Kreative Lösungen für die digitale Lehre

Roboterlabor: halbfertiger Selbstfahrroboter  (Bild: Manfred Stern / TH Köln)

Wie die Lehrenden am Campus Gummersbach der TH Köln in der Corona-Krise Vorlesungen und Praktika im Online-Format gestalten

Wie die Lehrenden am Campus Gummersbach der TH Köln in der Corona-Krise Vorlesungen und Praktika im Online-Format gestalten
Im Sommersemester 2020 ist nichts mehr normal am Campus Gummersbach der TH Köln. Wegen der Corona-Krise bleiben die Hörsäle leer, weil die Studierenden derzeit den Campus nicht betreten dürfen. Lehrveranstaltungen und auch Prüfungen fanden und finden fast ausschließlich online statt. Lehrende und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen fanden in der Krise schnell kreative Lösungen für neue Formen der Wissensvermittlung. Im Labor für Kommunikationstechnik und Datensicherheit (KTDS) zum Beispiel haben Laborleiter Prof. Dr. Stefan Karsch und sein Mitarbeiter Johannes Bungart einen Teil der Laborinfrastruktur virtualisiert und über das Internet verfügbar gemacht. Die Studierenden können nun im Praktikum des Fachs „Netzbetrieb und –management“ (NBM) von zu Hause aus auf Subnetze zugreifen und dort beliebig scannen, suchen und Netze verwalten. Wenn die Praktikumsteilnehmer möchten, können ihre Betreuer ihnen auch virtuell „über die Schulter schauen“ und Tipps für die Lösung der Aufgaben geben.

Roboterparcours im Wohnzimmer
Das Labor für mobile und verteilte Informationstechnologie („Moxd Lab“) unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Böhmer setzt IoT-Kits ein, also kleine Baukästen, mit denen die Studierenden zu Hause arbeiten können. Im Internet of Things (IoT) kommunizieren Computer und Geräte miteinander. In der Veranstaltung „Betriebssysteme und verteilte Systeme“ entwickeln Studierende zum Beispiel ein eigenes verteiltes System, das verschiedene Umweltdaten per Sensoren erfasst und bei kritischen Ereignissen informiert. Dafür sind aktuell ca. 70 Kits verfügbar.
Einen ähnlichen Weg ist Prof. Dr. Elena Algorri im Roboterlabor gegangen. Ihr Mitarbeiter Axel Kuhn hat 16 Pakete gepackt und diese den Teilnehmern des Moduls „Robotik“ nach Hause geschickt. Mit den Bauteilen im Wert von rund 400 Euro konnten die Studierenden der Elektrotechnik selbstfahrende kleine Roboter bauen und programmieren. Teil der Aufgabe war allerdings auch, einen Parcours mit kleinen Hindernissen aufzubauen, den die Roboter dann selbständig
entlangfahren mussten. Da wurde auch schon mal das Wohnzimmer im Haus der Eltern vorübergehend umfunktioniert und Hindernisse aus Kisten und Büchern gebaut, wie Prof. Algorri zu berichten wusste. In ihrer Lehrveranstaltung vermittelte die Ingenieurin per zoom-Konferenz den Roboterbauern die notwendigen Kenntnisse und beantwortete Fragen.

Bis zu 300 Teilnehmer in der Online-Konferenz
Nach der Einführung des Corona-Lockdowns hatte die TH Köln sich schnell für das
Videokonferenzsystem ZOOM entschieden. Das Zentrum für Lehrentwicklung (ZLE) bot zahlreiche Online-Schulungen und Online-Beratung zum Einsatz von ZOOM an. Zusammen mit der etablierten Lernplattfom ILIAS bietet das Online-System leicht zu handhabende Möglichkeiten für virtuelle Seminare und Vorlesungen, bis zu 300 Teilnehmer können in einer Lehrveranstaltung miteinander in Kontakt treten.
Studiendekan Prof. Dr. Christian Kohls sieht die Corona-Krise als eine wichtige Chance für die digitale Lehre. Der Experte für E-Learning ist sich sicher: „Auch wenn die Corona-Krise eines Tages überwunden sein wird, werden die Lehrenden Online-Angebote aufrechterhalten und auch weiter ausbauen. Die Zukunft gehört hybriden Lehr- und Lernformaten. Dabei ist klar, dass man die Präsenzlehre braucht, gerade auch um soziale Kontakte zwischen den Studierenden und mit den Lehrenden aufzubauen und zu pflegen. Es sind eben auch die zufälligen Kontakte in einer Praktikumsgruppe, auf dem Flur oder an der Kaffeebar, die Campusatmosphäre und Gemeinschaftsgefühl schaffen.

Stromsparend ist die Corona-Krise für den Campus Gummersbach auf jeden Fall: so war der Stromverbrauch im Hauptgebäude, als Beispiel, im April 2020 36 Prozent niedriger als im April des Vorjahres.

Auf der Internetseite “Corona konkret“ hat die Pressestelle der TH Köln interessante Forschungsprojekte und Erfahrungen mit Lehrformen gesammelt:
https://www.th-koeln.de/hochschule/corona-konkret_74165.php

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