Alte Bücher und Schallplatten verkaufen?

Papier, Vinyl, diese altmodischen Sachen? Doch, das funktioniert noch. 100.000 Euro Reinerlös bei fünf Bücherbörsen an unserer Hochschule beweisen das. Vor fünf Jahren haben vier Studierende damit angefangen. Und aus einem kleinen Bücherflohmarkt ist schnell ein richtiges Event geworden.

„Wir wollten ein echtes Happening daraus machen, bei dem die Leute Spaß haben. Mit Gastronomie, Musik und allem, was dazugehört“, sagt Mario Klütsch, einer aus dem Gründerquartett. Er studierte damals International Business. „Da haben wir gelernt, wie man erfolgreich ein Unternehmen führt, wie man Geld verdient. Mit diesen Fähigkeiten wollten wir einfach etwas Gutes anfangen.“

Gesagt – noch lange nicht getan. Die Idee der Bücherbörse war schnell da, weil ein Onkel von Mario Klütsch in den Niederlanden so etwas schon lange mit Erfolg organisiert. Aber den guten Zweck finden? Große Hilfsorganisationen sagten schnell ab. Interesse am Geld war schon da, aber keine Möglichkeit zur Mitbestimmung. Den richtigen Partner fanden die Initiatoren dann in der ABC-Gesellschaft aus Essen, einem kleineren Träger, der seit über 30 Jahren Bildungsprojekte in Asien, Afrika und Südamerika finanziert und direkte Kontakte zu den Projekten pflegt. Der Verein hat unter anderem schon zehn Schulbauten im südostafrikanischen Malawi realisiert, fünf davon inzwischen mit Unterstützung aus den Erlösen der Bücherbörse.

Mario Klütsch spielt mit einem malawischen Kind.
Mario Klütsch zu Besuch in Malawi: Der 2013 mit Hilfe der Bücherbörsen-Spenden gebaute Waisenkindergarten heißt Tsologo la ana, was in der Landessprache„ Zukunft für Kinder” bedeutet. (Bild: Mario Klütsch)


Mario Klütsch hat das Projekt in Malawi dieses Jahr zum ersten Mal besucht – als Teil einer einjährigen Weltreise, die er zusammen mit seiner Frau Bianca Kabongo unternimmt. Mit dem Studium ist er längst fertig, arbeitet inzwischen beim weltgrößten Teigwaren-Hersteller. Aber die Bücherbörse ist ihm bis heute eine „Herzensangelegenheit“, genau so sagt er das.

An den Job wie das private Engagement legt er im Grunde dieselben Maßstäbe an: „Gute Geschäfte machen. Das heißt: Profitabel, aber auch sozial und nachhaltig, mit ehrlichen Produkten und nicht auf Kosten anderer.“

Nachhaltig ist das Projekt Bücherbörse in jedem Fall. Die vier Gründerinnen und Gründer – außer Klütsch und seiner Frau Bianca Kabongo noch Ebru Bircan und Marcello Montuori – sind alle mittlerweile berufstätig, aber immer noch dabei. Und an Nachwuchs besteht kein Mangel: „Wir haben derzeit etwa 50 Leute im Team“, berichtet Klütsch, der auf dieses Stichwort übrigens großen Wert legt: Team. „Ich habe so viele Studierende erlebt, die außer Vorlesungen besuchen nichts gemacht haben. Unsere Teammitglieder sind anders, sie investieren ihre Freizeit, um anderen Bildung zu ermöglichen. Hocken an Samstagen im Keller der TH und sortieren Bücher, während andere ihren Rausch ausschlafen. Das verdient Anerkennung!“ Keine Frage.

Auch dieses Jahr wird wieder eine Bücherbörse stattfinden, am 9. und 10. Dezember. Das Team jedenfalls sammelt schon fleißig Spenden und hockt samstags im Keller. Mario Klütsch hält auf seiner Weltreise, die ihn ganz zum Schluss auch nach Südamerika führt, derweil Ausschau nach möglichen neuen Projekten. Denn: „Wir wollen noch viele Schulen bauen!“

Werner Grosch

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