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Vermisstes Cranach-Werk von Wissenschaftlern entdeckt

Cranach unterzeichnete meist mit einem Spitzpinsel oder dem Federkiel und in schwarzer Tusche. Nur wenige Gemälde sind mit einem Stift angelegt.  (Bild: Petra Schmidt-Bentum/TH Köln)

Museum Kunstpalast und TH Köln: Werkschau CRANACH. Meister – Marke – Moderne

Meisterwerk oder Werkstattbild? Das ist nur eine von vielen Fragen, auf die Forscherinnen und Forscher aus aller Welt im Zusammenhang mit einem der bedeutendsten Maler der deutschen Renaissance, Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) und seinen Werken Antworten suchen. Neue kunsttechnologische Forschungen und Archivrecherchen geben  Antworten und bieten faszinierende Einblicke in die tägliche Praxis einer der innovativsten und produktivsten Künstlerwerkstätten des 16. Jahrhunderts.

Vorgestellt werden die Forschungsergebnisse vom 8. April bis 30. Juli 2017 in der groß angelegten Werkschau "CRANACH. Meister – Marke – Moderne", die das Museum Kunstpalast in Düsseldorf in Kooperation mit der TH Köln im Reformationsjahr 2017 dem berühmten Wittenberger Maler widmet. Damit lässt die Ausstellung die Besucherinnen und  Besucher an den Forschungen des CRANACH DIGITAL ARCHIVE (CDA) teilhaben, einem einzigartigen Forschungsprojekt, das vom Museum Kunstpalast und der TH Köln in Kooperation mit anderen Partnern initiiert worden ist und von der Andrew W. Mellon Foundation gefördert wird. Projektleiter des CDA ist der renommierte Cranach-Forscher Prof. Dr. Gunnar Heydenreich von der TH Köln (Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft). Er und Daniel Görres, wissenschaftlicher Mitarbeiter des CDA, sowie Beat Wismer, Generaldirektor Stiftung Museum Kunstpalast, sind auch Kuratoren der Ausstellung.


Die Werkschau nimmt Cranach den Älteren in seiner Gesamtheit und Modernität in den Blick und beleuchtet neben seinen Erfolgsstrategien den Einfluss des herausragenden Künstlers bis in die Kunst der Moderne und Gegenwart. Gezeigt werden rund 200 Werke aus internationalen Museen und Sammlungen, darunter das Metropolitan Museum of Art in New York, die National Gallery in London, das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, das Museum der Bildenden Künste in Budapest sowie das Nationalmuseum Stockholm.

Die Ausstellung analysiert die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Aufträgen, Materialien, Techniken, Werkstattorganisation und künstlerischen Ausdrucksformen. Veranschaulicht werden verschiedene Stadien des Werkprozesses wie etwa die serielle Bildproduktion mittels Standardformaten. Auch die gegenseitige Beeinflussung von Malerei, Holzschnitt und Buchdruck wird untersucht. Gezeigt werden unter der Malschicht verborgene und mit infrarotreflektografischen Techniken visualisierte Unterzeichnungen. Zudem werden neben einem enormen Reichtum an Malmaterialien und höchst effizienten künstlerischen Techniken auch der Einfluss von Handel und ökonomischen Bedingungen auf die Gestaltung der Gemälde veranschaulicht. Die Untersuchungsergebnisse liefern neue Antworten zu Fragen der Authentizität, der Arbeitsteilung, der Datierung sowie den ursprünglichen Funktionen und Zusammenhängen der in der Ausstellung präsentierten Werke.

Spektakuläres Forschungsergebnis
Ein spektakuläres Forschungsergebnis des Cranach-Experten Heydenreich betrifft das Gemälde "Fürstin mit ihrem Sohn" aus der Royal Collection London, das Teil der Ausstellung ist. Prof. Heydenreich weist nach, dass es sich hierbei um ein lang vermisstes Cranach-Werk handelt, von dem einige Cranach-Forscher bereits glaubten, dass es niemals existierte. Das Franz Wolfgang Rohrich (1787-1834) zugeschriebene Doppelbildnis einer Fürstin mit ihrem Sohn war bereits zuvor vielfach Gegenstand von Spekulationen. Wolfgang Rohrich schuf zahlreiche Werke in altmeisterlicher Art nach dem Vorbild Cranachs, wohl auch  zum Teil im Sinne von Fälschungen. Zu dem ganz im Stil Cranachs geschaffenen Gemälde "Fürstin mit ihrem Sohn" wurde allerdings niemals das dazugehörige Original gefunden und daher das Werk Rohrich selbst zugeschrieben. "Röntgenaufnahmen zeigen eine spezielle Art der Vorbereitung der Holztafel, die der Zubereitung anderer Tafeln aus der Cranach-Werkstatt entspricht und in anderen Werken Rohrichs nicht zu finden ist", berichtet Prof. Dr. Gunnar Heydenreich. "Pigmente und Blattmetalle sowie die Techniken des Farbauftrags auf dem Londoner Doppelbildnis stimmen ebenfalls mit denen in der Cranach-Werkstatt verwendeten überein. Alle Ergebnisse der technologischen Untersuchung dokumentieren, dass der Maler des Doppelbildnisses über umfangreiche Kenntnisse in der Werkstattpraxis Lucas Cranachs verfügte, die im 19. Jahrhundert nicht bekannt waren. Die Interpretation der Befunde lässt nur einen Schluss zu: Bei dem Londoner Gemälde der Fürstin mit ihrem Sohn handelt es sich um das vermisste Cranach-Werk – es ist das Original."

Seit 2009 erfasst und erforscht das Cranach Digital Archive das weltweit verstreute Cranach-Werk und analysiert die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Aufträgen, Materialien, Techniken, Werkstattorganisation und künstlerischen Ausdrucksformen. In dem interdisziplinären Forschungsprojekt arbeiten Kunsthistoriker, Kunsttechnologen mit 250 Institutionen aus 26 Ländern zusammen. Gefördert wird das CDA durch die Andrew W. Mellon Foundation. Derzeit umfasst das CDA 1.600 Gemälde, 14.200 hochauflösende Abbildungen, 900 pdf-Dokumente, 6.500 Textseiten in Deutsch und Englisch, 378 Archivdokumente, 3.300 Literaturnachweise, 1.285 Infrarotreflektogramme und 500 Röntgenaufnahmen u.v.m.

7. April 2017

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