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Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften

Campus Südstadt
Ubierring 48, 50678 Köln

Graduation 2020 - Herzlichen Glückwunsch!

Graduation (Bild: iStock)

Sie haben es geschafft - Studium und Abschlussarbeit liegen hinter Ihnen. Wir danken Ihnen für das gemeinsame Diskutieren, Lernen und Nachdenken in vielen Seminaren und Vorlesungen. Ein neuer Lebensabschnitt liegt nun vor Ihnen - dazu wünschen wir Ihnen alles Gute und freuen uns, wenn Sie hin und wieder an Ihre Fakultät zurück kehren.

Absolvent*innenansprache der Studiendekanin Prof. Dr. Andrea Platte

Liebe Absolvent*innen, liebe Eltern, Freund*innen, Angehörige, die Sie unter anderen Umständen mit uns feiern würden:

Vor zwei Jahren habe ich der Ansprache auf der Absolvent*innenfeier den Titel „Schwindel“ gegeben… es drängt sich auf, diese Rede noch einmal hervorzukramen, denn das scheint ja hier nun wirklich Schwindel zu sein: eine Ansprache ohne Feier, ohne Glückwünsche, ohne Gegenüber, kein Händedruck, kein Überreichen einer Rose (ja – eine solche haben immer alle bekommen), kein Anstoßen mit Sekt, keine Abschiedsgespräche im Foyer oder in der Bildungswerkstatt.

Kein Schwindel ist, dass Sie Ihr Studium abgeschlossen haben, und das wahrscheinlich auch unter unerwarteten Bedingungen – Lehrveranstaltungen, Beratungen, Prüfungen per Zoom, Telefon, ILIAS…

Dazu: Herzlichen Glückwunsch – im Namen der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften und vielleicht finden Sie eine Lage, in der Sie die Glückwünsche, meine und die der Fakultät, die ich Ihnen doch so übermitteln möchte, wie ich es ‚sonst‘ gemacht habe, mit einer kleinen Ansprache. Vielleicht finden Sie also eine Lage, in der Sie diese in Empfang nehmen und sich würdigen lassen möchten – allein, mit eine*r Begleiter*in, vielleicht ja doch mit einem Glas Sekt oder auch Wasser, Tee – dort wo Sie mir jetzt zuhören, haben Sie vielleicht die Wahl.

Egal wo Sie sind: Ich gratuliere Ihnen herzlich zum Abschluss Ihres Bachelor- oder Master-Studiums – und das im Namen der Fakultät.

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Vielleicht war das Studium eine Lebensphase für Sie, eine kurze oder auch eine längere, vielleicht war das Studium auch nur kleiner Teil eines viel größeren Abschnitts Ihrer Biografie. Die Zäsur, die dieser Abschluss darstellt, soll gewürdigt werden, und das nicht nur auf formaler Ebene des Zeugnisses, der Berufsbezeichnung, sondern auch auf biografischer Ebene – denn das ist doch die eigentlich interessante?

Und so möchte ich, auch wenn mein Auftrag, Sie als Prodekanin, zu beglückwünschen, zu verabschieden, eigentlich die formale Ebene repräsentiert, mich an die biografische herantasten: Ich möchte weniger auf den Studienabschluss als formalen Akt, als eine offiziell daherkommende und für alle zukünftigen Verwaltungen relevante Bescheinigung blicken, sondern auf Inhalte, die sich dahinter hoffentlich verbergen:

In diesem Sinne möchte ich gern heute nach etwas suchen, was mich mit Ihnen verbindet, nach einem gemeinsamen Gegenstand (vielleicht ist dieser Begriff von Georg Feuser einigen von Ihnen bekannt, oder Sie kennen den Begriff des „gemeinsamen Anliegens“ von Max Horkheimer) – und da drängte sich mir auf:

Sie alle und der Anlass, zu dem ich Sie heute adressiere, lassen mich an meinen eigenen Studienabschluss denken. Es gab auch da keine Feier, keine offizielle, und doch war der Abschluss zugleich Aufbruch. Ich erinnere mich an die Aussicht auf eine neue Sicherheit und zugleich Verunsicherung – wurde doch bescheinigt, dass ich eine Berufstätigkeit, auf die ich hin studiert hatte, würde ausüben können - dürfen … zumindest formal sollte dem nun nichts mehr im Wege stehen.

Ein Gefühl von Vorfreude und zugleich Bedauern, ein Lebensabschnitt schließt ab, Tagesrhythmen, Prioritäten werden sich verändern. Es wird nicht abzusehen sein, welche Freundschaften und Beziehungen bestehen bleiben, über welche Entfernungen sie sich beweisen werden müssen … welche Veränderungen zu erwarten sind, wenn die als Kommiliton*innen kennengelernten Weggefährt*innen zu Funktionär*innen der Sozialen Arbeit geworden sein werden, zu Berater*innen oder Pädagog*innen…

 Sie erkennen vielleicht:  Diese Ambivalenzen erzeugen Schwindel!

