Studie zu XR-Unternehmen in Deutschland

Über tausend Unternehmen befassen sich in Deutschland mit Virtual, Mixed und Augmented Reality – zusammengefasst als XR-Branche. Mit der Studie „Cross Reality in Deutschland 2020“ liegt erstmals eine bundesweite Untersuchung zu Struktur, Potenzialen und Bedarfen dieser Akteure vor.

Durchgeführt wurde die Erhebung von einem Team des Schmalenbach Instituts für Wirtschaftswissenschaften und des Instituts für Informationswissenschaft im Auftrag des Mediennetzwerks NRW.

Virtual, Mixed und Augmented Reality sind verschiedene Wege, mit denen Realität und Virtualität verbunden werden sollen. Bei der Virtual Reality bewegen sich die Nutzerinnen und Nutzer vollständig im Virtuellen – etwa über eine VR-Brille. Die Augmented Reality reichert die reale Umgebung mit virtuellen Elementen an. Das prominenteste Beispiel ist die App Pokemon Go für Smartphones. Bei Mixed Reality werden reale und virtuelle Welt stärker vermischt und sollen verschwimmen.

Zur Branchenstruktur sagt Prof. Dr. Christian Zabel, der die Studie mit Prof. Dr. Gernot Heisenberg und Verena Telkmann durchgeführt hat: „Bundesweit gibt es 1.065 XR-Unternehmen, von denen 144 an unserer Studie teilgenommen haben. Die Branche besteht vor allem aus kleinen und mittleren Unternehmen – mehr als die Hälfte von ihnen hat weniger als zehn Mitarbeitende. In Nordrhein-Westfalen befinden sich 335 Haupt- und Nebenstandorte und damit mehr als in allen anderen Bundesländern. Seit 2015 haben die Gründungen in der Branche erheblich zugenommen, mit deutschlandweit gut 70 neuen Unternehmen pro Jahr.“

Im Rahmen der Studie wurde erstmals bundesweit – sowie zum zweiten Mal für das Bundesland NRW – ein Geschäftsklimaindex für die XR-Branche erhoben. „Mit einem Gesamtscore von 65 Punkten der maximal zu erreichenden 100 Punkte bewerten die befragten XR-Unternehmen das Geschäftsklima aktuell nur leicht positiv. Dies ist natürlich der Corona-Krise geschuldet. Besonders kritisch wird der Auftragsbestand bewertet, der aktuell von 52 Prozent der Befragten als zu klein eingeschätzt wird“, so Zabel.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen berichten von Rückgängen des Auftragsbestands von über 50 Prozent. 41 Prozent mussten Mitarbeitende in Kurzarbeit schicken, neun Prozent mussten Mitarbeitende entlassen. Zu beachten ist dabei der Befragungszeitpunkt im Juni 2020 – mit fortschreitender Krise ist es möglich, dass sich diese Zahlen noch deutlich erhöhen. Trotz der aktuell schwierigen Lage erwarten aber 60 Prozent der befragten Unternehmen langfristig sogar eine positive Entwicklung, wenn die Corona-Krise zu einem Digitalisierungsschub führt.

Oktober 2020

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