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Ein Interview aus dem Hochschulmagazin Inside out

Online Mathematik Brückenkurs plus (OMB+)

Prof. Dr. Heiko Knospe (Bild: FH Köln)

Wissenslücken in Mathematik schließen: Prof. Dr. Heiko Knospe hat sich an der Entwicklung von Online Mathematik Brückenkurs plus (OMB+) beteiligt, einem Zusammenschluss von bundesweit elf Hochschulen. Mit OMB+ können Studierende ihr Schulwissen auffrischen und sind anschließend gut vorbereitet auf das weitere Hochschulstudium.

OMB+ soll die vorhandenen Präsenzkurse aber nicht ersetzen. Der persönliche Kontakt zwischen Dozenten und Studierenden ist Heiko Knospe weiterhin wichtig.

Wie schneiden Ihre Studierenden beim Eignungstest für gewöhnlich ab?
Heiko Knospe: Nur eine Minderheit kann mehr als die Hälfte der Aufgaben des Eingangstests richtig lösen. Probleme gibt es insbesondere beim Umgang mit Termen, bei der Lösung von Gleichungen und bei den Eigenschaften elementarer Funktionen. Aber auch mit Geometrie und Vektorrechnung. Häufig fehlt insbesondere die Übung. Viele Verfahren und Zusammenhänge sind zwar grundsätzlich noch bekannt, aber bei konkreten Aufgaben können sie nicht oder nur fehlerhaft angewendet werden.

Der Eingangstest wurde vom NRW-Arbeitskreis Ingenieurmathematik entwickelt, dem Sie angehören. Decken sich die Lücken mit den Ergebnissen der anderen Hochschulen, die den Test benutzen?
Heiko Knospe:
Die Ergebnisse des Eingangstests sind bei fast allen beteiligten Hochschulen und Studiengängen in NRW ähnlich und auch im Jahresvergleich relativ stabil. Auch viele große Universitäten in Deutschland stellen Mathematikdefizite fest; beinahe überall gibt es deshalb Unterstützungsangebote wie Vorkurse, Brückenkurse und Grundlagen-Tutorien. Es gab daher kaum Probleme, sich hochschulübergreifend über die Inhalte für OMB+ zu verständigen.

Woran liegt Ihrer Meinung nach das rückläufige Mathematikniveau?
Heiko Knospe:
Dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen. Man kann aber feststellen, dass die Ziele des Matheunterrichts an Schulen und die Erwartungen der Hochschulen voneinander abweichen. Aus Sicht vieler Hochschulvertreter kommen vor allem die symbolischen, formalen und technischen Elemente der Mathematik in der Schule zu kurz. Ich würde mir auch mehr Zeit zur Wiederholung und Übung wünschen.

Für OMB+ hat jede der bundesweit elf beteiligten Hochschulen ein Kapitel beigesteuert. Welches haben Sie entwickelt?
Heiko Knospe:
Wir haben das Kapitel Integralrechnung entwickelt. Es ist ein Beispiel für ein echtes Brückenthema, da die Integralrechnung üblicherweise im ersten oder zweiten Semester ausführlicher behandelt wird. Viel Arbeit erforderten die umfangreichen Übungs-, Quiz- und Trainingsaufgaben und die dynamische Erzeugung neuer und sinnvoller Parameter für die Aufgaben. Jedes Kapitel hat eine intensive und hochschulübergreifende Qualitätssicherung durchlaufen. Neben der Erstellung unseres Kapitels waren wir auch an der Überprüfung von zwei weiteren Kapiteln beteiligt.

Die Inhalte auf OMB+ reichen von elementaren Rechenverfahren über Gleichungssysteme, Geometrie und Vektoren bis hin zur Differential- und Integralrechnung. Für welche Studiengänge braucht man diese Kenntnisse?
Heiko Knospe:
Mathematische Methoden kommen heute in vielen Fächern zum Einsatz. Und sie werden übrigens trotz der heutigen Computer-Unterstützung benötigt. Die Rechnersysteme ermöglichen den Einsatz anspruchsvoller mathematischer Verfahren, zum Beispiel bei der Lösung von Optimierungsproblemen, der numerischen Simulation oder beim Data Mining. Nach meiner Erfahrung wünschen sich die Dozenten für die Anwendungsfächer mehr mathematische Inhalte in den Grundlagenvorlesungen. Themen aus der Algebra oder Zahlentheorie, die früher reine Theorie waren, haben heute praktische Anwendungen in der Informations- und Kommunikationstechnik. Wir sollten deshalb in den Lehrveranstaltungen nicht zu viel Zeit mit Inhalten verbringen, die besser in der Schule oder in Brückenkursen behandelt werden können.

Interview: Monika Probst

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