Harald Lesch über das Zeitalter des Kapitalozäns

Lesch vor Auditorium (Bild: Michael Schuff/TH Köln)

So voll ist das Audimax selten: Mehr als 400 Besucherinnen und Besucher, darunter vor allem Studierende, tummelten sich im größten Hörsaal des Campus Deutz, um Prof. Dr. Harald Lesch zu sehen und vor allem zu hören. Eingeladen von der Fakultät für Informations-, Medien und Elektrotechnik sprach der bekannte Astrophysiker, Naturphilosoph und Fernsehmoderator „über das Zeitalter des Kapitalozäns“.

Sein Vortrag war ebenso kurzweilig und unterhaltsam wie niederschmetternd: Die Zerstörung unserer natürlichen Lebensräume und der daraus resultierende Klimawandel sei nicht einfach nur menschengemacht, sondern Ausdruck der kapitalistischen Produktions- und Denkweise, die sich durch Globalisierung und Digitalisierung in rasanter Geschwindigkeit der Gewinnmaximierung verschrieben hätte. Dem sogenannten „Return on Investment“ sei mittlerweile durch die „brutale Ökonomisierung so ziemlich jede wirtschaftliche und politische Entscheidung untergeordnet“. Die Menschheit wende neue Technologien schneller an, als sie die komplexen Naturvorgänge und Auswirkungen ihres Handelns verstehen könne. Die Folgen der industriellen Landwirtschaft und der Ausbeutung unserer natürlichen fossilen Ressourcen zeigte Lesch anschaulich auf: Mittlerweile könne die Wissenschaft sehr konkret die klimatischen Entwicklungen anhand bisheriger Messungen hochrechnen. Wenn die Menschen nicht in kürzester Zeit ihre Lebensweise änderten, werden bereits ab Mitte des 21. Jahrhunderts weite Teile der Landmasse unbewohnbar sein, weil sie entweder vom Meer überspült oder aufgrund der Hitze für den Menschen tödlich seien, so Leschs eindringliche Warnung.

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Entwicklungen wie die Digitalisierung, autonomes Fahren und Elektromobilität sieht Lesch kritisch – aufgrund der fossilen Ressourcen, die für die Produktion von Elektrobatterien verbraucht werden, der Umweltschäden, die dabei derzeit entstehen und des enormen Energieaufwands, der für Datenverarbeitung und Fortbewegung benötigt wird. Auch das Geoengineering, also den großräumigen Eingriff mit technischen Mitteln in geochemische und biogeochemische Kreisläufe lehnt er ab: „Die Erde ist keine Maschine.“ Stattdessen appellierte er an die Studierenden, sich für eine Änderung des globalen Wirtschaftssystems einzusetzen. Durch die Macht der Verbraucherinnen und Verbraucher könne man durchaus auf die Industrie einwirken. „Arbeiten Sie dort mit, wo es um Transformationsprozesse geht. Wenn wir etwas von der Natur lernen können, dann ist es die Vielfalt, die Lust am Ausprobieren, statt der Monotonie. Gerade im kommunalen Bereich, in kleinen Strukturen sind die Effekte neuer Entwicklungen am schnellsten sichtbar und werden sich, wenn man sie beharrlich verfolgt, multiplizieren und vom Mainstream aufgenommen.“

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Vortrag von Harald Lesch im AudiMax der TH Köln

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