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Prof. Dr. Simone Fühles-Ubach

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Informations- und Kommunikationswissenschaften

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Jonas Stolz

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Transferstrategie: Lokalen Einzelhandel stärken mit dem Digitalen Viertel

Grafik "Transferstrategie" (Bild: Andreas Wrede/TH Köln)

Im Projekt "Digitales Viertel" war die Grundfrage, wie sich die digitalen Möglichkeiten des Online-Marketings und der mobilen Kommunikation für den eingesessenen Einzelhandel vor Ort nutzen lassen. Mit dabei: die Wissenschftlerinnen und Studierenden des Instituts für Informationswissenschaft.

Wenn eine Hochschule Forschungsprojekte von Anfang bis Ende mit Partnern aus Gesellschaft, Wirtschaft und Institutionen gemeinsam gestalten will, dann bietet sich eines an: Mitmischen in Netzwerken, Ideen austauschen dort, wo die potenziellen Partner sind. Ein beredtes Beispiel dafür ist das German ICT & Media Institute e.V. (GIMI), in dem sich vor fünf Jahren Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Köln zusammenfanden. Ihr Ziel: Projekte zum Thema Digitalisierung zu entwickeln und durchzuführen – und zwar solche Projekte, bei denen klar ist, dass eine einzelne Institution sie nicht komplett bearbeiten kann. Unsere Hochschule war bei GIMI dabei und hat eines der ersten konkreten Projekte, die in dem Netzwerk entstanden sind, gleich maßgeblich mitgestaltet: das Digitale Viertel.

Die Grundfrage war, wie sich die digitalen Möglichkeiten des Online-Marketings und der mobilen Kommunikation für den eingesessenen Einzelhandel vor Ort nutzen lassen. Anders gesagt: Ist das Internet bloß Konkurrenz, oder bietet es nicht auch neue Chancen der Kundenfindung und -bindung? Die Fragestellung ist für kleine Händler ebenso interessant wie für große Filialisten, für IT-Fachleute ebenso wie für Kommunikationswissenschaftler oder Sozialforscher. Kein Wunder also, dass beim Digitalen Viertel gleich zehn Partner dabei waren, von der örtlichen Interessengemeinschaft über die REWE Group oder Medienunternehmen wie Greven bis zum Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik in Sankt Augustin (FIT).

Die TH Köln war mit ihrem Institut für Informationswissenschaft (IWS) schon 2014 an einer Machbarkeitsstudie mit 50 Studierenden als Probanden beteiligt, für die eigens eine App entwickelt wurde. Dabei ging es zunächst darum, den Nutzen der App zu überprüfen. „Das war aber nicht die echte Zielgruppe”, sagt IWS-Mitarbeiterin Miriam Schmitz, die an der Studie beteiligt war. Deshalb wurde im zweiten Schritt Ende 2016 das Konzept in die reale Welt getragen, eben nach Sülz und Klettenberg – zwei Viertel mit starkem Einzelhandel und einer bekanntermaßen hohen Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil.

Das FIT entwickelte auf Basis der Gelbe Seiten-App die Smartphone-Anwendung, die konkret getestet werden sollte. Um die Geschäfte der 85 beteiligten Händler wurden so genannte Geo Fences gezogen. Sobald ein Nutzer der App das entsprechende Areal betrat, erhielt er oder sie Informationen und Angebote der Händler als Push-Nachrichten aufs Handy.

Bei dieser zweiten Stufe des Projektes arbeitete das IWS-Team vor allem mit Greven Medien zusammen, einem Kölner Unternehmen, das eine Tradition als Adressbuchverlag hat und heute vor allem digitales Marketing anbietet. „Es war sehr spannend zu sehen, wie die Marketingspezialisten dort auf allen Kanälen arbeiten”, berichtet die Dekanin der Fakultät Prof. Dr. Simone Fühles-Ubach. Spannend auch für die Bachelor- und Master-Studierenden, die an der Untersuchung beteiligt waren.

Auf den in Sülz und Klettenberg sehr beliebten Wochenmärkten wurde für die App geworben, mehr als 100 Anwohner machten mit. „Aber erst, nachdem wir ihnen klargemacht hatten, dass die Sache der Förderung des lokalen Handels in ihrem Viertel dient!”, betont Prof. Fühles-Ubach. Nur unter diesem Aspekt öffneten sich die meisten Angesprochenen für das Angebot.

Die Bilanz der Studie ist zwiespältig: Zwar zeigten die Teilnehmer durchaus Offenheit für die Angebote per App, und es wurden auch spürbar Einkäufe dadurch generiert, aber die Händler selbst blieben skeptisch, weil sie den Erfolg auch gar nicht nachvollziehen konnten – kaum jemand kam mit dem Handy wedelnd in den Laden und sagte „Ich habe gerade diese Nachricht bekommen und ...”. Auf der anderen Seite hat die Untersuchung die Basis für weitere Forschung geschaffen und brachte zudem die eindeutige Erkenntnis, dass die App personalisierbarer werden muss, so dass jeder Nutzer das Angebot individuell für sich zuschneiden kann.

Für die Dekanin zeigt das Digitale Viertel aber vor allem, dass solche Gemeinschaftsprojekte sehr wertvoll sind: „Wir können eigene Kompetenzen und Forschungsinteressen dabei in ganz andere Kontexte einbringen. Mit der Entwicklung von Apps haben wir ja eigentlich nichts zu tun. Aber wir konnten für uns wichtige Fragen hier integrieren, und die Partner brachten die richtigen Fähigkeiten mit.” Das Schöne daran sei, dass man selbst noch viel dazulernen und auch Studierenden wichtigen Mehrwert bieten könne, sagen Simone Fühles-Ubach und Miriam Schmitz unisono. Die Bilanz der Partner fällt offenbar ähnlich positiv aus – Gespräche über ein Folgeprojekt laufen jedenfalls schon.

Werner Grosch

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