Zu Gast: Aziz Madi

Dr. Aziz Madi (31) kommt aus Jordanien. Er hat dort und in England Business Administration und Management studiert und unterrichtet an der Deutsch-Jordanischen Universität in Amman Marketing. Das Sommersemester 2014 verbrachte er im Rahmen eines Austauschprogramms als Gastdozent am Campus Gummersbach.

Im Interview berichtet er über seine Erfahrungen, über Mentalitätsunterschiede bei den Studierenden und das, was er aus Gummersbach mitnimmt – unter anderem ein paar wichtige deutsche Wörter.

Dr. Aziz MadiDr. Aziz Madi (Bild: Thilo Schmülgen/FH Köln)

Dr. Madi, Sie waren jetzt vier Monate lang hier in Gummersbach – welche Erfahrungen nehmen Sie mit?
Eine Menge! Ich war zum ersten Mal hier und bin sehr freundlich empfangen worden. Die Atmosphäre ist sehr offen und international geprägt, ähnlich wie bei uns in Amman. Insofern war der Kulturschock nicht allzu groß.

Sie unterrichten Marketing – welche Unterschiede gibt es bei den Ansätzen in Jordanien und Deutschland?
Der größte Unterschied ist wohl der Charakter der Konsumenten. Da gibt es zwei wichtige Aspekte: Zum einen reagieren deutsche Kunden viel sensibler auf Qualität, während die Menschen in Jordanien stärker auf den Preis achten. Zum anderen ist die deutsche Gesellschaft sehr individualistisch geprägt. In meiner Heimat dagegen gibt es immer noch das Modell der Großfamilie. Da ist der Druck der peer group sehr viel höher – auch bei Kaufentscheidungen.

Sie haben einen Bachelor- und einen Masterkurs gegeben. Sind die deutschen Studierenden entsprechend anders?
Auf jeden Fall. Sie haben viel mehr Interesse an Diskussionen, am Austausch von Argumenten. Und sie haben im Studium auch viel mehr Freiheiten als diejenigen in Jordanien. Außerdem habe ich hier angehende Ingenieure unterrichtet, die natürlich andere Schwerpunkte haben als die Business-Studenten in Amman.

Eine ungewohnte Herausforderung?
Eine interessante Erfahrung! Und ich kann daraus einiges mitnehmen. Im vergangenen Semester hatten wir in Amman rund 150 deutsche Studierende – jetzt verstehe ich viel besser, welche Erwartungen sie haben.

Welchen Gewinn für Ihre weitere Lehrtätigkeit gibt es noch?
Wir arbeiten in Amman schon sehr anwendungsorientiert, aber hier ist der Praxisbezug noch viel stärker. Teil meiner Arbeit hier war, mich besser mit einer Simulationssoftware vertraut zu machen, deren praktische Aspekte ich in einer Veranstaltung über corporate strategy künftig lehren möchte.

Der Kulturschock, sagten Sie, war nicht allzu groß. Gab es in Ihrer Zeit hier auch kulturellen Austausch?
Ja! Das war sehr interessant. Studierende hatten zum Beispiel ein Fest mit viel Musik organisiert, bei dem ich aufgetreten bin. Ich spiele Oud, ein traditionelles Lauteninstrument.

Zu dem Austauschprogramm, an dem Sie teilgenommen haben, gehört auch, Deutsch zu lernen. Wieviel hat der Aufenthalt hier dafür gebracht?
Nun, ich kann im Alltagsleben bestehen… Aber ich möchte weiter Deutsch lernen, um auch die Kommunikation mit den etwa 50 deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen in Amman zu verbessern.  Ich habe jedenfalls viele schöne deutsche Wörter gelernt: „Genau“, „richtig“, oder auch „glücklich“. Ein seltsames Wort.

Seltsam?
Es klingt für mich nicht wie ein Wort, das diesen Zustand beschreibt. Aber es ist in jedem Fall eine gute Übung, wenn man die deutsche Aussprache lernen will…

(Text: Werner Grosch)

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