

Als Projektadministrator im Forschungsprojekt PUDAMA entwickelt  Promovend Max Bouten eine punktgenaue Düngerapplikation für die Maisaussaat, um den Nitrat- und Phosphoreinsatz deutlich zu reduzieren. Als Projektadministrator im Forschungsprojekt PUDAMA entwickelt Promovend Max Bouten eine punktgenaue Düngerapplikation für die Maisaussaat, um den Nitrat- und Phosphoreinsatz deutlich zu reduzieren. (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Vielfältigere Lehrinhalte als 1980
Als Kath-Petersen in den 1980er Jahren studierte, waren Gießereien schon längst kein Thema mehr. Doch vom heutigen Studium war seine Ausbildung ebenso weit entfernt. „Heute ist die Lehre viel umfangreicher, vielfältiger geworden. Ging es damals vor allem um Mechanik und Hydraulik, so reden wir heute immer mehr auch von Elektronik und digitalen Strukturen“, sagt Kath-Petersen.

Warum, hat der Wissenschaftler schnell erklärt: „Früher saß der Bauer auf einem Schlepper unter freiem Himmel und steuerte selbst geradeaus, heute sitzt er in einer klimatisierten Kabine eines teilautonomen Fahrzeugs, nutzt eine bis auf 2,5 Zentimeter genau arbeitende Lenkautomatik und ist vor allem damit beschäftigt, elektronische Messgeräte zu justieren und zu kalibrieren. Früher war die größte Katastrophe, die passieren konnte, wenn ein Reifen platzte – heute ist es, wenn die Verbindung zum Satelliten verloren geht.“ Solche hochmoderne Technik ist zumindest in größeren Betrieben heute Standard, und zwar in konventionellen ebenso wie in biologisch arbeitenden.

Wissen, wo die Kartoffeln wachsen
Entsprechend haben sich Forschung und Lehre in der Landmaschinentechnik verändert und  sind vielseitiger geworden. Gleichwohl ist sich Kath-Petersen bewusst: „Besonders einladend klingt der Begriff für Fachfremde nicht.“ Und er macht auch keinen Hehl daraus, dass die Mehrheit der Studierenden einen entsprechenden Hintergrund hat, sprich: vom Hof kommt. Für die künftigen Arbeitgeber aber ist das genau das Richtige, ergänzt Schott: „Die wollen zwar Ingenieure, aber die sollen auch wissen, wo die Kartoffeln wachsen.“ Also wissen, wofür sie die Maschine eigentlich konstruieren.

Das IBL wirbt zwar in Zeitschriften, nimmt an Veranstaltungen wie der Nacht der Technik teil und bietet regelmäßig Info-Tage an, aber die Interessenten kommen nach wie vor zum allergrößten Teil aus dem Umfeld der Landwirtschaft. Und sie sind fast ausschließlich männlich. Dass sich die Frauenquote von derzeit gut drei Prozent signifi kant steigern ließe, kann sich auch der Direktor nicht vorstellen – so gern er es täte.

Ausgereifte Technologie auf dem Acker
Vielleicht aber wird die Entwicklung der Landwirtschaft insgesamt ja doch noch Überraschungen mit sich bringen. Technologisch ist die Landmaschinentechnik für Ingenieure jedenfalls spannend genug, sagt Schott: „Gegen eine moderne Landmaschine ist ein heutiger Pkw gewissermaßen ein Waisenknabe.“ Autonome Fahrzeuge zum Beispiel sind hier längst ausgereift – nur gelten auf dem Acker heute jedenfalls noch dieselben Einschränkungen wie im Straßenverkehr, wo immer ein Mensch an Bord sein muss, der notfalls eingreifen kann. Es könnte ja sein, dass der gewaltige Mähdrescher am Feldrand einen Menschen erwischt.

Institut feiert Jubiläum
Betätigungsfelder für Ingenieurinnen und Ingenieure gibt es also reichlich. Außerdem bietet das IBL seit seiner Neuausrichtung im Jahr 2016 auch die Möglichkeit der Spezialisierung auf mobile Baumaschinen, die etwa im Straßenbau eingesetzt werden und die in ihrer technischen Basisausstattung den Landmaschinen sehr ähneln. Das ist ein in Deutschland bis dato einzigartiger Studiengang, dessen Absolventen – und das gilt für den Landmaschinenzweig gleichermaßen – beste Jobaussichten haben. Denn in beiden Bereichen werden von Anfang an besonders enge Kontakte zu Unternehmen gepflegt. Hier wie dort ist die Branche überschaubar, man kennt sich und erlebt sich als eine große Familie.

Werner Grosch, 25. September 2019

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