Best-Practice Exkursion zur Weiterbildung „Prozessplaner*in Inklusion“

Schriftzug Werkstatt (Zu)Hause an der Fensterscheibe der Bildungswerkstatt am Campus Südstadt der TH Köln (Bild: Fachkolleg Inklusion/Agathe Lukassek)

Am 06.04.2019 stand auf dem Stundenplan der berufsbegleitenden Weiterbildung Prozessplaner*in Inklusion der letzte interdisziplinäre Werkstatttag.

Gemeinsam mit Prof. Brigitte Caster vom Kompetenzzentrum SIDI und der Expertin Anne Leichtfuß setzten sich die Teilnehmer*innen mit Leichter Sprache auseinander. Eine Bereicherung erfuhr die Veranstaltung durch Gäste anderer Hochschulen und des Hildegardis-Vereins, die das Konzept der Weiterbildung Prozessplaner*in Inklusion und den Inhalt der Veranstaltung als Best-Practice-Beispiel kennenlernen konnten. In der Runde wurde erarbeitet, dass Leichte Sprache schriftliche und mündliche Kommunikation für viele Menschen mit Behinderung erleichtert. So können unter anderem Menschen mit Lernschwierigkeiten, mit Aphasie, funktionalem Analphabetismus oder Demenz Texte deutlich besser verstehen. Im kommunikativen Austausch können so eigene Ideen und Perspektiven von Nutzer*innen Leichter Sprache eingebracht werden – zum Beispiel zur Frage, was die Giraffe mit dem Grundgesetz zu tun hat. Beim Werkstatttag wurden außerdem die Regeln der Leichten Sprache diskutiert und es wurde deutlich, wie gering das mediale Angebot für Menschen ist, die Leichte Sprache nutzen. Dies gilt auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Durch praktische Übungen konnten die Teilnehmer*innen feststellen, dass die Übersetzung von Texten in Leichte Sprache aufwändig und hilfreich zugleich ist – weil sie ein genaues Verständnis des Ursprungstextes voraussetzt.

Nach einem Mittagsimbiss schloss sich eine engagierte Diskussion zur Kritik an der Leichten Sprache an. Das Thema Kommunikation setzte sich anschließend mit dem Blick auf die Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln fort. Prof. Dr. Julia Zinsmeister zeigte auf, dass „Best Practice“ durchaus auch „Long Practice“ bedeutet. So hat die Erarbeitung des Aktionsleitfadens für eine inklusive Fakultät und dessen Umsetzung viel Ausdauer und Geduld gefordert und bleibt ein wichtiger Prozess. Mit einem Rundgang durch das Gebäude Ubierring 48 schloss dieser spannende Einblick in den Wandlungsprozess einer großen Fakultät. Von der Bildungswerkstatt ging es zunächst zum früheren Eingang für mobilitätseingeschränkte Menschen der Mensa Mainzer Straße, der aus einem fremdbedienten Lastenaufzug zwischen Mülltonnen bestand. Dieser Missstand ist inzwischen behoben und der neue Personenaufzug führt Besucher*innen der Mensa direkt in den Gastraum. Zum Schluss des Rundgangs wurden Räume gezeigt, die für Nachteilsausgleiche in Prüfungen genutzt werden.

Die TH Köln ist einer von fünf Modellstandorten im Fachkolleg „Inklusion an Hochschulen – gendergerecht“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Das Projekt will die Situation von Frauen mit Beeinträchtigung(en) an Hochschulen in Deutschland durch verschiedene Maßnahmen (Best Practice, Trainings, Biografiezirkel usw.) verbessern und einen Beitrag zu einer inklusiven Lehr- und Lernkultur leisten. Zum Ende des Vorhabens wird es einen Fachkongress und eine Publikation geben, außerdem wird das Fachkolleg Inklusion filmisch begleitet. An der TH Köln werden die Maßnahmen des Fachkollegs im Kompetenzzentrum SIDI koordiniert.

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