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Jonas Stolz

Hochschulreferat Forschung und Wissenstransfer

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„Wir wollen Transfer weiter denken”

Grafik "Transferstrategie" (Bild: Andreas Wrede/TH Köln)

Die Hochschule will mit der Transferstrategie 2025 eine andereTransferkultur etablieren. Das Ziel: Wissen gesellschaftlich wirksam zu machen. Prof. Dr. Klaus Becker, Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer, will Transfer institutionell verankern. Wie das aussehen kann, erklärt er im Interview.

Als anwendungsbezogene Hochschule arbeiten wir traditionell oft mit externen Partnern in Forschung und Lehre zusammen. Worin unterscheidet sich die neue Transferstrategie von der bisherigen?
Es geht uns nicht so sehr um einen quantitativen Ausbau unserer Transferleistungen, sondern um einen qualitativen. Wenn Vielfalt und Offenheit Teil unseres Selbstverständnis sind, dann bedeutet das auch, stärker mit externen Partnern zusammenzuarbeiten im Sinne einer gesellschaftlichen Verantwortung, nicht nur im Sinne des klassischen Technologietransfers. Bisher wird an Hochschulen allgemein der Transferprozess seriell gedacht: Man entwickelt im akademischen Kreis eine Invention, die dann in Kooperation mit einem externen Partner über die Applikation zur Innovation erweitert wird. Wir gehen einen Schritt weiter und verstehen den Transferprozess rekursiv und multilateral im Sinne eines Ideen-, Wissens und Technologietransfers. Das bedeutet, dass wir viel früher innerhalb des Forschungs- und Entwicklungsprozesses mit externen Partnern kollaborieren und gemeinsam Ideen entwickeln müssen. Der Transferweg wird länger und zieht sich von der Idee bis hin zum eigentlichen Impact, also der Wirkung in der Praxis. Dabei nimmt auch die Zahl der am Transferprozess Beteiligten zu: In dem wir unsere Studierenden über Lehrforschungsprojekte einbeziehen und nach Möglichkeit auch die Zivilgesellschaft. Unternehmen beziehen bei ihrer Produktentwicklung ja auch möglichst früh ihre Zielgruppe in den Prozess mit ein, beispielweise in Form von qualitativer Marktforschung und Produktevaluationen.

Welche Bilanz ziehen Sie zur bisherigen Transferarbeit unserer Hochschule?
Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kooperieren und kommunizieren auf unterschiedlichste Weise mit Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik. Diese Beziehungen wirken wechselseitig: Erkenntnisse aus der Wissenschaft verändern Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik und umgekehrt. Insofern ist die TH Köln eine sehr transferstarke Hochschule mit einer Vielfalt von Aktivitäten, die weit über den Technologietransfer hinausgehen. Auf all diese Transferformen sind wir gleichermaßen stolz. Fokussiert man den klassischen Transferbegriff im technologischen Sinne, so liegen rein monetär gesehen unsere wirtschaftlichen Drittmitteleinnahmen seit einigen Jahren konstant bei rund drei Millionen Euro. Sie könnten aber deutlich höher liegen. Ein Grund für die statische Entwicklung ist die gesetzlich vorgeschriebene Vollkostenrechnung, durch die die Einnahmen mittlerweile anders berechnet werden als früher. Ein weiterer Grund ist, dass viele unserer forschungsstarken Professorinnen und Professoren mittlerweile sehr erfolgreich sind bei öffentlich geförderten Forschungsförderungen – worüber ich mich natürlich sehr freue.

Bedeutet Transfer auch mehr Organisationsaufwand für die Lehrenden?
Wenn man sich stärker in Richtung Transfer engagieren will, sollte man die studentische Beteiligung direkt beim Design einer Lehrveranstaltung miteinplanen. Gleichwohl wünschen wir uns, dass sich unsere Hochschulangehörigen in der Bildung von Netzwerken mit externen Akteuren engagieren. Viele unserer Professorinnen und Professoren sind ja beispielsweise auf Landes-, Bundes- und teilweise auch europäischer Ebene als Sachverständige aktiv. Uns ist aber auch bewusst, dass Transfer an den verschiedenen Standorten unserer Hochschule sehr unterschiedlich funktioniert. Das liegt an den verschiedenen Wirtschaftsstrukturen der einzelnen Disziplinen. Bei den einen funktioniert der Technologietransfer sehr gut, bei den anderen ist es der gesellschaftliche Bezug. Was uns fehlt ist der Aufbau von strategischen Partnerschaften. Gerade mit größeren regionalen Partnern wollen wir nachhaltig in den Dialog treten.

Es geht also darum, Transfer institutionell zu verankern. Wie könnte ein strategischer Dialog aussehen?
Man könnte zum Beispiel Brainstorming-Sessions veranstalten, in denen ein interdisziplinäres Konsortium von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern seine Kompetenzen einbringen kann. Das ist natürlich eine Frage des Vertrauens. Die administrativen Rahmenbedingungen sind auch nicht immer ganz einfach – was an den gesetzlichen Rahmenbedingungen liegt. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir mit unserem Projekt zur Optimierung der Drittmittel auf einem guten Weg sind, hier künftig flexibler zu agieren. Mit Schutzrechten können wir ebenfalls umgehen; die Voraussetzungen, in diesem Bereich professionell voranzukommen, sind also gegeben.

Gefährdet es nicht die Selbstständigkeit einer Hochschule, wenn sie bei ihren Transferaktivitäten stark auf Kooperationen mit der Wirtschaft setzt?
Wir setzen auf Kooperationen mit unterschiedlichsten Partnerinnen und Partnern, auch aus Gesellschaft, Kultur und Politik und wollen uns keinesfalls auf Kooperationen mit der Wirtschaft limitieren. In der Praxis ist jedoch auch enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft keine Gefahr für die Unabhängigkeit der Hochschule. Die externen Partner treten in der Regel an uns heran aufgrund unserer Kompetenz. Ich sehe uns auch nicht von der Wirtschaft gegängelt, da wir uns vertraglich absichern. Die Geheimhaltungspflicht ist sichergestellt, ebenso wie unser Recht, die Ergebnisse für Lehre und Forschung verwenden zu können. Auch können in den allermeisten Fällen die Projekte genutzt werden um darüber wissenschaftlich zu publizieren. Etwas anderes ist es, wenn Geschäftsmodelle abgeschlossen werden, in denen die Hochschule als verlängerte Werkbank nur Weisungsempfängerin ist. Diese Modelle verfolgen wir aber nicht. Es ist schließlich eine Frage des akademischen Selbstverständnis unserer Professorinnen und Professoren, unabhängig zu forschen.

Wie unterstützt die Hochschule Professorinnen und Professoren, die sich stärker im Transferbereich engagieren möchten?
Derzeit bieten wir Unterstützung in Form eines Prämiensystems und unterstützenden Veranstaltungsformaten. Uns ist klar, dass wir hier aber noch weitere Angebote schaffen müssen.

Interview: Monika Probst

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