Mindestens sechs Meter hoch ...

... rage die größten seiner Bananenpflanzen in den Himmel, schätzt Bernhard Bergen. Dabei hat sie kaum Platz in dem Lichthof, der vielleicht 40 Quadratmeter misst – und zum größten Teil auch noch mit Pflastersteinen ausgelegt ist. Weitere Bananen stehen dicht an dicht, dazwischen ein Papyrus, Zitronenbäumchen, eine Mimose und viele andere Pflanzen.

Es ist wie in einem Tropengarten, nur sind wir hier nicht in einem Botanischen Institut, sondern im Ingenieurwissenschaftlichen Zentrum.

Bernhard Bergen pflegt einen kleinen Tropengarten mitten im BetonBernhard Bergen pflegt einen kleinen Tropengarten mitten im Beton (Bild: Thilo Schmülgen, TH Köln)

Bernhard Bergen ist Mitarbeiter des Hausdienstes und das Idyll vor allem sein Werk ist. Angefangen hat es vor etwa sieben Jahren, als er die erste Bananenpflanze aus seinem Schrebergarten mitbrachte. Im Lichthof sind sie gut vor Wind und allzu großer Kälte geschützt, deshalb gedeihen die Stauden hier, auch wenn die Bananen nicht essreif werden. "Dazu fehlt doch noch etwas direkte Sonne", sagt Bergen.

Er betont, dass die Kollegen alle mithelfen. "Das Düngen mache ich, aber Wasser geben und die Pflanzen für den Winter mit Vlies einwickeln, das machen alle gern", sagt er. Jan Reuber, Hausmeister am Campus Deutz, bestätigt das: "Aber Herr Bergen ist eben der mit dem grünen Daumen. Geben Sie ihm einen Besenstiel, und er macht einen Garten daraus!"
Der so Gelobte lächelt da nur bescheiden. "Ich habe mich schon als Kind für Pflanzen interessiert", sagt er schulterzuckend. Die Kollegen im Hausdienst profitieren jedenfalls davon nicht nur durch den herrlichen Platz für die Mittagspause im Sommer, sondern auch im Winter: Drei verschiedene Sorten Pfefferminze verstecken sich in dem dichten Bewuchs, perfekt für einen heißen Tee. Abgerundet durch Zitrone aus eigenem Anbau.

Schwächliche, leidende Pflanzen sind Bernhard Bergen ein Graus. Deshalb betreibt er in dem Lichthof noch eine Art Intensivstation für bürotypische Gewächse, die von ihren Besitzerinnen und Besitzern schon aufgegeben wurden. Derart kräftig wirkende Gummibäume sieht man selten. Im Herbst steht besonders viel Arbeit an. Bevor es richtig kalt wird, müssen Pflanzen wie die Mimose und der Papyrus ausgegraben, eingetopft und nach drinnen gestellt werden. Andere Gewächse werden eingewickelt, vor allem die Bananen. "Dann frieren nur die Blätter ab, und die wachsen im Frühjahr wieder neu", erklärt der Experte. Allein diese Blätter der Bananen sind schon gigantisch. Das größte Blatt, das bislang auf den Boden fiel, war dreieinhalb Meter lang.

Bergen arbeitet seit 21 Jahren hier, sorgt frühmorgens für Sauberkeit auf dem Gelände, jätet Unkraut, hilft bei Umzügen, bringt Tafeln an, entsorgt Möbel… Jetzt ist er 61. Der Ruhestand kommt langsam näher, aber die Bananen werden bleiben, dafür werden die Kollegen schon sorgen. "Ich mache mir mehr Sorgen um die Büropflanzen", sagt er. Und fügt an, dass er den Kollegen gerne erklärt, was sie machen müssen, damit die nicht eingehen. Ein kleiner Wink mit dem Besenstiel.
Text: Werner Grosch

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