Die Aufspürer

Prof. Dr.  Frithjof Klasen (Bild: Thilo Schmülgen/FH Köln)

AIT Solutions optimiert Fertigungsanlagen in der Automobilindustrie

Wenn in einer Autofabrik irgendwo ein Band stillsteht, zählen Sekunden. "Schon eine Minute Betriebsunterbrechung kann Kosten in vier- bis fünfstelliger Höhe bedeuten", sagt Professor Frithjof Klasen. Kein Wunder, dass die Mittel zur Fehleranalyse und zur Optimierung von Fertigungsanlagen, die er mit seinem Unternehmen AIT Solutions anbietet, besonders in der Fahrzeugindustrie gefragt sind. Branchengrößen wie VW, Audi und Mercedes gehören zu seinen Kunden.

Die AIT Solutions GmbH hat ihren Namen nicht ohne Grund. Es soll schon gleich deutlich werden, wo das Unternehmen seine Wurzeln hat: Im Institut für Automation & Industrial IT (AIT) der Fachhochschule Köln. Zusammen mit Sabrina Hein, die für die Softwareentwicklung zuständig ist, führt Klasen die Firma, die derzeit noch vier weitere Mitarbeiter hat. Zwischen Institut und Unternehmen gibt es eine klare Arbeitsteilung, aber auch eine enge Verbindung.

Kompetenzcenter für Automobilindustrie

Letztlich ist es ein permanenter Austausch in zwei Richtungen, von der Grundlagenforschung zur Anwendung, aus der Praxis zurück in die Theorie. Die Produkte, die auf diese Weise stetig weiterentwickelt werden können, sind Kommunikationslösungen vor allem auf Basis des PROFINET-Netzwerks. Das ist ein Standard für den Datenaustausch, der in der Industrie weit verbreitet ist.

Das AIT ist seit langem als PROFINET Competence Center und Zertifizierungs-Prüflabor akkreditiert. In dieser Rolle ist es nicht nur an der Weiterentwicklung der PROFINET-Technologie beteiligt, sondern prüft auch neue Produkte bevor sie auf den Markt kommen.

Als Unternehmen bietet AIT Solutions nun unter anderem eine Analyse-Software für die Profinet-Netzwerke an. Der PROFINETanalyzer dokumentiert Fehlfunktionen in der Anlagensteuerung und ermittelt daraus Gegenmaßnahmen. "Dadurch werden Zeit und Aufwand für technische Abnahmeprüfungen und die Fehlersuche deutlich reduziert", sagt Klasen. Das Beispiel aus der Autoindustrie zeige ja, worauf es ankomme: "Das Wichtigste ist, Fehler schnell zu erkennen. Und zwar nicht nur die Symptome, sondern die Ursachen."

Aufträge aus aller Welt

Prof. Dr.  Frithjof Klasen AIT Solutions ist bereits weltweit bekannt. Regional will Prof. Dr. Frithjof Klasen seine Firma jetzt auch bekannter werden (Bild: Thilo Schmülgen/FH Köln)

In den hochkomplexen industriellen Abläufen ist eine solche Fehlererkennung ohne Softwareunterstützung praktisch nicht mehr machbar. Mehr als 10.000 Maschinen und Geräte sind heute allein an der Produktion einer Autokarosserie beteiligt – ihr Zusammenspiel wird eben von Systemen wie PROFINET gesteuert, und die müssen zuverlässig laufen. Damit das klappt, entwickelt AIT Solutions nicht nur eigene Software, sondern bietet einen Rundum-Service für die Kunden an. Das Unternehmen führt individuelle Trainings und Workshops durch, unterstützt schon bei der Planung von Fertigungsanlagen. Häufig leisten die Gummersbacher auch technische Abnahmeprüfungen und schnelles Troubleshooting vor Ort.

All diese Leistungen können nur als Unternehmen professionell erbracht werden, davon ist Klasen überzeugt. Wenn ein Hochschulinstitut Software entwickle und verkaufe, ergäben sich schwierige Fragen nach Gewährleistung und technischem Support. Außerdem hielten Unternehmen aus der freien Wirtschaft solche Angebote eher für experimentelle Prototypen, nicht für marktreife Produkte. Seit der Gründung im Jahr 2012 habe sich diese Annahme bestätigt, sagt Klasen: "Wir sind als Unternehmen erfolgreich." Bekannt sei AIT Solutions inzwischen weltweit – dafür aber kaum in der Region. "Wir wollen die Kontakte in die Region und die regionale Wirtschaft ausbauen."

Ausbau ist ein gutes Stichwort. Aus den derzeit sechs Köpfen im Unternehmen sollen mehr werden.

Wir suchen Informatiker und Ingenieure,

berichtet Klasen. Die könnten womöglich auch direkt aus dem Kreis der eigenen Hochschul-Absolventen kommen. Für die Studierenden von heute haben sich die Inhalte verändert und erweitert. Klasen: "Natürlich fließen die Erfahrungen aus dem Unternehmen auch in die Lehre ein. Die Studierenden merken, dass das, was wir ihnen vermitteln, kein veraltetes Wissen ist, sondern dass das lebt!"

Der Professor und Firmenchef hat auch schon Ideen für weitere Forschungsprojekte an der Hochschule, auch für Masterarbeiten. Die meisten ergeben sich unmittelbar aus den Anforderungen und Fragestellungen der Praxis. Denn die Produkte müssen ja auch ständig weiterentwickelt werden. Wie schnell dieser Prozess läuft, zeigt ein Beispiel – wieder mal aus der Autoindustrie: 2010 haben AIT-Mitarbeiter bei VW in Mexiko noch acht Wochen gebraucht, um eine Karosseriebau-Anlage mit rund 2.500 Einzelkomponenten durchzuprüfen. Heute, sagt Klasen, "prüfen wir 10.000 Komponenten in zwei Wochen". 

Text: Werner Grosch

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