Wenn ich darauf heute zurückblicke, habe ich einen Vorteil Ihnen gegenüber: Ich weiß das jetzt, was Sie noch nicht wissen – ich kann rückblickend den Weg nachvollziehen, den ich damals, als er noch vor mir lag, nicht einschätzen konnte; ich weiß, was ich noch nicht wusste.

Ich frage mich aber auch, heute zurückblickend und mich erinnernd, welche Vorstellungen ich wohl damals vom Heute hatte – und so entfernt scheint mir das doch gar nicht! – wusste ich manches vielleicht doch schon? Was habe ich gewünscht, befürchtet, antizipiert… was hätte mich mit dem Abschlusszeugnis in der Hand erfreut an dem, was ich heute sehen kann, an gegenwärtigen bildungs- und sozialpolitischen Fragestellungen, an der, die Ihnen heute gegenüber steht (ja nun, leider nicht wirklich), was hätte mich erschreckt, was überrascht?

Und bei diesem Gedankenspiel denke ich an einen Film, vielleicht hat er mich sogar dazu angestoßen: Arrival, nach der Kurzgeschichte von Ted Chiang Geschichte deines Lebens/ Story of your life:  Besucher eines anderen Planeten verstehen und erleben in diesem Film Zeit nicht linear, sondern zirkulär und ungerichtet. Sie übertragen dieses Erleben auf die irdische Hauptperson. Was das Ende des Films ist, wird zugleich auch sein Anfang, sie kann sich nicht nur zurück – sondern auch vor erinnern und weiß dadurch, was sein wird…

(Können Sie mir folgen oder verspüren Sie Schwindel?)

… und das verbindet uns nun: Die Feier, die den Abschluss Ihres Studiums markiert, veranlasst sicherlich auch einige von Ihnen zu Gedankenspielen, - wünschen, -vorstellungen, wie Sie in Sozialer Arbeit, Kindheitspädagogik, Beratung… wirksam sein werden oder möchten…

Als Eltern (falls Eltern zum Zuhören eingeladen sind) stolpern Sie vielleicht darüber, dass das Kind, das Sie vor kurzem selber noch in eine Kita gebracht haben, demnächst in solcher eine Gruppe leiten wird… oder gar die ganze Kita. Dass, wer vor kurzem noch die Schulsozialarbeiter*in wegen einer Ungerechtigkeit um Unterstützung gebeten hat, nun selber sein/ ihr Büro einrichten wird.

Ich erinnere mich an ein Gefühl, das in etwa meinte – jetzt bin ich noch ernsthafter als zuvor damit „dran“, die Welt zu gestalten, ich habe sozusagen den Schein bekommen, der mich dazu auffordert, verpflichtet … Jetzt gerate ich in Rollen, die ich einst hinterfragt habe (ich hatte Lehramt studiert). Die totale Institution, die ich hier noch kritisiert habe, ob ich sie demnächst vertreten werde?

Auch das erzeugte Schwindel, und ist irgendwie Schwindel…

Denn die Vorfreude auf Verantwortung ließ zugleich anklingen: Werde ich mir treu bleiben und das, was ich hinterfragte (vielleicht zu hinterfragen gelernt habe) noch denken können in neuer, anderer Rolle? Werde ich mich vereinnahmen lassen von Vorgaben, Formalia, etablierten Selbstverständlichkeiten, von überzeugend wirkenden Verwaltungen? Es sind nicht nur Anlässe wie dieser, die mich so zurückdenken lassen. Was hätte ich vor 20, 30 Jahren aus meinen heutigen Worten gehört? Ein hin – und her, das mich ein wenig schwindelig macht und ich hoffe, dass Sie mir überhaupt folgen können.

Nun ist in „unserem“ (da ist wieder meine Unterstellung des gemeinsamen Gegenstandes!) sozialwissenschaftlichen und pädagogischen Geschäft das Kreisen um die Zukunft auch fachlich relevant, denn – so Mollenhauer (1980): Zukunft ist „die integrale pädagogische Kategorie (…), von der alles abhängt“. Pädagogisches Handeln sei ein „prinzipiell riskanter Vorgriff auf Künftiges, der sich legitimieren müsse (vgl. Zirfas 2017). „Es gibt quasi immer schon zu viel Zukunft“ schreibt Jörg Zirfas in einer Publikation über das „Nichtwissen der Zukunft“, wir leben im Grunde schon immer in ihr. Und in einer Zeit, die schneller zu werden scheint – Zirfas spricht von „Innovationsbeschleunigung“ –, die sich als Versuch verstehen lässt, die Zukunft in die Gegenwart hinein zu holen - gibt es zudem das Phänomen der „Pluralisierung von Zukunft“ (Hawking) und des „Zukunftspluralismus“ (Enzensberger) – was wiederum zu einem instabilen Erwartungshorizont führt und auch Kämpfe um die Zukunft beginnen lässt. Dabei wird sie sich nie exakt bestimmen lassen und das Nichtwissen um sie (die Zukunft) verweist „die Konzepte der (pädagogischen) Zukunft oftmals auf eine gegenwärtige Zukunft, die somit der temporalen Eigenheit der Zukunft als Offenheit nicht gerecht werden, da sie die Zukunft durch die Gegenwart und die Vergangenheit determinieren“ (vgl. Klafki 1975).

