Kontakt & Service

Beteiligte

TH Köln

Jost-Michael Broser

Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege (IBD)

Tobias Höller

Institut für Baubetrieb und Vermessung (IBV)

  • Telefon+49 221-8275-2048

Universität zu Köln

Sabrina Geiermann
Archäologisches Institut

  • Telefon+49 221-470-4521

Matthias Nieberle
Archäologisches Institut

scandric | 3D Solutions

Erik Büttner

  • Telefon+49 234-5399271

Interdisziplinärer Vermessungs-Workshop für Studierende

In Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Universität zu Köln findet im September 2016 eine mehrwöchige Kampagne im wohl berühmtesten Kur- und Badeort der Antike statt.

Die spektakuläre Landschaftsszenerie der Phlegräischen Felder und der Halbinsel von
Misenum am westlichen Golf von Neapel hat bereits früh das Interesse der römischen Aristokratie auf sich gezogen, die hier ab dem Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. im Bau immer luxuriöserer Villenanlagen konkurrierte.

Römische Villenanlage in BaiaeRömische Villenanlage (Bild: Geiermann / TH Köln)

Unter Nutzung der vulkanischen Dämpfe entstand im Zentrum dieser exklusiven Villegiatur der mondäne Heilbade- und Kurort Baiae, dessen Alltagsleben und Erscheinungsbild vom Geschmack der stadtrömischen Nobilität und später von den Kaisern geprägt wurde. Ein großer Ausschnitt dieses berühmtesten aller römischen Badeorte ist um die Mitte des 20. Jahrhunderts freigelegt worden und ist heute als Archäologischer Park von Baiae zugänglich. Mit dem hervorragenden Zustand der hier erhaltenen Baustrukturen ist es möglich, einen detaillierten Einblick in die komplexe Entwicklungsgeschichte dieses Villen- und Thermenensembles von der späten Republik bis zum Ende der Hohen Kaiserzeit zu gewinnen.

Erstaunlicherweise fehlt bis heute eine zusammenfassende und systematische Studie dieser außergewöhnlichen Anlagen. Dieses Desiderat wird seit 2013 im Rahmen eines Dissertationsprojektes von Matthias Nieberle bearbeitet, welches bereits weit fortgeschritten ist.

Römische Villenanlage in BaiaeRömische Villenanlage (Bild: Geiermann / TH Köln)

Es zeigte sich jedoch, dass die bislang vorliegenden Plangrundlagen und Datierungskriterien für eine grundlegende Neubewertung des Kurortes von Baiae nicht ausreichen und im Rahmen eines Dissertationsprojektes auch nicht befriedigend geleistet werden können. Zum einen fehlt bislang eine umfassende und verlässliche Baudokumentation, die als Untersuchungs- und Rekonstruktionsgrundlage unverzichtbar ist. Zum anderen konnte bislang nur eine relative Chronologie der Bau- und Nutzungsphasen des Komplexes erarbeitet werden, doch fehlen verlässliche Anhaltspunkte für eine absolute Datierung der wichtigsten Bauphasen.

Derzeit gibt es zwar Pläne und Schnitte der Baustrukturen, jedoch sind diese lücken- und fehlerhaft und damit für eine umfassende Neubewertung und für ein genaues Verständnis des Bauensembles nicht ausreichend. Darüber hinaus wurde eine vollständige Terrasse sowie ein Tunnelsystem noch gar nicht dokumentiert.

Vermessung der römischen Villenanlage in Baiae mit einem LaserscannerVermessung der römischen Villenanlage (Bild: Geiermann / TH Köln)

Aufgrund der überaus komplexen, in zahlreichen Terrassen am Hang angelegten Baustrukturen hat sich die Vermessung mittels traditioneller Methoden als zu aufwendig bzw. aufgrund der oft schwierigen Zugänglichkeit der hoch aufragenden Fassaden als unpraktikabel erwiesen. Hingegen konnte im Rahmen einer Testkampagne des Instituts für Baugeschichte ein Teilkomplex in wenigen Tagen erfolgreich mittels 3D-Laserscanning erfasst werden. Es zeigte sich, dass das Laserscanning für das hier vorliegende Objekt in Relation zu Zeitaufwand und Informationsgewinn das am besten geeignete Dokumentationsverfahren darstellt.

Im September 2016 findet nun eine interdisziplinäre Kampagne im wohl berühmtesten Kur- und Badeort der Antike statt. Ziel der Messkampagne wird es sein, den Archäologischen Park in seiner Komplexität der vorhandenen Bausubstanzen vollständig zu erfassen. Diese wird die Grundlage für die Datierung der Bauphasen bilden und uns wesentliche Erkenntnisse über die Geschichte des Bade- und Kurortes liefern.

Im ersten Teil der Kampangne wird durch das Labor für Vermessungskunde ein übergeordnetes Vermessungsnetz mit Hilfe der Satellitenvermessung erstellt. Dieses Festpunktfeld wird durch durch die Mitarbeiter und Studierenden des Labors für Vermessung und Photogrammetrie durch Tachymetermessungen verdichtet. Dadurch wird es möglich sein alle Vermessungen, die durch die verschiedenen Aufmaßtechniken (z.B. 3D-Laserscanning, SfM-Verfahren (Structure from Motion), Handaufmaß o.ä.) erstellt wurden in ein gemeinsames Koordinatensystem zu überführen.

Blick über den Golf von NeapelGolf von Neapel (Bild: Geiermann / TH Köln)

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