Schöner Wohnen mit Plastik

Wohin mit unserem Plastikmüll? Weniger zu produzieren wäre die beste Lösung. Ihn für die Inneneinrichtung verwerten eine Idee, die Enis Akiev verfolgt. Für ihre Abschlussarbeit im Bachelorstudiengang Integrated Design hat sie aus Plastikmüll vielfarbige Wandkacheln gestaltet, in verschiedenen Farben und Marmorierungsmustern.

Dazu hat sie sogenanntes Plastiglomerat hergestellt. In der Natur entstehen Plastiglomerate durch Kunststoffe, die sich mit natürlichen, gesteinsbildenden Bestandteilen vermischen.

Enies Akiev Für ihre Abschlussarbeit Plastik Stone Tiles wurde Enies Akiev für den Kölner Design Preis 2018 nominiert. (Bild: KISD/Michaela Patschurkowski)

"Das erste Plastiglomerat wurde auf einer hawaiianischen Insel entdeckt", erzählt Akiev. Bei dortigen Vulkanausbrüchen verband sich die heiße Lava mit Materialien, die am Strand lagen – wie anderem Gestein, Sand, Treibholz, Muscheln, Korallen und eben auch Kunststoffabfall. So wurde das Plastiglomerat Teil des Vulkangesteins.
Auch Lagerfeuer am Strand können zu Plastiglomeratsbildung führen – Enis Akiev hat zu dem Thema breit recherchiert: "2013 wurde es erstmals von der Künstlerin Kelly Jazvac, der Geologin Patricia Corcoran und dem Ozeanographen Charles Moore entdeckt und 'Plastiglomerat' benannt. Sie vermuten große Mengen auf dem Meeresboden." Also dort, wo die Abfälle aus den Flüssen durch Zersetzung in Mikroplastikpartikel zerfallen, auf den Erdboden sinken und beispielsweise Korallenbänke befallen. "Diese Entwicklung zeigt, dass alles Teil eins Ganzen ist. Abfall kann nicht weggeschmissen werden, denn es gibt kein 'weg'."

Um für ihre Fliesen eigenes Plastiglomerat herzustellen, hat Akiev ausschließlich Verpackungsmaterialien benutzt. Jede Fliesenart besteht jeweils aus nur einer Kunststoffart, wie beispielsweise Polypropylen oder Polyethylen. Die Verpackungen werden erhitzt, geknetet, in ein Vierkantrohr gepresst und abgekühlt. Die Kunststoffkuben werden anschließend in Scheiben zersägt und geschliffen. Die durch das Kneten und Pressen entstandenen Strukturen erinnern an metamorphes Gestein.

"Ich habe viel mit unterschiedlichen Verformungsmöglichkeiten experimentiert und versucht, die Struktur von Gestein, das ja mal wellenartig oder geschichtet ist, nachzuempfinden. Außerdem habe ich die Stuckmarmor-Technik ausprobiert. Wenn die Komponenten alle sauber sind, aus demselben Material bestehen und gleichmäßig erhitzt werden, entsteht eine sehr homogene und feste Masse."

Für ihre Arbeit "Plastic Stone Tiles" wurde Eniv Akiev für den Kölner Designpreis 2018 nominiert. Auch auf der Dutch Week, einer Designausstellung in den Niederlanden, hat sie ihre Kacheln präsentiert und hofft nun darauf, ihre Idee weiterverfolgen zu können: über die Kooperation mit einem Abfallsortierer und Abfallverarbeiter, um gereinigte Kunststoffabfall beziehen zu können. "Ich würde außerdem gerne erproben, wie geeignet die Fliesen für den Gebrauch auf Wänden, Böden und anderen Oberflächen sind. Ich möchte größere Mengen der Fliesen herstellen und die Produktion skalieren." Auch einen geschlossenen Kreislauf kann sich die Produktdesignerin vorstellen: Indem sie ihre produzierten Kacheln wieder einschmilzt und untersucht, wie sich die Strukturen und die Beschaffenheit des Materials verändern.

Unabhängig davon, wie sich ihre Idee der Plastikkacheln weiter entwickeln wird, hat Eniev Akiev einen Themenbereich gefunden, den sie beruflich weiter verfolgen will: Recycling-Materialien und Materialkreisläufe schaffen.

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