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Mehr zum Thema Existenzgründung an der TH Köln

Ein Artikel aus dem Hochschulmagazin

Kreativität, Teamgeist und Mut fördern

Durch Entrepreneurship Education will die Hochschule Gründergeist schaffen. Was darunter zu verstehen ist und welche Ziele dabei der Arbeitskreis Entrepreneurship verfolgt, erklärt seine Initiatorin Prof. Dr. Annette Blöcher.

Porträt Annette Blöcher Prof. Dr. Annette Blöcher, Start-upLab@TH Köln, Inkubator Südstadt (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Haben viele Ihrer Studierenden den Traum von einer eigenen Firma? 

Selbstbestimmtes Arbeiten, eigene Ideen entwerfen und diese umsetzen – wer träumt als junger Mensch nicht davon? Für viele unserer Studierenden wandelt sich der Gedanke vom eigenen Unternehmen zunehmend von Plan B zu Plan A. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung.  

Sind diese Anliegen typisch für BWL-Studierende oder passen sie auch zu anderen Fachdisziplinen?  

Ganz klar: Ideen, die in einem eigenen Unternehmen münden können, gibt es in allen Disziplinen. Über zehn Prozent unserer Studierenden sind bereits selbstständig, weitere 67 Prozent sind gründungsinteressiert. Wir sehen außerdem innerhalb des Arbeitskreises Entrepreneurship, dass Studierende über alle Fakultäten hinweg gute Projekte haben, die sie nach vorne bringen wollen und dabei ihre Professorinnen und Professoren um Unterstützung bitten. Gründung ist generell ein interdisziplinäres Thema, bei der die BWL als Querschnittsdisziplin eine Schnittstelle bildet.  

Hat der Arbeitskreises Entrepreneurship zum Ziel, mehr Studierende für Gründungsideen zu gewinnen?  

Wir unterstützen immer gerne bei Gründungsideen, aber Gründung ist nicht unser einziges Ziel. Entrepreneurship heißt, unternehmerisch zu denken und zu handeln, Ideen proaktiv zu entwickeln und umzusetzen – das wollen wir fördern. Diese Kompetenzen müssen nicht ausschließlich in einer eigenen Unternehmensgründung münden. Sie sind auch in etablierten Unternehmen vorteilhaft, in denen unsere Absolventinnen und Absolventen Ideen erarbeiten, platzieren und weiterentwickeln. Wir wollen Studierende in ihrer Gestaltungs- und Umsetzungskompetenz unterstützen: dass sie den Mut haben, Dinge anzupacken, und den Mut aus Fehlern zu lernen.  

Es geht also um die Vermittlung von Kompetenzen, die beispielsweise auch für Studierende der Sozialen Arbeit oder der Mehrsprachigen Kommunikation relevant sind? 

Auf jeden Fall! Manche Fachbereiche thematisieren das mehr als andere, aber überall steigt das Interesse. Gerade Themen wie Social Entrepreneurship und Sustainable Entrepreneurship adressieren stark geisteswissenschaftlich ausgerichtete Fakultäten.  

Was ist unter Social bzw. Sustainable Entrepreneurship zu verstehen?  

Bei Sustainable Entrepreneurship geht es um die von den Vereinten Nationen formulierten 17 Nachhaltigkeitsziele. Also um die Frage: Wie erhalten wir unsere Welt und machen sie Stück für Stück besser? Wir stellen bei den Studierenden zunehmend fest, dass Nachhaltigkeit und zirkuläres Wirtschaften für sie eine zentrale Rolle spielen. Das zeigt sich verstärkt in den Seminaren, in denen sie Geschäftsmodelle entwickeln. Bei Social Entrepreneurship geht es um Ideen, die dem Gemeinwohl dienen, ein soziales und gesellschaftliches Problem aufgreifen und dafür Lösungen entwickeln. Entscheidend ist, dass dabei die Gewinnmaximierung nicht das primäre Ziel ist.  

Vertragen sich nachhaltige und soziale Geschäftsmodelle damit, dass die Studierenden davon leben können?  

Die Frage könnte auch genau andersherum lauten: Können es sich junge Unternehmer und Unternehmerinnen heutzutage überhaupt noch leisten, eine Unternehmensidee zu verfolgen, die nicht nachhaltig ist? Nachhaltigkeit ist einer der großen Trends, den auch immer mehr Investorinnen und Investoren im Fokus haben. Generell gilt, dass sich Geschäftsmodelle langfristig tragen müssen. Aber sich langfristig tragen und Gewinnmaximierung sind nicht das Gleiche. Natürlich muss der Gründer oder die Gründerin davon langfristig leben können, aber nicht jede muss sich mit dem verdienten Geld eine Villa bauen können. Und auf der anderen Seite gibt es auch soziale Ideen, mit denen man gutes Geld verdienen kann. Die beiden Seiten schließen sich also keinesfalls aus. 

Wie groß ist der Arbeitskreis Entrepreneurship?  

Wir haben derzeit ca. 30 Mitglieder aus mittlerweile fast allen Fakultäten und freuen uns nach wie vor sehr über weitere Verstärkung, damit möglichst alle Fakultäten vertreten sind. Wir wollen im Arbeitskreis ein Netzwerk schaff en, in dem sich interessierte Lehrende über Synergien und Best-Practice-Beispiele austauschen.  

Wenn ich als BWL-Studentin zwar eine Idee habe, mir aber das dazu nötige technische Know-how fehlt, helfen mir dann die Professorinnen und Professoren des Arbeitskreises bei der Suche nach potenziellen Geschäftspartnerinnen und -partnern aus anderen Fakultäten?  

Als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren versuchen wir das, uns gelingt diese Vernetzung aber auch über Veranstaltungen gut. Zum Beispiel bieten wir mit dem Entrepreneurs-Club der Hochschule eine Plattform, auf der Studierende ihre Geschäftsideen vorstellen und Gleichgesinnte finden können. Hier kommen auch immer wieder interdisziplinär interessante Teams zustande. Aber wir können nicht in jedem Fall eine persönliche Kontaktvermittlung realisieren. Deshalb tüfteln wir im Projekt Start-upLab@TH Köln an einer Matching-Plattform, bei der die Studierenden über eine Ideenund Kompetenzsuche Geschäftspartnerinnen und -partner finden können.

Stichwort Entrepreneurs-Club. Wer kann hier Mitglied werden?  

Da gibt es mittlerweile eine begriffliche Doppelung, die etwas verwirrend ist: Der Entrepreneurs-Club ist eine Veranstaltungsreihe, bei der drei Teams der TH Köln ihre Ideen pitchen, Feedback bekommen und Gründungsinteressierte netzwerken können. Außerdem hält immer eine Gründerin oder ein Gründer eine Keynote. Jetzt haben wir seit ein paar Semestern zusätzlich den Entrepreneurs Club Cologne, ein studentischer Verein, den wir regelmäßig einladen. In dem Verein teilen Start-ups aus ganz unterschiedlichen Bereichen ihre Ideen. Die Vereinsmitgliedschaft ist offen für alle Studierenden, unabhängig von der Hochschule.  

In der Entrepreneurship-Strategie, an der der Arbeitskreis mitgewirkt hat, möchte die Hochschule Entrepreneurship Education stärker in der Lehre etablieren. Soll das Thema fester Bestandteil innerhalb der Studiengänge werden?  

Es geht uns auf operativer Ebene um interessante Themen für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit: Gibt es Module, die für Studierende aus anderen Studiengängen geöffnet werden können? Das kann in einem Studiengang curricular sein, im anderen wiederum außer-curricular.  

Interview: Monika Probst  

April 2021

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