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Dr. Birgit Szczyrba

Dr. Birgit Szczyrba

Zentrum für Lehrentwicklung

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Heiter bis wolkig – Zwischenbilanz Lehre 4.0

Symbolbild Online-Lehre (Bild: iStock)

Welche Auswirkungen hatte der Shutdown der Hochschule und die komplette Umstellung der Lehrangebote auf die Studierenden? Dieser Frage ging zu Beginn des Sommersemesters 2020 die TH Köln zusammen mit der HS Emden-Leer und der FH Kiel nach.


An der TH Köln waren Prof. Dr. Axel Faßbender von der Fakultät für Fahrzeugsysteme und Produktion sowie Dr. Birgit Szczyrba und Lisa-Marie Friede vom Zentrum für Lehrentwicklung am Projekt beteiligt – und kamen unter anderem zu folgenden Ergebnissen.

An der Befragung haben überwiegend Studierende im zweiten, vierten oder sechsten Fachsemester von Bachelorstudiengängen teilgenommen. Jeweils etwa ein Zehntel der Befragten gab an, zurzeit täglich oder mehrmals wöchentlich Verantwortung für Kinder unter 18 Jahren (12 Prozent) bzw. Pflegeverantwortung für Angehörige (10 Prozent) zu übernehmen. 6 Prozent sind von einer gesundheitlichen Beeinträchtigung betroffen, die das Studium im Online-Modus erschwert.

Grafik: Zwischenbilanz zum Gesamteindruck der Studierenden Grafik: Zwischenbilanz zum Gesamteindruck der Studierenden (Bild: TH Köln)

Die Frage nach dem Gesamteindruck vom bisherigen Semester ergab ein gemischtes Bild: Während etwa ein Drittel der Studierenden eher gut oder sogar sehr gut zurechtkam, antwortete ca. ein Viertel auf die Frage, wie das Semester im Großen und Ganzen bisher für sie laufe, teils/teils. Etwa vierzig Prozent gaben an, dass das Semester eher nicht oder gar nicht gut laufe. Ein Teil der Befragten war mit finanziellen Sorgen konfrontiert: 30 Prozent gaben an, ihren Nebenjob verloren zu haben; 25 Prozent waren bereits durch die Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten bzw. erwarteten es.

Grafik: Zwischenbilanz zur finanziellen Situation in der Corona-Krise Grafik: Zwischenbilanz zur finanziellen Situation in der Corona-Krise (Bild: TH Köln)

Ein Aspekt der Erhebung war unter anderem die Frage, welche Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung die Studierenden in den ersten Wochen der Online-Lehre in synchronen Lehrveranstaltungen erkannten und nutzten. 19 Prozent der Studierenden erlebten nach eigener Aussage selten oder nie die Gelegenheit, sich einzubringen oder Fragen zu stellen. 66 Prozent erkannten diese Gelegenheiten oft oder gelegentlich. Allerdings nutzte nur gut ein Drittel diese Möglichkeiten zur Beteiligung oft oder gelegentlich. Gut ein Viertel machte davon selten oder nie Gebrauch.

Hemmschwellen für aktive Beteiligung
Gründe, warum Studierende selten oder nie die Gelegenheit zur Beteiligung wahrnahmen, lagen beispielsweise darin, dass Online-Live-Vorlesungen eher auf Passivität ausgelegt waren. Wenn Beteiligung gewünscht war, hätten sie zwar Fragen gehabt, aber die Besonderheit der Online-Kommunikation hätten eine hohe Hemmschwelle dargestellt. Weitere Unsicherheiten wurden dadurch ausgelöst, dass andere Sprechende aktiv unterbrochen werden mussten. Auch das Sprechen vor ausgeschalteten Displays führte zu Unwohlsein und wurde insgesamt als unangenehme Situation wahrgenommen.

Grafik: Aktive Beteiligung in Online-Lehrveranstaltungen Grafik: Aktive Beteiligung in Online-Lehrveranstaltungen (Bild: TH Köln)

Einige Studierende führten ihre mangelnde Beteiligung auf ihre Schüchternheit zurück, nannten technische Hindernisse, fanden keine Ruhe oder Motivation oder verfügten nicht über einen passenden Lernraum, beispielsweise als Bewohnerin oder Bewohner einer WG.

Einige Studierende kritisierten, dass statt synchroner Lehrveranstaltungen teilweise nur Vorlesungsaufzeichnungen oder Skripte zur Verfügung gestellt wurden.

Flexibilität durch digitale Angebote steigern
Die Studierenden wurden auch danach befragt, was sich durch die Online-Lehre verbessert habe. Die Vorteile von virtuellen Lernangeboten liegen den Befragten zufolge ganz besonders in der höheren zeitlichen und räumlichen Flexibilität. Deutlich weniger Personen, aber immer noch über 50 Prozent der Befragten, sehen (eher) Verbesserungen durch eine stärkere Vielfalt an eingesetzten Lernmedien sowie in einer besseren Familienfreundlichkeit. Das Lernen im eigenen Tempo durch die Möglichkeit, im Zuge asynchroner Lernangebote beliebig häufig  Lernschritte zu wiederholen, wurde in den Freitextantworten positiv benannt.

Insgesamt bleibt der Eindruck, dass die Digitalisierung der Lehre sehr stark vorangetrieben wurde. Allerdings wünschen sich die Studierenden flächendeckend einen schnellen und kompetenten Umstieg auf digitale Lehre. Grundsätzlich positiv wahrgenommen wurde, dass das Lehrangebot weitestgehend fortgesetzt wurde, das Engagement vieler Lehrender hoch und der Kommunikationsfluss an vielen Stellen gut war.

Lisa-Marie Friede, Axel Faßbender, Birgit Szczyrba

Oktober 2020

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