Universität vs Fachhochschule: Wie werden die Hochschulabschlüsse bewertet?

Lorena Durst (Bild: privat)

Wie bewerten Personaler die Abschlüsse von Universitäten und von Fachhochschulen? Bevorzugen sie Master- oder Bachelorabschlüsse? Prof. Dr. Christian Ernst und Lorena Durst haben 2018 untersucht, wie Personalmanager Fachhochschul- und Universitätsabschlüsse sowie Bachlor- und Masterabschlüsse bewerten.

Universität oder Fachhochschule? Wo ist das Studium besser? Es gibt dutzende Plattformen im Internet, die mit dieser Frage Studieninteressierten eine erste Orientierung bieten, welcher Hochschultyp für sie geeignet ist. Kleinere Studiengruppen und ein anwendungsorientiertes Studium werden dann auf der Seite der Fachhochschulen genannt, der Fokus auf Forschung, Theorie und Wissenschaft bei den Universitäten. Mangelnde Anerkennung und geringeres Gehalt waren lange Zeit ein Kriterium gegen einen nicht-universitären Abschluss. Doch dieses Bild bröckelt, denn eine hochwertige Ausbildung bieten beide Hochschulformen an. Aber wie sehen das die Unternehmen?

Lorena Durst hat sich in ihrer Abschlussarbeit mit dieser Frage beschäftigt. In einer Umfrage hat die Absolventin des Masterstudiengangs Marktorientierte Unternehmensführung 101 Firmen deutschlandweit befragt, aus allen Branchen und in allen Unternehmensgrößen. Welche Faktoren im Lebenslauf sind beim Bewerbungsscreening wichtig, welche weniger? Wie bewerten Personaler Abschlüsse von Universitäten und von Fachhochschulen? Bevorzugen sie Master- oder Bachelorabschlüsse?

Natürlich lassen sich keine Pauschalaussagen treffen; einige Studiengänge werden nur an Universitäten, andere wiederum vor allem an Fachhochschulen angeboten. Aber branchenübergreifend würden die Unternehmen bei ihrer Suche nach Akademikerinnen und Akademikern kaum noch zwischen den unterschiedlichen Hochschulformen differenzieren. Lediglich wenn das Jobprofil eine bestimmte Qualifikation nahelegt, zum Beispiel analytische Fähigkeiten und forschungsbezogenes Fachwissen. Dann greife man im Recruiting lieber zum Uni-Abschluss. Sucht man hingegen praxisorientierte qualifizierte Akademiker mit hoher Teamfähigkeit und guten kommunikativen Fähigkeiten, seien Fachhochschulen die erste Wahl. Nur fünf Prozent der befragten Personaler bescheinigen den Uni-Absolventen Praxisorientierung, aber 73 Prozent den FH-Akademikern.

Lorena Durst kann diese Unterschiede aus ihrem eigenen Studienalltag bestätigen. Ihren Bachelor in BWL hat sie an der Uni Köln absolviert. „Auch durch die Fächer bedingt musste ich an der Uni viel stärker analytisch arbeiten. In meinem Masterstudium, das auch stärker auf den Bereich Marketing ausgelegt war, hatte ich dagegen viele Gruppen- und Projektarbeiten mit Unternehmen. Damit hatte ich an der Uni wirklich gar nichts zu tun. Während meines Bachelorstudiums musste ich keine einzige Präsentation in Powerpoint erstellen und vortragen. Das kam alles erst im Master. Deshalb bin ich froh, beide Seiten kennen gelernt zu haben. Denn beide haben ihre Vorteile.“

Mittlerweile ist die 27-Jährige selbst ins Human Ressource Management gewechselt: Im Düsseldorfer Unternehmen Peek & Cloppenburg KG ist sie zuständig für das Recruiting und die Betreuung der Mitarbeiter des Marketingbereichs. Ihren Job beschreibt Lorena Durst als operativ (und strategisch), und weniger analytisch. Sie hatte bereits während ihres Studiums im Personalbereich gearbeitet und dann noch ein Praktikum bei ihrem jetzigen Arbeitgeber absolviert. Und damit ein Kriterium erfüllt, auf das Personaler besonderen Wert legen: einschlägige Praktika. Die sind 82 Prozent der befragten Unternehmen wichtig, gefolgt von Sprachkenntnissen, den richtigen Studienschwerpunkten und der Abschlussnote. „Mich hat überrascht, dass das Ranking der Hochschule kaum von Interesse ist“, sagt Durst. Auch soziales Engagement, das Thema der Abschlussarbeit und Auslandssemester würden nicht so stark ins Gewicht fallen.

„Die Unternehmen sehen auch deshalb kaum einen Mehrwert eines Uni- gegenüber einem FH-Abschluss, weil ihnen bewusst ist, dass sie bei akademischen Einstiegskandidaten die Qualifikationen branchen- und unternehmensspezifisch nachrüsten müssen. Das erlebe ich in meinem Job ja auch: Durch den Alltag lernt man am meisten“. Aus diesem Grund würde der Bachelor in vielen Fällen für den Berufseinstieg ausreichen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass eine Bachelorabsolventin mit Berufserfahrung, einer kaufmännischen Ausbildung oder mehreren Praktika einer Masterabsolventin vorgezogen wird. Insofern sollten sich Studierende ihre Taktik gut überlegen. Außerdem habe die Umfrage gezeigt, dass Firmen ihren eigenen, betrieblich ausgebildeten Nachwuchs auch mal den Akademikern vorziehen und sie intern weiterqualifizieren.

Für alle Studierenden, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und ihren Lebenslauf noch aufpolieren wollen, empfiehlt Lorena Durst: „Legt ein Praxissemester ein und absolviert ein Praktikum in dem für euch relevanten Bereich.“ Wer sich hierbei nicht festlegen will, kann sich über das Projektmanagement empfehlen. „Dadurch ergeben sich viele Schnittstellen und Kontakt zu den verschiedenen Unternehmensbereichen

Dass die Unternehmen den unterschiedlichen Hochschulabschlüssen nicht mehr so große Bedeutung beimessen, hat außerdem den Vorteil, dass ganze 80 Prozent der Firmen Uni- und FH-Akademikern die gleichen Einstiegsgehälter anbieten. Dennoch sieht Lorena Durst die Ergebnisse ihrer Umfrage mit gemischten Gefühlen: „Eigentlich sollte sich das Studiensystem durch die Bologna-Reform angleichen. Aber das ist noch überhaupt nicht der Fall, wie meine Studie noch einmal verdeutlicht hat. Ich habe auf dem Papier den gleichen Abschluss, den ich auch an einer Uni hätte machen können, aber die Inhalte der Studiengänge unterscheiden sich enorm voneinander. Grundsätzlich finde ich das nicht verkehrt, aber dann sollte es vielleicht auch verschiedene Abschlussarten geben. Oder man sollte die Reform an sich noch einmal hinterfragen.“

Zwar ist die Stichprobe von 101 Unternehmen klein, aber ihre eigenen Erfahrungen bestätigen Lorena Dursts Ergebnisse. Für Prof. Dr. Christian Ernst, der ihre Masterthesis betreut hat, Grund genug, dieses Thema weiter zu verfolgen und in einer größeren Umfrage noch einmal zu validieren.

M
M