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Christian Sander

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Öffnung des Wohnquartiers für das Alter: Transfer des Konzepts in weitere Stadtteile geplant

Ältere Menschen, die zurückgezogen leben, wenig in soziale Netzwerke eingebunden sind und von den Angeboten der Altenhilfeträger nicht erreicht werden, sind nicht nur von Informationsflüssen abgeschnitten, sondern können auch schnell unerkannt in Notsituationen geraten.

Eine neu entwickelte „kommunikative Informationsinfrastruktur“ des Forschungsschwerpunkts „Sozial · Raum · Management“ der Fachhochschule Köln soll die Lücke zwischen diesen Menschen und den Institutionen der sozialen Infrastruktur schließen. Davon profitieren sowohl die Seniorinnen und Senioren, als auch das Gemeinwesen, wie eine Erprobung im Kölner Stadtteil Ehrenfeld gezeigt hat. Die Stadt Köln ist davon so überzeugt, dass sie dieses Konzept und die Erfahrungen aus Ehrenfeld auf andere Kölner Stadtteile übertragen möchte. Das Forscherteam hat zum Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde, Anfang 2014 das Buch „Öffnung des Wohnquartiers für das Alter“ veröffentlicht.

„Öffnung des Wohnquartiers für das Alter. Entwicklung einer kommunikativen Informationsinfrastruktur zur Überbrückung struktureller Löcher im Sozialraum“

Herbert Schubert, Sigrid Leitner, Katja Veil und Marina Vukoman, Verlag Sozial · Raum · Management, Köln, 2014, 243 Seiten, 20 Euro

Um ihre zurückgezogen lebende Zielgruppe zu erreichen, identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst Orte in Ehrenfeld, an denen Kommunikation mit älteren Menschen stattfindet. Neun zentrale Anlaufstellen wie Arztpraxen, Apotheken, Friseure, Einzelhändler und Bäckereien unterstützten das Projekt. Wenn die zuvor geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gespräch mit älteren Menschen einen Beratungsbedarf erkannten, überreichten sie ihnen eine Informationskarte mit den Ansprechpartnern der Seniorenberatung. Auf diese Weise erreicht die kommunale Seniorenarbeit nun einen Personenkreis, der ihr vorher völlig verschlossen blieb.

Die Forscherinnen und Forscher errechneten während der dreijährigen Projektlaufzeit eine sogenannte Sozialrendite und ermittelten so die Wirkung ihrer Maßnahme. Dazu prüften sie, wie viele ältere Menschen aufgrund der Informationen und der Unterstützung durch die Seniorenberatung länger in ihrem häuslichen Umfeld bleiben konnten und nicht in ein Pflegeheim ziehen mussten. Das Ergebnis: Für jeden Euro, der in die Informationen investiert wurde, konnten durch die Vermeidung einer ambulanten Pflege Kosten in Höhe von 3,30 Euro eingespart werden. Die Kommune ist dabei zugleich am stärksten belastet (da sie die Kosten der Informationsangebote trägt), als auch am stärksten entlastet (da sie in erheblichem Umfang an den Kosten der Heimunterbringung beteiligt ist).

18. März 2014

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