Erzeugt nicht auch das Schwindel?

Sie wird ungewiss bleiben, trotz des Vorausdenkens von Möglichkeiten. „Und alle Risiko- und Wahrscheinlichkeitsberechnungen, Projektionen und Programmierungen, Planungen und Prognosen werden wohl der radikalen Kontingenz der Zukunft nicht beikommen“ (Zirfas 2017).

Auch das Zeugnis in Ihrer Tasche verrät ihnen nicht, ob und wie Sie sich in Ihren zukünftigen Einrichtungen bewegen, fühlen, zurechtfinden werden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dort gut ankommen. Ein neues Ankommen – Arrival, nachdem Sie nun hier gelandet und inzwischen auch wieder abgesprungen sind.

Und so beglückwünsche ich Sie gleichermaßen zum Arrival, zum Abschluss im Sinne der Vollendung und zur Ankunft am Ende des Studienverlaufsplanes wie zu dem, was dieses ermöglicht und verursacht: einen neuen Aufbruch, einen Abflug. In der Figur des David Copperfield schreibt Charles Dickens den ersten Satz eines dicken Buches: „Ob ich schließlich der Held meines eigenen Lebens werde, oder ob jemand anders diese Stelle einnehmen wird, das sollen diese Blätter zeigen.“

Die Blätter, Jahre später rückblickend geschrieben, sind auch ein Zirkulieren um den eigenen Lebensweg. Der erste Satz des Buches, das sein Leben beschreiben wird, drückt einen nachvollziehbaren Wunsch aus: Werde, die/der du bist, werde, die/der du bist. Was so einfach klingt, das ist es nicht, das haben uns Diskussionen in Seminaren immer wieder gezeigt, das ist gern oder häufig Thema in Auseinandersetzungen, in Lehrveranstaltungen und in den Studiengängen: die Frage „wie möchten Sie denn die Prüfungsleistung haben“ (ich höre sie immer wieder!), lässt unterstellen, dass wer da fragt, zumindest doch für dieses Ereignis, nämlich die Prüfung, die Bewertung weniger dem trauen möchte, was er/ sie ist als dem, als was ich (oder wer auch immer – ein*e Kolleg*in, die Institution) sie wünsche.

Noch letzte Woche sind wir in einem Seminar auf die Erkenntnis gestoßen: Wenn ich, angespornt von Adorno, Studierende darin unterstützen möchte, dass sie „mündige Bürger*innen“ werden, die wissen, wie sie ihrerseits wiederum Kinder und Jugendliche zur Mündigkeit erziehen werden, alles daran setze, die Studierenden genau davon zu überzeugen… während mir doch zugleich einige von ihnen resistent den Anspruch entgegen bringen, transparente Kriterien für PL und Studienverlauf zu veröffentlichen, damit sie diesen gerecht werden können… Kann dann diese Frage (nach der Prüfungsleistung), die mir doch so gar nicht gefällt, gerade als Mündigkeit, als Ungehorsam, als Widerstand gewertet werden…? Ist die Reaktion ein Zeichen, meiner „sanften Nötigung“ (so formulierte es vorgestern eine Kollegin) zu Widerstand und Mündigkeit ausgewichen zu sein und stattdessen – vielleicht sogar im Sinne einer Dienstleistung – zu fordern, dass ich gefälligst vorgeben möge – und zwar differenziert, transparent und genau – was erwartet wird, damit Sie, unsere Klientel, sich passgenau vorbereiten können, Orientierung finden, wissen, wo es lang gehen soll, wenn Sie das Ziel des Bachelor- oder Master-Zeugnisses zu erlangen? „Wir werden aufs Reflektieren gedrillt“, formulierte vor einigen Tagen eine Kommilitonin.

Ist gar der Widerspruch gegen mein Drängen auf Mündigkeit Ausdruck von Mündigkeit?

Schwindel….

