Fachleute für digitale Produkte

Teaserbild Code & Context (Bild: TH Köln)

Sieben Institute, vier Fakultäten und ein Studiengang, der Bestandteile aus Informatik, Design und Entrepreneurship verbindet: Mehr Interdisziplinarität geht wohl kaum. Aber das ist nicht das einzig Ungewöhnliche an dem neuen Bachelorstudiengang Code & Context, der nach zweijähriger Entwicklungsarbeit zum Wintersemester startet.

Das Ziel: Die Absolvierende sollen als Gestalterinnen und Gestalter von Digitalisierungsthemen und digitaler Transformation tätig sein. Darunter lässt sich natürlich so manches verstehen. „Es gibt noch keine etablierten Berufsbezeichnungen in diesem Bereich, aber es gibt spezielle Anforderungen der Wirtschaft und der Gesellschaft aufgrund der digitalen Transformation, auf die wir mit diesem sehr innovativen Studiengang reagieren“, erklärt Studiengangsleiter Prof. Matthias Böhmer, selbst Informatiker.

Bei der Entwicklung des Berufsprofils habe sich das interdisziplinäre Team, zu dem beispielsweise auch Lehrende der Köln International School of Design (KISD) gehören, an konkreten Anforderungen aus der Wirtschaft orientiert. „Da werden zum Beispiel Leute gesucht, die als ,Creative Technologist´ arbeiten, als ,Digitalization Designer´ oder , Manager Future Technology´.“

Alles Begriffe, die letztlich ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil meinen. Eines, das technische Kenntnisse (Code) mit einem Sinn für die geschäftlichen Potenziale digitaler Produkte verbindet (Context) – und mehr als das: Auch das Bewusstsein für die gesellschaftliche Bedeutung der digitalen Transformation soll ausgeprägt sein. Und genau hier kommt ein moderner Begriff von Design ins Spiel, den die KISD an dieser Stelle repräsentiert. Ein Design, das „neben der Gestaltung von Artefakten und Oberflächen vor allem auch Sozialgefüge und Kommunikationsprozesse formt“, wie Prof. Böhmer sagt.

Die AbsolventInnen im Fokus

All das will Code & Context nun miteinander verbinden. „Da es sich um einen komplett neuen Studiengang handelt, konnten wir uns von Grund auf konsequent auf das Profil der Absolventinnen und Absolventen fokussieren“, berichtet Prof. Böhmer. Das gilt für die Inhalte, die von Agile Team Coding über Open Design bis hin zu Marktforschung reichen, das gilt aber auch für das didaktische Konzept. Es laufen nicht wie üblich mehrere thematisch unterschiedliche Veranstaltungen parallel über das ganze Semester hinweg, sondern kompakt innerhalb von jeweils zwei Wochen. Und in diesem Zeitraum stehen die Lehrenden weit über die eigentliche Veranstaltung hinaus für den Austausch mit den Studierenden zur Verfügung.

Lehrende sind Coaches und Wissensmanager

Dementsprechend sollen die neuen Räume in Köln-Mülheim als eine Art Co-Working-Space gestaltet sein, in dem Studierende und Lehrende gemeinsam arbeiten. „Alle beteiligten Dozentinnen und Dozenten verstehen sich als Coaches, als Wissensmanager, die den Lernprozess begleiten und nicht einfach nur ihr Wissen weitergeben“, erklärt Prof. Böhmer. Im Idealfall sollen die Studierenden sich ihr eigenes wissenschaftliches Ökosystem schaffen, in dem sie beispielsweise eigene Workshops oder Fachtagungen veranstalten oder ein Mentoring der höheren Semester für die nachfolgenden anbieten.

Im Mittelpunkt: Das Produkt

Parallel zu den Block-Veranstaltungen laufen über das Semester hinweg Projekte, in denen die Studierenden die Inhalte konkret anwenden können. Denn im Mittelpunkt des gesamten Konzeptes steht bei aller Komplexität und theoretischen Fundierung immer eines: das Produkt. Das digitale Produkt, das die konkreten Ansprüche der Gesellschaft, die konkreten sowie die sich neu ausrichtenden Ansprüche von Unternehmen bedient. „Der Begriff digital wird bald wahrscheinlich nicht mehr so wichtig sein, sondern selbstverständlicher integrierter Bestandteil“ ergänzt Prof. Nina Juric, KISD-Professorin und Mitglied des siebenköpfigen Entwicklungskernteams.

Jedes der didaktischen Elemente ist für sich nicht völlig neu, aber in der Kombination und interdisziplinären Ausrichtung nach Ansicht der Studiengangsleiters schon einzigartig. Ob es auch tatsächlich passt und funktioniert, soll regelmäßig überprüft werden. Diese Form der Qualitätssicherung, der permanenten Anpassung an sich verändernde Bedingungen, sieht Prof. Böhmer als schiere Notwendigkeit – schließlich fänden sich die Absolventinnen und Absolventen irgendwann in einer Arbeitswelt wieder, die derart agiles Arbeiten als selbstverständlich betrachtet.

Eignungsprüfung

Der neue Studiengang stellt spezielle Anforderungen an die Studierenden, dessen sind sich die Initiatoren bewusst. Um gute Bedingungen für den Studienerfolg herzustellen, gibt es deshalb eine Eignungsprüfung, die zwei Stufen umfasst. Zuerst müssen Bewerberinnen und Bewerber ein digitales Artefakt herstellen und in einem dreiminütigen Video präsentieren, danach folgt gegebenenfalls ein persönliches Interview. „Wir fragen nach Kompetenzen beim Programmieren, aber auch beim Thema kreativer Gestaltung, und wir müssen vor allem wissen, ob die Bewerberinnen und Bewerber kritisch-reflektiert arbeiten wollen“, erklärt Prof. Böhmer. Leute, die alles per se toll finden, was digital ist, sind also nicht gefragt. Bewerbungen sind noch bis zum 31. Mai möglich.

16. April 2019, Werner Grosch

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