Neuberufen 2019: Prof. Dr. Roman Bartnik

Prof. Dr. Roman Bartnik  (Bild: Costa Belibasakis/TH Köln)

Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften, Lehr-/Forschungsgebiet: Betriebswirtschaftslehre


Studium Betriebswirtschaftslehre an der Universität Trier

Promotion "Organizing international innovation: R&D mandates and coordination patterns in Japanese multinational corporations" an der Universität Duisburg-Essen und der Universität Hitotsubashi, Tokio, Japan

Berufliche Stationen (u. a.)

  • Dissertationspreis der Universität Duisburg-Essen
  • Project Manager Software / Aviation bei der Inform GmbH, Aachen
  • Manager Advanced Purchasing bei Yazaki Europe Ltd, Köln
  • Forschungsgruppenleiter Automotive Innovation & Supply Chains in East Asia, Universität Duisburg-Essen
  • Gesamtprojektleiter Electronics & Instrumentation bei Yazaki Europe Ltd, Köln

Als Kind habe ich viel Sport getrieben, vor allem Judo, und haufenweise Science-Fiction-Bücher gelesen. Als Schüler war ich oft bei Gastfamilien im Ausland, erst in Irland auf einem Bauernhof, später ein Trimester an einem französischen Lycée. Weil Judo aus Japan kommt, und das mit den Sprachen Spaß machte, habe ich später Japanisch gelernt, in Japan geforscht und gearbeitet.

Wenn ich heute noch einmal Student wäre, würde ich versuchen, möglichst viel in andere Spezialisierungen reinzuschauen, um zu sehen, wie die ticken. Mich einfach mal in einen Kurs reinsetzen, der interessant klingt. Ein, zwei Kurse nur aus Interesse, ohne Notendruck, das ist echter Luxus! Ich würde auch wieder in den Semesterferien Praktika im Ausland machen, möglichst in einer kleinen Stadt, in der sonst keine Ausländer sind. So lernt man schneller Leute kennen, lernt die Sprache und kriegt sogar noch Geld dafür! Ich war damals bei Henkel und Bosch in Japan, das war sehr spannend.

Japanisches Management ist für mich vor allem deshalb interessant, weil der Verfremdungseffekt so groß ist: Menschen, die uns einerseits recht ähnlich sind – gleicher technischer Entwicklungsstand, preußisch akkurat, diszipliniert – handeln anderseits ganz anders. Witze gehen anders, Besprechungen gehen länger, Arbeit geht öfter vor, ist wichtiger als in Deutschland. Das ist spannend, weil wir plötzlich sehen, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt, Alltag und Arbeit zu gestalten, als wir normalerweise denken. Durch die Betrachtung einer fremden, aber doch ähnlichen Umgebung wie Japan sehen wir uns selbst wie in einem Zerrspiegel. Auf der Arbeitsebene können wir durch Vergleiche gerade von Praktiken im Lieferantenmanagement und Verbesserungsprozessen wie Lean Management viel voneinander lernen. Hier gehen japanische und deutsche Unternehmen teils ganz unterschiedliche Wege.

Die deutsche Automobilindustrie ist hochgradig international, komplex und technologisch im Umbruch. Lieferketten im Automobilbereich stehen unter hohem Druck, viele neue Technologien wie Robotik, Industrie 4.0 und Organisationsformen wie Just-in-Time, Wertstromanalyse und Smart Contracts werden hier zuerst ausprobiert. Was davon können wir in andere Industrien übertragen? Wie müssen wir es anpassen? Hier gibt es viele spannende Fragen.

Ich möchte einen Schwerpunkt setzen durch internationales Benchmarking, vor allem mit Ostasien, und durch Anwendungsorientierung: Erstens werden Lieferketten immer internationaler. Wir sollten gerade Ostasien als Benchmark nutzen, um neue Dynamiken besser zu verstehen. Zweitens will ich stärker mit Unternehmen in den Dialog treten: neuere Forschungsergebnisse zu Supply Chains verständlich zusammenfassen und mit Praktikern besprechen, wie man das umsetzen könnte. Gerade zu praktischen Themen wie Verhandlungsführung, Projektmanagement oder Lean Management bieten sich auch gemeinsame Workshops an.

Ich würde gerne herausfinden, wie wir die Schnittstellen zur Beschaffung möglichst effizient gestalten können. Heute wird oft noch viel Zeit mit dem Umtüten von Daten, ineffizientem Projektmanagement und Fehlerkorrekturen verschwendet. Hier können wir aus dem Vergleich zur Automobilindustrie lernen.

Die Mensa ist immer besser als ihr Ruf!

Das letzte gute Buch, das ich gelesen habe, ist ein Buch, das zeigt, wie und warum Plattform-Geschäftsmodelle wie Uber, AirBnB und Paypal funktionieren, wie man selbst welche bauen kann, und was das für Liefernetzwerke bedeutet: Parker, Alstyne und Choudary (2016): "Platform Revolution: How networked markets are transforming the economy and how to make them work for you".

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