Nachgefragt bei Prof. Dr. Dr. Carolin Palmer

Porträt (Bild: Anja Schaal)

Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften, Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie


Studium: Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim, Stuttgart

Promotionen: „Berufsbezogene Kreativitätsdiagnostik. Entwicklung und Validierung eines Verfahrens zur Erfassung der personalen Voraussetzungen von Innovationen“ an der Universität Hohenheim, Stuttgart (Dr. rer. soc.); „Psychological aspects of entrepreneurship – How personality and cognitive abilities influence leadership“ an der Lappeenranta-Lahti University of Technology LUT, Finnland (D.Sc.)

Berufliche Stationen (Auszug)

  • Professorin für Psychologie mit Schwerpunkt Personalmanagement an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Psychologische Diagnostik der Justus-Liebig-Universität, Gießen
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Psychologie der Universität Hohenheim, Stuttgart
  • Freie Beraterin für Executive Assessments bei der md gesellschaft für management-diagnostik mbH, Hamburg

Als Kind wollte ich unbedingt ein elektrisches Mercedes-Cabrio, wie ich es bei einem Jungen im Frankreich-Urlaub gesehen hatte. Heute tröste ich mich über den noch immer unerfüllten Wunsch damit hinweg, dass ich der Idee von Elektroantrieben in meiner schwäbischen Heimat um Jahrzehnte voraus war.

Das Beste an meinem Studium war die interdisziplinäre Ausbildung mit hohem Anspruch – und dabei (oder dadurch?) Freunde fürs Leben zu finden, mit denen man heute noch über die einen oder anderen Inhalte und Dozentinnen und Dozenten schmunzeln kann.

Die Effekte von Corona auf die Arbeitspsychologie sind hoffentlich nachhaltige Impulsgeber für den Transfer bekannter Theorien und methodischer Kenntnisse auf neue Herausforderungen. In einem meiner Forschungsprojekte schauen wir uns zum Beispiel die Vorbehalte und reaktiven Verhaltensweisen von Personen an, die sich nun im Arbeitskontext mehr oder weniger gewollt zunehmender Digitalisierung gegenübersehen und sich dabei auf all die damit einhergehenden psychologischen Konsequenzen (beispielsweise bezüglich Anforderungen, Motivation, Selbstmanagement) und organisatorischen Änderungen (zum Beispiel zeitlich, räumlich, Führung) einstellen müssen.

Mein fachliches Steckenpferd ist ein Chamäleon. Mit je einer Promotion in Psychologie und Wirtschaftswissenschaften wird es für mich immer dann interessant, wenn Planung und Management, also Zahlen und Strategien, mit Menschen, also Erleben und Verhalten, zusammenkommen.

Ich möchte in der Lehre einen Schwerpunkt setzen in der kritischen Verflechtung von wissenschaftlichen Erkenntnissen einerseits und aktuellen Phänomenen und Fragen andererseits. Allzu häufig wird unter dem Deckmantel neuer Labels, mangels methodischer oder interdisziplinärer Kenntnisse, und gestützt auf längst überholte „Fakten“ gearbeitet – ich bin überzeugt, das können wir besser.

Ich würde gerne herausfinden, was zeitgemäße Führung ausmacht und inwieweit sie mehr umfasst als Personen, die vorgesetzt werden oder untergeben sind. Nur so können wir zukunftsfähige Führungskräfte ausbilden, die auch mit Themen wie der digitalen Transformation, einem sich wandelnden Wertesystem in Bezug auf Arbeit und Führung und ähnlichem umzugehen wissen.

Der beste Ort für gute Ideen ist frei nach Albert Einstein der, an dem es gelingt, dass die Intelligenz Spaß hat. Kreative Ideen entstehen also vielerorts, mal allein, mal im Team, im Diskurs und beim ausgelassenen Phantasieren. Spannend ist meines Erachtens aber doch auch, wie aus der guten Idee dann auch eine wirklich gute und vor allem auch akzeptierte Lösung wird – und hier kommt wieder die Psychologie ins Spiel.

Das letzte gute Buch, das ich gelesen habe, ist Achtsam morden von Karsten Dusse im Wechsel mit How to von Randall Munroe. Und ich kann nicht sagen, wo ich mehr gelacht und gelernt habe.

Juli 2021

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