Nachgefragt bei Prof. Dr. Udo Nehren

Porträt (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Fakultät für Raumentwicklung und Infrastruktursysteme, Professur für Ökosystemmanagement


Studium Angewandte Physische Geographie / Geowissenschaften an der Universität Trier; Technologie in den Tropen an der TH Köln

Promotion „Quartäre Landschaftsgenese und historische -degradation in der Serra dos Órgãos, Rio de Janeiro“ an der Universität Leipzig

Habilitation „Nachhaltiges Management tropischer und subtropischer Landschaften und Ökosysteme auf Grundlage des Konzepts ökosystemarer Dienstleistungen“ an der Universität Passau

Berufliche Stationen (Auszug)

  • Projektleiter im Bereich Umwelt- und Verkehrsplanung bei SSP Consult, Bergisch Gladbach
  • Selbstständiger Consultant im Bereich Umwelt- und Verkehrsplanung
  • Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich „Ecosystem Management” an der TH Köln
  • Privatdozent im Fachbereich Geographie an der Universität Passau

Als Kind hatte ich das Privileg, in einem kleinen Moseldorf aufwachsen zu dürfen, inmitten einer herrlichen Weinbaulandschaft, die im Sommer von zahlreichen Touristen besucht wurde. Irgendwann musste ich da raus, aber ich habe die Natur sehr genossen, ebenso wie den Kontakt zu den Urlaubern, die Abwechslung ins Leben brachten. Das hat mich als Geographen nachhaltig geprägt.

Das Beste an meinem Studium waren die vielen Exkursionen und Geländepraktika sowie die Freiheit, in verschiedene andere Disziplinen hineinschnuppern zu können, ohne mir schon konkrete Gedanken über meine berufliche Laufbahn machen zu müssen.

Unsere Ökosysteme sind unsere Lebensgrundlage und gleichzeitig sind wir Teil von ihnen. Ich glaube, das machen wir uns zu selten bewusst. Wir sollten uns ein Ökosystem wie unsere Küche vorstellen, in der wir mit Familie und Freunden auch in Zukunft ein gutes Essen genießen möchten. Da sollte der Kühlschrank gefüllt sein und sich das dreckige Geschirr nicht bis zur Decke stapeln.

Mein fachliches Steckenpferd ist es, Fragen von sozial-ökologischen Systemzusammenhängen im Kontext von Risiko und Resilienz nachzugehen. Was bedeutet die voranschreitende Degradation des globalen Ökosystems für uns Menschen? Wo sind mögliche Kipppunkte und wie können wir diesen entgegenwirken, um uns in einem sicheren Raum zu bewegen?

Ich möchte einen Schwerpunkt in der Hochschullehre setzen, indem ich Interdisziplinarität und Interkulturalität innerhalb des Konzepts des forschenden Lernens weiter vorantreibe. Reallabore in verschiedenen Ländern und Ökosystemen bieten hierzu eine hervorragende Möglichkeit.

Ich würde gerne herausfinden, wie sich durch Zusammenarbeit von Wissenschaft und Kunst neue Erkenntnisse generieren lassen, die einen positiven Einfluss auf das Verhältnis von Mensch und Natur haben. Über die Musik kann beispielsweise ein spontaner Zugang zu Menschen überall auf der Welt stattfinden und ein wissenschaftlich-künstlerischer Dialog entstehen.

Der beste Ort für gute Ideen lässt sich nicht mit Hilfe eines geographischen Informationssystems bestimmen. Mir kommen die besten Ideen meist dann, wenn ich aus der täglichen Routine ausbrechen kann und von interessanten Menschen inspiriert werde. Wo dies dann ist, spielt eigentlich gar keine so große Rolle.

Das letzte gute Buch, das ich gelesen habe, ist Alexander von Humboldt
und die Erfindung der Natur von Andrea Wulf.

Juli 2021

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