Innovation in der Medienproduktion und –distribution

Prof. Dr. Christian Zabel (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Am 27. und 28. September 2019 findet an der TH Köln die Jahrestagung der Fachgruppe Medienökonomie der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft statt. Im Interview erläutert Prof. Dr. Christian Zabel Aspekte des Tagungsthemas „Innovation in Produktion und Distribution von Medien“.

Prof. Zabel hat die Tagung mit 26 Fachvorträgen gemeinsam mit Prof. Dr. Christian-Mathias Wellbrock von der Universität zu Köln  organisiert.

Prof. Dr. Zabel, welche Herausforderungen bringt die Digitalisierung für Medienunternehmen mit sich?
Die Verschiebung in der Mediennutzung stellt klassische Medienunternehmen wie Verlage oder TV-Sender vor die Herausforderung, ihre Produkte anzupassen. Produkte wie zum Beispiel Zeitungen  werden entbündelt und teilweise wieder zu neuen Bündeln zusammengefügt, wie beim Musik- und Videostreaming. Hier treten neue Wettbewerber wie Google oder Facebook auf den Plan, die mit ganz anderen Kosten- und Produktionsstrukturen von Medieninhalten aufwarten. Entscheidend ist die Frage, wie ein Medienunternehmen seine Kundinnen und Kunden direkt erreicht, zur Bezahlung für Inhalte bewegt und Daten generiert. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Berufsfelder.

Wo besteht eine Nachfrage?
Medienunternehmen müssen heute verschiedene Technologien einsetzen können. Sie brauchen dafür nicht nur klassische Journalistinnen und Journalisten, sondern sogenannte Data Scientists, Programmiererinnen und Programmierer, Designerinnen und Designer. Hier entstehen neue Berufsfelder, die eng in den redaktionellen Alltag eingebunden sein sollten. Der neue fakultäts- und fächerübergreifende Bachelorstudiengang Code & Context an der TH Köln, der im Wintersemester startet, zeigt diese Entwicklung ganz gut. Die Studierenden beschäftigen sich mit der verantwortungsvollen Entwicklung, Gestaltung und Umsetzung innovativer Technologien, Produkte und Services. Der Studiengang bereitet die Studierenden auf die gesellschaftlichen, technischen und ökonomischen Anforderungen einer digitalisierten Welt vor.

Wo liegen mögliche Chancen für die Digitalisierung?
Für die Recherche steckt in der Digitalisierung der Medien ein großes Potential. Durch sie können große Datensätze schneller ausgewertet werden. Zusammenhänge können besser erkannt werden. Digitalisierung erleichtert Nutzerzinnen und Nutzern zudem die Vernetzung und den Zugang zum gesellschaftlichen Diskurs, weil alle etwas publizieren können. Digitalisierung ermöglicht schließlich neue Angebotsformen für Kundinnen und Kunden. Innovative Darstellungsformen, die auch Virtual Reality (VR) oder Augmented Reality (AR) mit einbeziehen, verbessern und erweitern das Konsumerlebnis, womit sich potentiell auch die Zahlungsbereitschaft, beispielsweise für Abonnements, von Seiten der Konsumentinnen und Konsumenten erhöhen könnte. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Durch die neuen Technologien wird die Umwelt geschont, weil zum Beispiel weniger Papier für Zeitungen benötigt wird. Digitalisierte Prozesse helfen schließlich den Unternehmen auch, Geld zu sparen.

Welche Rolle spielt Innovation im medialen Wettbewerb?
Angesichts rückläufiger Umsätze bei steigendem Wettbewerbsdruck gewinnt Innovation im Medienbereich immer mehr an Bedeutung. In den letzten 20 Jahren ist alle anderthalb Jahre eine große Internetplattform dazugekommen, und das wird aller Voraussicht nach auch nicht aufhören. Die Kurzvideo-App TikTok, die insbesondere bei Jugendlichen sehr beliebt ist, ist das jüngste Beispiel. Die Produktion von Inhalten und deren Darstellung, aber auch die Vermarktung der Inhalte wird durch künstliche Intelligenz und Algorithmen zunehmend automatisiert. Medienunternehmen sollten deshalb die Fähigkeit, auf Innovationen zu reagieren und den Markt durch eigene Innovationen mitzugestalten, immer wieder überprüfen und ausbauen. Bislang sind es aber eher technologiegetriebene Marktteilnehmer wie Google, Facebook, Netflix oder Spotify, die die digitale Mediennutzung prägen.

Was versprechen Sie sich von der Fachtagung für die TH Köln?
Auf der Konferenz geht es um hochaktuelle und praxisrelevante Themen wie Entwicklungsansätze neuer Geschäftsmodelle und Produkte in Medienunternehmen, Prozessinnovationen und deren Durchsetzung in Medienunternehmen, Anforderungen an Journalistinnen und Journalisten und Medienmanager im Innovationsprozess, aber auch um regulative Aspekte von Medieninnovationen. Ich denke, dass wir einen großen Informationsgewinn für die TH Köln haben werden. Durch den Praxisbezug – es nehmen auch  Branchenvertreter teil – werden wir zudem hoffentlich auch einen Transfer in die Wirtschaft leisten können.

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