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Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften

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Esther Schüllenbach-Bülow

Angewandte Sozialwissenschaften
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„Inklusionsorientierte Hochschule? – Möglichkeiten der Weiterentwicklung eines exklusiven Systems“

Symposium im Rahmen der 32. internationalen Jahrestagung der Inklusionsforscher*innen IFO 2018 vom 21. bis 24.02.2018 an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Die AG 1.7 findet am Mittwoch, 21.02.2018 von 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr statt, Referent*innen sind: Donja Amirpur, Daniel Bergelt, Anne Goldbach, Mandy Hauser, Franz Krönig, Matthias Otten, Andrea Platte, Saskia Schuppener u.a.

Besonders im akademischen Wirkungsfeld kann man die gewachsene Popularität und divergente Verwendung des Begriffes der „Inklusion“ beobachten. Er stellt eine nicht zu vernachlässigende Bezugsgröße in Antragssemantiken, Projektbeschreibungen und (universitärer) Qualitätsentwicklung dar und hat gleichzeitig weiterhin zentrale Bedeutung für die pädagogische Praxis und als Gegenstand kritischer erziehungswissenschaftlicher Betrachtung (Becker 2015). Wenngleich er nicht zu verachtende Bewegungen in der Bildungslandschaft und in bildungswissenschaftlichen Diskursen ausgelöst hat, ist er von Vereinnahmungen bedroht und verliert zunehmend an Schärfe (vgl. Dannenbeck et al. 2016). Damit zeichnen sich neben den Weiterentwicklungen auch Rückschritte ab, die seiner ursprünglichen Absicht zuwiderlaufen. Für die scientific community der „Inklusionsforscher*innen“ (die immerhin als in jährlichen Tagungen organisierter Verbund auf eine mehr als 30-jährige Tradition zurück blicken kann) sollte das Anlass sein, die Frage nach einer aktuellen Konturierung ‚ihres‘ Begriffes mit Blick auf dessen Deutungsmuster im Kontext von Hochschule und Universität zu stellen.

Auf der Basis einer vertieften wissenschaftlichen Reflexion des Inklusionsverständnisses und dessen Auswirkungen auf Handlungs- und Umsetzungsebenen in Universitäts- und Hochschulstrukturen soll der Blick auf konkrete Zuständigkeiten und Aufgaben des tertiären Bildungssektors gelegt werden:
a) Die Vorbereitung Studierender auf ihre professionelle Tätigkeit in Berufsfeldern mit dem Anspruch, diese inklusiv zu gestalten und b) die Anregung und Begleitung kritischer Reflexionsfähigkeit hinsichtlich aktueller bildungspolitischer Entwicklungen.
In Hochschule und Universität zeigen sich Verwischungen des Inklusionsbegriffes mit von ökonomischen Interessen geleiteten Diversity-Strategien auf der einen und Vereinnahmungen durch die Sonderpädagogik als bewährte (differenz)pädagogische Disziplin auf der anderen Seite. Selbst wenn diese divergenten Entwicklungen als solche nicht grundsätzlich abzulehnen wären, so leugnet deren Verknüpfung mit dem Begriff der Inklusion dessen ursprüngliches Anliegen eines grundlegenden Perspektivwechsels – womit die hier unterstellten Vereinnahmungen der Weiterentwicklung einer ‚inklusiven Bildung‘ nur im Wege stehen können. Deshalb sollen in diesem Symposium als Ausblick differente Entwicklungslinien des tertiären Bildungssektors in Bezug zum Inklusionsbegriff gezeichnet sowie alternative Strategien und Auseinandersetzungen einer inklusionsorientierten Hochschule aufgezeigt und diskutiert werden.

Beitrag 1 „Positionierung von Hochschulen zwischen Inklusiver Bildung, Diversity Management und Differenzpädagogik“ (Franz Krönig, Donja Amirpur)
Grundlegend für die Vorstellung der nachfolgenden Projekte, Erprobungen und Erfahrungen schlägt der einführende Beitrag die theoriegeleitete Bestimmung eines pädagogischen Inklusionsbegriffes anhand von differenten Entwicklungen im Bereich tertiärer Bildung vor.

Beitrag 2 „Hochschuldidaktische Fundierung inklusiver Bildungsprozesse Teil I – Fokus Lehrende: Partizipative Lehre im Kontext inklusionssensibler Hochschule (Projektvorstellung Par_Link)“ (Matthias Otten & Saskia Schuppener)
Das BMBF-Verbundprojekt zwischen der Universität Leipzig, der TH Köln und der Kieler Stiftung Drachensee beginnt im März 2018 und wird über drei Jahre der Fragestellung nachgehen, inwiefern durch partizipative Lehre – hier von Bildungsfachkräften aus der Qualifizierung „Inklusive Bildung“ –  die inklusive Qualität der Hochschulbildung erhöht werden kann.

Beitrag 3 „Hochschuldidaktische Fundierung inklusiver Bildungsprozesse Teil II – Fokus Studierende: Learning Outcomes und professionalisierende Selbstbildung/-verantwortung/-entfaltung – (wie) lässt sich inklusives Studieren lenken?“ (Andrea Platte & Studierende)
Ansprüche und Erwartungen innerhalb des Studiums (z.B. an Prüfungsleistungen) divergieren sowohl zwischen Lehrenden und Studierenden, als auch innerhalb der jeweiligen Statusgruppen. Studierende und Lehrende stellen in diesem Beitrag den Versuch einer vermittelnden Auseinandersetzung vor, der spätestens dann unvermeidbar ist, wenn Prüfungen nicht nur leistbar und gerecht, sondern auch noch inklusiv sein möchten.

Beitrag 4 „Qualitätskriterien partizipativer Forschung am Beispiel von Fokusgruppenarbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten als Ko-Forscher*innen“ (Mandy Hauser, Anne Goldbach, Daniel Bergelt)
Auf der Basis einer Auseinandersetzung mit Qualitätskriterien partizipativer und inklusiver Forschung soll hier beispielhaft die Zusammenarbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten im Bereich der Forschung aufgezeigt und diskutiert werden. Die Erfahrungen aus der Arbeit mit Fokusgruppen werden konstruktiv-kritisch hinterfragt im Hinblick auf ihre Relevanz für ein verändertes Forschungsverständnis und eine veränderte (Re)Produktion von Wissen im akademischen Feld.

Moderation: Anna Moldenhauer

„Kritische Freunde“: Clemens Dannenbeck & Carmen Dorrance

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