DiPolBAs

Kritische Reflexion von Verschwörungsideologien und Antisemitismus in der schulischen und außerschulischen (digitalen) Politischen Bildung

Dario Kroll

Angewandte Sozialwissenschaften
Institut für Migration und Diversität (MIDI)

  • Campus Südstadt
    Ubierring 48a
    50678 Köln
  • Telefon+49 221-8275-5373

Antisemitismuskritische Bildung und Bildung gegen Verschwörungsdenken an Schulen

Rund 40 Teilnehmer*innen diskutierten am 22.02.24 im Rahmen der Abschlusstagung des zweijährigen Praxisforschungsprojekts DiPolBAs zentrale Ergebnisse der empirischen Bedarfsanalyse und erhielten erste Einblicke in die entwickelten Bildungsmaterialien.

Am 20.2.2024 fand in den Räumen der Bildungswerkstatt die Abschlusstagung des zweijährigen Praxisforschungsprojekts „Digitale Politische Bildung in Zeiten von Corona - Kritische Reflexion von Verschwörungsideologien und Antisemitismus in der schulischen und außerschulischen (digitalen) politischen Bildung (DiPolBAs)“ statt. Rund 40 Teilnehmer*innen diskutierten die zentralen Ergebnisse der empirischen Bedarfsanalyse und erhielten erste Einblicke in die entwickelten Bildungsmaterialien.

Zunächst wurden am Vormittag unter der erkenntnisleitenden Fragestellung „Wie denken Schüler*innen über Antisemitismus und Verschwörungstheorien und inwiefern begegnen ihnen die Phänomene im schulischen Alltag?“ Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Erhebungen vorgestellt. Es zeigt sich, dass weder Antisemitismus noch Verschwörungserzählungen aus Perspektive der Schüler*innen aktuell umfassend in den Curricula verankert sind. Exemplarisch äußert sich eine Jugendliche in einer Gruppendiskussion: „Aber so in der Schule haben wir sowas [Verschwörungstheorien] eigentlich wirklich noch nie besprochen. Aber ich finde, das sollte eigentlich so Teil des Unterrichts sein, also so dass man halt wenigstens einmal wirklich weiß, was das ist. Und was so die Welt darüber so preisgibt und so, weil es halt einfach wichtig ist “ (Schüler*in einer Gesamtschule). In dem zweiten Teil des ersten Vortrags stellte Felix Kirchhof erste didaktische Implikationen vor, die aus der Bedarfsanalyse für die konzeptionelle Gestaltung von Bildungsmaterialien abgeleitet wurden. In einem zweiten inhaltlichen Block stellten Lena Lorenz und Felix Kirchhof die Ergebnisse ihrer empirischen Masterthesen vor, die sie auf Basis von Material aus dem Projekt DiPolBAs erstellt haben. Während sich die Arbeit von Lena Lorenz primär mit der Frage auseinandersetzt, welche fördernden und hemmenden Muster der Thematisierung von Antisemitismus und Verschwörungstheorien sich bei Lehrkräften und Schulsozialarbeitenden rekonstruieren lassen, fokussierte der Vortrag von Felix Kirchhof auf die Frage, welche theoretischen und didaktischen Spannungsfelder sich für die politische Bildungsarbeit gegen Verschwörungsdenken ergeben.

Nach der Mittagspause wurden die im Rahmen des Projekts entwickelten Bildungsmaterialien von Lisa Holzmüller und Alex Loske vorgestellt. Insgesamt entstehen in dem Projekt sechs Module mit insg. 11 Schulstunden, die für den Unterricht ab Klasse 9 aller Schulformen einsetzbar sind sowie begleitendes didaktisches und rahmendes Material für Lehrkräfte. Die Materialien befinden sich in der finalen Erstellungsphase und werden zum Abschluss des Projekts auf einer OER-Plattform allen Interessierten zur kostenfreien Nutzung bereit gestellt. Um einen Einblick in den konkreten Aufbau und die Umsetzung zu bieten, wurden anschließend einzelne Module in Workshops detailliert vorgestellt und Elemente mit den Teilnehmenden ausprobiert. In einer Abschlussrunde bilanzierten die Teilnehmenden den Tag und benannten Hinweise auf weitere Transfermöglichkeiten nach Auslaufen des Projekts.

Die Tagung verdeutlichte, welch großes Interesse seitens schulischer Akteure – sowohl Lehrkräfte als auch durch Schulsozialarbeitende und andere in der Schule tätige pädagogische Fachkräfte – an Bildungsmaterialien bestehen, die sich den Themen Verschwörungsdenken und Antisemitismus widmen. Hier besteht noch eine Leerstelle, die das Projekt DiPolBAs zumindest teilweise füllen kann. Gleichwohl wurde in den Diskussionen und der Analyse der empirischen Daten deutlich, wie voraussetzungsvoll und komplex die Themen sind und dass es neben den konkreten Lehrinhalten auch Weiterbildung für Fachkräfte bedarf. Hier können die im Rahmen des Projekts entwickelten Begleitmaterialien Impulse setzen. Gleichwohl besteht ein hoher Bedarf an weiterführender Qualifikation und Schulung, der sich sowohl an schon in der Fachpraxis tätige Personen als auch an Studierende richtet. Hier gilt es, nach Fördermöglichkeiten für die Entwicklung eines entsprechenden Bildungskonzepts für pädagogisches Fachpersonal zu suchen.

Das Projekt DiPolBAs wird kooperativ zwischen der TH Köln, der Universität zu Köln (UzK) und der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit seit 2022 durchgeführt und durch die Rheinenergie-Stiftung und die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) gefördert.

Februar 2024

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Kritische Reflexion von Verschwörungsideologien und Antisemitismus in der schulischen und außerschulischen (digitalen) Politischen Bildung

Dario Kroll

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