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Prof. Dr. Alexander Fekete

Prof. Dr. Alexander Fekete

Anlagen, Energie- und Maschinensysteme
Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr (IRG)

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Wen trifft ein Hochwasser in Köln besonders?

Blick über überschwemmte Poller Wiesen und Rhein auf die Kranhäuser und den Dom. (Bild: istock)

In welchem Maße sich Gefahren wie Naturkatastrophen auf eine Gesellschaft auswirken, wird im Bevölkerungsschutz mit den Begriffen Verwundbarkeit und Resilienz beschrieben. Konkrete Projekte und Praxisbeispiele zur vielfältigen Anwendung und Umsetzung der beiden Konzepte haben die TH Köln und die Universität Bonn jetzt im „Atlas VR“ zusammengestellt.

Herausgegeben haben ihn Prof. Dr. Alexander Fekete vom Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr und Dr. Gabriele Hufschmidt vom Geographischen Institut der Universität Bonn. Das Buch ist kostenlos erhältlich unter www.atlasvr.de.

Welche Überlegungen stehen hinter den Begriffen Verwundbarkeit und Resilienz?

Alexander Fekete: Mit Verwundbarkeit sind Schwachstellen gemeint. Zum Beispiel die  Schwachstellen eines Deiches oder organisatorische Schwachstellen in der Vorbereitung auf eine Flut. Aber auch die Verwundbarkeit der Bevölkerung selbst muss berücksichtigt werden, weil manche Menschen bei einem Hochwasser leichter zu Schaden kommen als ihre Mitmenschen. Resilienz hingegen ist die Summe an Fähigkeiten von Menschen und Organisationen, um zum Beispiel mit einer Flut fertig zu werden.

Warum war es wichtig, den Übersichtsband „Atlas der Verwundbarkeit und Resilienz“ herauszugeben?

Alexander Fekete: Zum einen wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir nicht beispielhafte Studien zu Verwundbarkeit und Resilienz empfehlen können. Weil so wenige Studien bekannt sind, hatten Hilfsorganisationen, Behörden oder große Unternehmen das Gefühl, das Rad immer wieder neu erfinden zu müssen. Dabei gibt es zu den Themen schon umfangreiche Forschungsarbeiten. Zum anderen sind beide Begriff e recht sperrig. Viele Anwender können sich nicht genau vorstellen, was sie bezeichnen – geschweige denn, wie man mit ihnen in die Analyse gehen kann. Der Atlas soll beide Problemfelder angehen. Er ist ein Nachschlagewerk, in dem man blättert und entdeckt, wer wo mit welcher Methode schon einmal zu Verwundbarkeit oder Resilienz gearbeitet hat. Der Atlas enthält unter anderem Studien zu Amokläufen, Hochwasser, Infektionskrankheiten, Stromausfällen, Starkregen. Wichtig war uns, dass er kostenlos online für alle zugänglich ist und man gerade durch die Vielfalt der Themen Neues lernen kann.

Wie werden Verwundbarkeit und Resilienz in der Praxis angewendet?

Alexander Fekete: Beide Begriff e werden unter anderem in der Stadtplanung oder im Krisenmanagement verwendet. Anhand eines möglichen extremen Hochwassers in Köln habe ich zum Beispiel untersucht, welche Stadtteile überflutet werden und welche Bewohner dabei besonders betroffen wären. Das betrifft nicht nur die direkten Rheinanwohner. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie auch mehrere hundert Meter vom Rhein entfernt noch hochwassergefährdet sind. Oder dass sie auch im zehnten Stock eines Hochhauses von einem mehrtägigen Hochwasser beeinflusst sein können. Etwa weil der Strom ausfällt und kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt. Hingegen haben resiliente Menschen sich entweder rechtzeitig vorbereitet oder sie wissen sich in solchen Situationen zu helfen.

Interview: Christian Sander

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