Neuberufen 2017: Prof. Dr. Nina Kloster

Prof. Dr. Nina Kloster (Bild: Prof. Dr. Nina Kloster)

Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme, Lehrgebiet: Gesundheit und Komfort im Gebäude


Studium Maschinenbau/Industrial Design an der Universität Duisburg-Essen

Promotion "Bionische Reinigungssysteme" an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Berufliche Stationen (u. a.)

  • Gesellschafterin der RuhrCompounds GmbH, Dortmund
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Westfälischen Hochschule, Bocholt und der Universitätsmedizin Mainz
  • Leiterin der Forschungsgruppe "Medizin, Technik, Design" des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, Oberhausen
  • Abteilungsleiterin am Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme, Duisburg
  • Leiterin der Geschäftsstelle des Fraunhofer-inHaus-Zentrums, Duisburg

Als Studentin habe ich jede Möglichkeit genutzt, die Welt kennenzulernen, und reiste – trotz sehr schmalem Budget – mehrere Monate durch China, Indien und Australien. Diese Erfahrungen haben mich sehr geprägt und waren die beste "Grundausbildung" für mein Berufsleben in der Forschung.

Maschinenbau, Design und Physiologie sind eng verknüpft, werden aber selten ausreichend zusammen betrachtet. Schließlich ist nahezu jede technische Entwicklung auf den Menschen ausgerichtet und das Design ist ihre Schnittstelle. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Wissenschaft zunehmend in kleinste Forschungsgebiete aufgeteilt. Im Zeitalter der Digitalisierung bzw. der Künstlichen Intelligenz werden wir die Spezialisierung zukünftig den Maschinen überlassen und uns auf die kreativen, generalistischen Fähigkeiten konzentrieren. Wir müssen mehr Zeit aufwenden, die Interaktion zwischen Mensch und Technik besser zu verstehen, um dieses Wissen im Engineering einzusetzen.

Komfort in Gebäuden bedeutet für mich vor allem, mich in meiner individuellen Wohlfühlumgebung aufzuhalten, die ich ohne mein aktives Zutun vorfinde und die sich bei Bedarf intuitiv anpassen lässt. Der Smart-Home-Trend verspricht diesen Wohnmehrwert zu schaffen, führt bisher jedoch nur zu einer Über-Technisierung der Umgebung und damit gerne zu einer Überforderung seiner Bewohner. Ich möchte als Nutzerin keine zwanzig Bedienungsanleitungen lesen und meine Freizeit mit den Fehlermeldungen meiner multivernetzten Gerätelandschaft verbringen. Jede Topfpflanze macht meine Raumluft smarter als so manche der angebotenen Lösungen. Und wer benötigt eigentlich einen "whatsappenden" Toaster? Smart Home sollte sich auf den Menschen ausrichten. Es sollte wesentlich dazu beitragen, den Komfort zu steigern, und uns nicht in Elektronik ertränken. Deshalb brauchen wir ausgewogene Generalisten, die verschiedene Perspektiven einnehmen können, ausprobieren, rückkoppeln und nicht nur das technisch Machbare in den Vordergrund stellen – sondern vor allem den Menschen.

Zurück an die Hochschule bin ich, weil ich die anwendungsorientierte Forschung mit der Lehre verbinden kann. Unsere Studierenden möchten wir auf das Heute und auch auf die Herausforderungen von morgen vorbereiten. Daher ist für unsere angehenden Ingenieure auch ein physiologisches Verständnis und das Bewerten ihres komplexen Zusammenwirkens wichtig, um Gebäude in Zukunft nachhaltiger und gesundheitsorientierter zu gestalten.

Ich möchte einen Schwerpunkt setzen auf die gesundheitlichen Aspekte in Gebäuden. Das Building Information Modeling (BIM) ermöglicht, Gebäudeinformationen in der Tiefe abzubilden, um Gesundheitsparameter im Zusammenspiel mit ökologischen und wirtschaftlichen Faktoren für die Planungspraxis nutzbar zu machen.

Ich möchte gerne herausfinden, wie man in Köln eine Wohnung findet.

Das letzte gute Buch, das ich gelesen habe, ist "Der Schwarze Schwan" von Nassim Nicholas Taleb.

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