Oldtimer mit neuer Technik

Für den Alltag nicht mehr praktikabel, für den Schrottplatz zu schade: Vor zehn Jahren stand Prof. Dr. Andreas Lohner vor der Frage, wie es mit seinem VW Käfer weitergehen sollte, den er als 18-jähriger Student gekauft hatte. Er entschied sich dafür, das Fahrzeug der Hochschule zu schenken – als Praxisobjekt für die Studierenden und um hybride Antriebstechnik zu demonstrieren.

„Hybridfahrzeuge sind ein zentraler Baustein, um den zunehmenden CO₂-Ausstoß zu verringern. Daher müssen sich unsere Studierenden mit dieser Technologie vertraut machen. An modernen Autos ist es aufgrund der komplexen Bordelektronik sehr schwierig, etwas auszuprobieren, zu reparieren oder umzubauen. Darum ist ein Käfer mit dem Baujahr 1982 ideal. Wir können das gesamte Fahrzeug zerlegen, optimieren oder verändern und dann wieder zusammensetzen“, erklärt der Professor vom Institut für Automatisierungstechnik.

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Das Kennzeichen des Hybridkäfers ist natürlich kein Zufall, drückt aber nicht Professor Lohners Sympathie für die gleichnamige Rockband aus, sondern verbindet lediglich die Kürzel für Wechsel- und Gleichstrom.
Thilo Schmülgen/TH Köln

Unter der Haube ist der Käfer getunt

Etwa zehn Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten sowie zahlreiche Projekte später ist der Käfer mit einem parallelen Hybridantrieb ausgestattet.

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Die Elektromaschine des Parallelhybridantriebs ist nicht mehr über einen Keil-, sondern über einen Zahnriemen mit der Kurbelwelle des Verbrennungsmotors verbunden. So können höhere Drehmomente übertragen werden.
Thilo Schmülgen/TH Köln

Elektromaschine und Verbrennungsmotor arbeiten dabei zeitgleich und die Drehmomente beider Maschinen addieren sich. Das maximiert die Fahrzeugzugkraft: Statt der ursprünglichen 34 PS hat der Käfer nun 50 PS.

Zudem wird der Kraftstoff durch die Hybridtechnologie effizienter genutzt. Der Verbrauch sinkt so von etwa achteinhalb auf unter sechs Liter. Der Elektromotor – eine Spezialanfertigung – wurde von der Johannes Hübner – Fabrik elektrischer Maschinen GmbH extra für das Projekt gebaut. Die elektrischen Systeme und die Batteriesteuerung haben die Studierenden selbst entwickelt.

Trotz aller Umbauten ist der Käfer weiterhin voll straßentauglich und besitzt für die Sommermonate ein Saisonkennzeichen.

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Unter der Rückbank sind eine Lithium- Traktionsbatterie, ein Teil der Steuerungselektronik und ein DC/DC-Wandler als Ersatz für die Lichtmaschine eingebaut.
Thilo Schmülgen/TH Köln

Auch seine TÜV-Untersuchungen bestand das Fahrzeug mit Bravour: „Wie jeder Umbau an einem Auto muss auch unser neuer Antrieb von den TÜV-Prüfern abgenommen werden. Das hat bislang immer ohne Probleme funktioniert. Und nicht nur das: Im Fahrzeugschein ist nun auch ein ‚Käfer Hybrid‘ eingetragen. Wir dürften damit den weltweit einzigen, staatlich zertifizierten Käfer mit Hybridantrieb besitzen“, so Lohner.

Die Arbeiten an dem Käfer und seine Weiterentwicklung sind noch nicht abgeschlossen. Als nächstes soll das Liebhaberstück elektrisch betriebene Radnabenmotoren erhalten. „Es ist sehr schön zu sehen, dass mein Käfer auf seine alten Tage nicht nur weiter fährt, sondern auch so innovativ umgerüstet wird. Für die Studierenden ist es toll, die Themen aus Forschung und Lehre an einem echten Klassiker in die Tat umzusetzen und das Ergebnis ihrer Arbeit selbst fahren zu können.“

Text: Christian Sander

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