Glasrestaurierung im Tandem: Wissen sichern für die Zukunft

„Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter“, sagt ein Sprichwort. Trotzdem arbeiten Expert*innen täglich am Erhalt des Kölner Wahrzeichens, darunter Dr. Katrin Wittstadt. Als Glasrestauratorin rückt sie die rund 8.000 m2 Fenster des Doms ins rechte Licht. Neben der Dombauhütte ist sie auch an der TH Köln aktiv – und treibt dort den Aufbau des Studienschwerpunkts Glasrestaurierung voran.

Die Idee, die Glasrestaurierung an der TH Köln anzusiedeln, ist nicht neu. „Erste Versuche liegen schon 20, 30 Jahre zurück“, sagt Prof. Dr. Regina Urbanek vom Cologne Institute of Conservation Sciences (CICS) der TH Köln. Dass es jetzt geklappt hat, hatte einen bestimmten Katalysator: Seit der Auflösung des Studiengangs Glasrestaurierung an der Fachhochschule Erfurt konnte man das Fach in Deutschland nicht mehr studieren. Der Bedarf war also groß – und gerade dann fügte sich alles glücklich: Im Tandemprogramm der TH Köln, das Unternehmen mit der Hochschule zusammenführt und Doppel-Beschäftigungsverhältnisse für junge Akademiker*innen ermöglicht, wurde ein Platz frei, den Prof. Dr. Urbanek für ihr Institut sicherte. Mit der Kölner Dombauhütte lag der Praxispartner auf der Hand: Nicht nur blicken Hochschule und Unternehmen auf eine lange Kooperationsgeschichte zurück, der Dombaumeister Peter Füssenich ist selbst Absolvent der TH Köln.

Mit ihm kam Dr. Katrin Wittstadt ins Projekt, die als Tandembeschäftigte die Hochschule beim Aufbau des neuen Studienschwerpunkts unterstützt und jetzt ihre Expertise zwischen TH Köln und Dombauhütte aufteilt. „Mich hat gereizt, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten, denn die sind immer sehr wissbegierig“, erklärt Wittstadt ihre Motivation. Für die Restauratorin bedeutet die Doppelrolle auch persönliche Weiterentwicklung: „Ich habe recht schnell gemerkt, dass Themen wie KI in der Lehre eine große Rolle spielen. Das ist für mich eine spannende Lernkurve und bereichert auch meine Arbeit in der Dombauhütte.“

Dr. Katrin Wittstadt und Peter Füssenich Dr. Katrin Wittstadt (mit Dombaumeister Peter Füssenich) rückt als Glasrestauratorin die rund 8.000 m2 Fenster des Doms ins rechte Licht. (Bild: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Jennifer Rumbach)

Ein Gewinn für alle Beteiligten

Die Zusammenarbeit bringt Vorteile für alle Beteiligten. „Studierende entdecken Details, die mir noch nie aufgefallen sind“, berichtet Wittstadt. „Das ist ein schöner zweiter Blick, der unsere Arbeit runder macht.“ Auch die Dombauhütte profitiert: Praxissemester und Studienarbeiten beschleunigen Projekte, die sonst aus Kapazitätsgründen nicht priorisiert werden könnten. Und was hat die TH Köln davon? „Wir sind unglaublich froh, dass Frau Wittstadt den Unterricht übernimmt“, betont Prof. Dr. Urbanek. „Das Tandemmodell ermöglicht es einerseits, an unserem Institut ein europaweites Alleinstellungsmerkmal im Bereich Konservierung und Restaurierung aufzubauen und andererseits dürfen die Studierenden durch den Zugang zum Dom an hochrangigen Objekten arbeiten, an die man normalerweise nicht herankommt.“

Damit die positiven Effekte verstetigt werden können, braucht es mehr als Engagement. „Ein neuer Studienschwerpunkt braucht Infrastruktur, Werkstätten, Literatur in der Bibliothek, ein Curriculum – das alles möchte ich im Rahmen des Tandemprogramms auf den Weg bringen“, erklärt Wittstadt. Füssenich ist überzeugt: „Was wir gemeinsam gestartet haben, ist unumkehrbar. Tandemprogramme sind keine Strohfeuer, sondern langfristig angelegt.“

Flexibilität als Schlüssel

Katrin Wittstadt arbeitet Tag für Tag daran, dass dieses Ziel erreicht wird. Konkret sieht das so aus: „Ich versuche, die ersten zwei Tage der Woche für die TH Köln da zu sein und den Rest für die Dombauhütte“, sagt Wittstadt. „Das erfordert viel Selbstdisziplin – und Flexibilität auf allen Seiten.“ Die Voraussetzungen dafür sind günstig, denn alle Beteiligten bringen einander viel Vertrauen entgegen. Auch innerhalb des Tandemprogramms unterstützt man einander: In Workshops tauscht Katrin Wittstadt sich regelmäßig mit anderen Tandembeschäftigten aus. „Die Herausforderungen sind für uns alle ähnlich: doppelt so viel Bürokratie, doppelt so viele Kolleg*innen, doppelt so viele Systeme, die man bedienen muss“, erklärt sie. Das schweißt zusammen: „Manchmal ist geteiltes Leid dann auch schon halbes Leid.“ Und die Arbeitgeber tun ihr Übriges: „Wir versuchen, das durch Pragmatismus auszugleichen“, so Füssenich. „Und wir hoffen, dass auch geteilte Freude doppelte Freude ist.“

Über das Personalgewinnungskonzept „PLan_CV“

Das Tandemprogramm ist ein Baustein des Projekts PLan_CV („Professur-Laufbahn an Hochschulen für angewandte Wissenschaften neu denken: Collaboration und Vernetzung“). Es soll exzellentes Personal für Professuren an der TH Köln gewinnen und eine bessere Durchlässigkeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft erreichen. Das Projekt wird im Rahmen des Programms zur Förderung der Gewinnung und Qualifizierung professoralen Personals an Fachhochschulen mit 12,4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.

Januar 2026

Ein Beitrag von

Carolin Brühl

Team Web-Kommunikation


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