Kurioses in der Kunstsprechstunde

In der Kunstsprechstunde werden private Kunstschätze auf Alter, Material, Zustand und Restaurierungsmöglichkeiten untersucht. (Bild: Costa Belibasakis)

Eine Bibel aus dem 16. Jahrhundert, ein Bild aus der italienischen Renaissance und eine seltene Stockgeige waren Highlights auf der Kunstsprechstunde. Expertinnen und Experten des Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften (CICS) haben auf der Exponatec, der internationalen Fachmesse für Museen, Konservierung und Kulturerbe, private Kunstschätze untersucht.

In der Kunstsprechstunde erfuhren die Besucherinnen und Besucher mehr über das Material, den Zustand, das Alter und die Möglichkeit der Restaurierung ihrer Wertgegenstände. Eine Stockgeige, die eher einen kuriosen Seltenheitswert hat als das sie durch ihre Klangfarbe besticht, sah stark beschädigt aus. Doch der Instandsetzungsaufwand ist geringer als gedacht. Auch ließ sich das bisher unbekannte Alter des als Gehstock konzipierten Musikinstruments eingrenzen. Zwar gibt es erste Varianten bereits seit dem 17. Jahrhundert, aufgrund des eingearbeiteten Gewindes im Griff lässt sich die Herstellung dieses Exemplars auf Ende des 19. Jahrhunderts eingrenzen, schätzt Prof. Dr. Friederike Waentig. Jetzt wird geprüft, ob die Geige innerhalb eines studentischen Projekts am CICS restauriert werden kann.

Ähnlich gut erhalten war eine gedruckte Diethenberger Bibel aus dem 16. Jahrhundert, eine sogenannte Biblia Sacra mit der heiligen Schrift des alten und neuen Testaments. „Zwar ist die Holzvordecke gebrochen, aber der Buchblock befindet sich in einem guten Zustand“, so Professor Dr. Andrea Pataki-Hundt. „Allerdings befindet sich an einer Stelle Tierfraß, vermutlich von Mäusen. Die vordere Verbindung vom Buchblock und Rücken hat sich gelöst, die ersten Lagen sind in einem schlechteren Zustand: Sie sind lose, verknickt und gestaucht. Das Frontblatt mit Titel ist allerdings noch erhalten.“

Neben handwerklichem und kunsthistorischem Know-how kommen dort, wo das bloße Auge nicht mehr ausreicht, technische Hilfsmittel zum Einsatz: Mittels Mikroskop, UV-Strahlung, Infrarotreflektografie und einer Röntgenfluoreszensanalyse lassen sich beispielsweise bei einem Gemälde der Malgrund und die verwendeten Farbpigmente ganz genau untersuchen. So konnte Prof. Dr. Gunnar Heydenreich bestätigen, dass das eingereichte Madonnengemälde tatsächlich aus der Renaissance stammt.

Die Kunstsprechstunde des CICS findet alle zwei Jahre statt und ist mittlerweile fester Bestandteil der Fachmesse Exponatec, auf der sich das Institut mit seinen Forschungsarbeiten präsentiert. In diesem Jahr war der Schwerpunkt "Bildgebende Verfahren". Dabei wurden neun aktuelle Projekte aus der kunsttechnologischen Forschung sowie der Restaurierung von Kunst und Kulturgut vorgestellt. Darunter das DFG-Forschungsprojekt in der jordanischen Felsenstadt Petra, in der Wandmalereien mittels Zeitrafferfotografie dokumentiert werden. Oder die Ergänzungen eines Kapellenmodels mit Hilfe eines 3D-Druckers sowie „Gläserne Figuren – Ausstellungsikonen des 20. Jahrhunderts“.

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