Barcamp: "Mitmachen statt Absitzen"

Barcamp Logo (Bild: TH Köln)

Die Studierenden Nadja Oertel und Monika Bröhl haben ein Barcamp zur Frage organisiert: Wie könnte das Studium flexibler gestaltet werden, damit alle Studierenden teilhaben können?


Nadja Oertel und Monika Bröhl studieren Soziale Arbeit (Bachelor) im 7. Semester und beide haben Kinder. Das ist nicht immer ganz einfach unter einen Hut zu bringen. Die eigene Erfahrung und der Bedarf nach mehr Flexibilität warf die Frage auf: Wie sieht das bei anderen Studierenden aus? Welche Bereiche des Studiums müssten eigentlich flexibler gestaltet werden, damit alle Studierenden teilhaben können? Diese Fragen wollen sie nun auf einem Barcamp diskutieren: einer Konferenz ohne vorgegebene Themen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmen selbst, welches die für sie relevanten Themen sind.

Im Interview erklären Nadja Oertel und Monika Bröhl die Hintergründe und Erwartungen.

Monika Bröhl und Nadja OertelMonika Bröhl und Nadja Oertel (Bild: Nadja Oertel)

Wie kam es zur Barcamp-Idee und wie hat sie sich im Laufe der Zeit entwickelt?
Die Idee ist schon am Anfang unseres Studiums in einem medienpädagogischen Seminar bei Prof. Dr. Isabel Zorn entstanden. Dort haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie die Lehre gestaltet sein könnte, damit Studierende mit Kind besser teilhaben können. Zum Glück hatten wir im Verlauf des Studiums regelmäßig Gelegenheit, verschiedene konzeptionelle Aspekte des Barcamps - wie das medienpädagogische und das didaktische Konzept und den Projektantrag - in Seminaren auszuarbeiten.
Als wir auf Frau Zorns Anregung hin mit Prof. Dr. Sylvia Heuchemer, der Vizepräsidentin für Lehre und Studium, gesprochen haben, hat sie uns sehr unterstützt. Jetzt organisieren wir das Barcamp gemeinsam mit dem Institut für Medienforschung und Medienpädagogik und dem Zentrum für akademische Qualifikation und wissenschaftliche Weiterbildung (ZaQwW).


Warum ein Barcamp?
Für uns ist es das optimale Beteiligungsformat. Für Studierende mit Kind gibt es zum Beispiel viele tolle Angebote, aber die passen nicht immer richtig, sondern gehen manchmal einfach am Bedarf vorbei. Deswegen ist das Barcamp so großartig: Die Betroffenen kommen selbst zu Wort - so kann ein echter Bedarf ermittelt werden. Auf dem Barcamp kann demokratisch auf Augenhöhe diskutiert und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Für einen gelungenen Austausch ist natürlich wichtig, dass Studierende, Lehrende und Wirtschaftsvertreter am Barcamp teilnehmen. Wir hoffen, dass möglichst viele Interessen dort dann auch vertreten sein werden.


Zu welchem übergeordneten Thema sollen Vorschläge eingebracht werden? Haben Sie Beispiele für Themen?
In erster Linie geht es um die Flexibilisierung der Lehre und die bessere Studierbarkeit. Wir fragen uns, wie Zugänge gestaltet werden müssen, damit echte Wahlmöglichkeiten geschaffen werden. Wie muss das Studium beschaffen sein, damit echte Beteiligung für Studierende möglich ist. Das betrifft neben studierenden Eltern auch Menschen mit Hörbeeinträchtigungen und Nicht-Muttersprachler.
Diese würden davon profitieren, wenn Vorlesungen als Tonaufnahme abrufbar wären, um sie zuhause nacharbeiten zu können.
Aber nicht nur die Organisation, sondern auch die Inhalte der Studienangebote müssten flexibler sein. Die Studierenden haben ja an unserer Hochschule ganz unterschiedliche Bildungswege: Studierende, die aus einer Berufsausbildung kommen, brauchen weniger praktische Anteile im Studium, dafür mehr Informationen zum wissenschaftlichen Arbeiten – bei Abiturientinnen und Abiturienten ist es vielleicht genau andersherum.
Allgemein wäre eine stärkere Verzahnung der Online- und Präsenzlehre wünschenswert. Wichtig ist aber auch, dass die Wahlmöglichkeit erhalten bleibt: Wenn ich kein guter Online-Lerner bin, muss ich auch an einer Veranstaltung teilnehmen können.
Zu diesem Themenkomplex freuen wir uns über Session-Vorschläge.

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