Deutschstunde mit den Crossborders

Deutschstunde to go: Bei den Crossborders lernen Geflüchtete das Alltagsvokabular auch mal bei einem Spaziergang durch die Stadt (Bild: Heike Fischer/TH Köln)

Geflüchteten fehlt häufig die Gelegenheit, ihre erlernten Deutschkenntnisse auch in der Praxis anzuwenden. Deshalb haben Studierende des Instituts für Translation und Mehrsprachige Kommunikation (ITMK) das Projekt "Crossborders Köln" ins Leben gerufen. Sie bieten den Bewohnerinnen und Bewohnern der Unterkunft in der Alteburger Straße Sprachvermittlungskurse an.

Sascha Sistenich, Gründungsmitglied und Student im Bachelorstudiengang Mehrsprachige Kommunikation, über die Initiative.

Welche Idee steht hinter Crossborders Köln?
Sascha Sistenich: Uns geht es vor allem um den Spracherwerb, wir wollen also mit unseren Schülerinnen und Schülern das Sprechen trainieren. Denn wir haben den Eindruck, dass die Geflüchteten nur selten mit Menschen reden können, die Deutsch beherrschen. Auf Schreibtraining verzichten wir ganz. So können wir auch diejenigen mitnehmen, die Analphabeten sind oder Schwierigkeiten mit den lateinischen Buchstaben haben. Wir bieten wöchentliche Unterrichtseinheiten in der Hochschule oder bei gutem Wetter in den Parks der Umgebung an. Manchmal gehen wir auch durch die Stadt, sprechen über die Dinge, die uns begegnen, und lernen so Alltagsvokabeln. Wir bemühen uns um eine lockere, spielerische Art und versuchen den Menschen die deutsche Sprache auf Augenhöhe näher zu bringen. Unsere Lerngruppe umfasst zwischen zehn und 20 Geflüchtete. Wir arbeiten dabei mit einer sehr heterogenen Gruppen was das Sprachniveau und den Bildungshintergrund angeht. Die meisten stammen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Sascha Sistenich: Im Spätsommer letzten Jahres ist die Fachschaft Sprachen des ITMK auf das Projekt Cross Borders Germersheim aufmerksam geworden. Wir haben uns von den dortigen Organisatoren die Vorgehensweise erläutern lassen. Auf dieser Basis haben wir dann ein eigenes Projekt für die Gegebenheiten hier in Köln aufgezogen. Unser Ziel ist es vor allem, erste Integrationsschwierigkeiten und Sprachbarrieren zu überwinden und wir möchten den Geflüchteten eine Abwechslung in ihrem Alltag bieten. In der Planungsphase wurden wir vom Sprachlernzentrum der Hochschule mit Workshops unterstützt. Dort haben wir die Grundlagen der Sprachlernbegleitung und die Methodik gelernt. Zum Beispiel das langsame und deutliche Sprechen oder die Arbeit mit Gestik.

Wie wird es nach dieser ersten Phase weitergehen?
Sascha Sistenich: Als erstes muss sich noch eine gewisse Routine bei den Kursen entwickeln. Wir haben eine relativ breite Basis von etwa 50 Ehrenamtlichen und sind deshalb zuversichtlich, auch in den Semesterferien oder während Klausurphasen unser Angebot zweimal in der Woche aufrechterhalten zu können. Mittlerweile ist die Unterkunft in der Alteburger Straße komplett belegt, deshalb werden wir überlegen, unser Angebot umzustrukturieren. Wir freuen uns über alle Interessierten, die sich in unserem Projekt einbringen möchten.

Interview: Christian Sander

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