In seinem Buch „Wir Lebenskünstler“ bezeichnet Zygmunt Bauman „uns“ – da ist wieder das verbindende Wir – als „Meister der Trivialkünste des Alltags“. „Immerhin wird heute jedem versichert, dass er die Chance hat, „vom Schicksal auserwählt“ zu werden und durch einen Glückstreffer zu Erfolg, Reichtum und Zufriedenheit“ zu kommen.“ (Bauman) Wir sollten allerdings keine, aber auch gar keine Möglichkeiten auslassen, diese Chance zu ergreifen, die ein sinnvolles, erfolgreiches und glückliches Leben eröffnet, so führt Bauman vor. Vor allem anderen müssen wir deshalb zur Flexibilität fähig sein (ein euphemistischer und infolgedessen „politisch korrekter“ Ausdruck für Rückgratslosigkeit, so Bauman):

 Wir müssen jederzeit die Richtung wechseln können.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie inmitten der Betrachtungsweisen, die ich hier nun aufgezeigt habe – und die ich vor allem deswegen aufgezeigt habe, weil ich auf meinem Weg des fortwährenden Studierens u.A. mit einigen von Ihnen, aber auch im Willkommen heißen und Verabschieden von Kommiliton*innen auf sie stoße –

Ich wünsche Ihnen damit, dass Sie Schwindel empfinden und genießen können,

dass Sie dabei Ihr Rückgrat spüren und schätzen können,

dass Sie auf Ihrem Weg Stationen finden, die Sie wie heute dazu einladen, Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges miteinander ins Spiel zu setzen und sich dabei überraschen und auch mal schwindeln zu lassen,

dass die Zeit, die Sie hier verbracht haben, mit Auseinandersetzungen, Fragen, Suchen, Erkenntnisse, Gelegenheiten zum Widerstand dazu beigetragen hat, für die Reise in Zukünfte gerüstet zu sein,

sodass Sie sich als „Held*in Ihres Lebens spüren“, wie es Dickens oben schreibt und das im Wissen um Unterstützung, Verbündung, Gemeinschaftlichkeiten… vielleicht können oder konnten Sie ja auch dazu hier anknüpfen

… aber die Heldin und der (Held), und hiermit verwende ich zum letzten Mal das Bild des Schwindels, sind Sie nicht geworden in Scheinen und Abschlusszeugnis, sondern in dem, was dazwischen zu finden war.

Das waren und sind meine Herzlichen Glückwünsche im Namen der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften.

Andrea Platte

AbsolventInnenkarte 2020 AbsolventInnenkarte 2020 (Bild: Dirk Osterkamp)

Ausgezeichnet! - Exzellente Abschlussarbeiten an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften

In der Initiative "Ausgezeichnet!" werden Abschlussarbeiten der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften gewürdigt, die durch ihre inhaltliche und methodische Qualität, durch die Relevanz ihres Gegenstands, durch ihren treffsicheren Praxisbezug und durch ihre engagierte Bearbeitung besonders hervorstechen. In jedem Semester werden bis zu drei Arbeiten ausgezeichnet und elektronisch publiziert.

Ausgezeichnete Abschlussarbeiten an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften 2020

Liebe Absolvent*innen, liebe Preisträger*innen,

mein Name ist Melanie Werner, ich arbeite bei Soziale Arbeit plus und in dieser Funktion, koordinieren ich die „Ausgezeichnet“! Jury. Das heißt ich bin Teil der Gruppe, die aus der Vielzahl der hervorragenden Bachelor- und Masterarbeiten, die an der Fakultät geschrieben wurden, drei zur Auszeichnung auswählen.

Bevor ich Ihnen verrate, wer in diesem Jahr die Auszeichnung gewonnen hat, möchte ich allen gratulieren, die den Preis in diesem Jahr nicht erhalten werden. Denn Sie alle haben ja eine Gemeinsamkeit: Sie haben eine Abschlussarbeit unter mal mehr, mal weniger guten Bedingungen geschrieben – und Ihnen allen gilt mein herzlicher Glückwunsch.

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Ich möchte all denjenigen unter Ihnen gratulieren, die ihr ganzes Studium immer schon ihr Bestes gegeben haben und geplagt vom eigenen Perfektionismus dieses eine Mal entschieden haben, das gut genug auch gut ist.

Herzlichen Glückwunsch an alle, deren Herz in der Praxis schlägt und die viele Dinge gerne tun, aber nicht Schreiben. Glückwunsch, Sie haben sich durch Wörter, Sätze, Absätze und Kapitel gequält und schließlich eine ganze Arbeit geschrieben.

Glückwunsch auch an alle, deren Muttersprache Russisch, Türkisch, Arabisch oder eine andere Sprache ist und die eine wissenschaftliche Arbeit auf Deutsch verfasst haben. Eine Sprache, von der Mark Twain mal behauptete, dass, wenn man denkt der Satz sei zu ende, immer noch ein „gehabt zu werden geworden sein“ folge.

Glückwunsch auch allen Müttern und Vätern, denen das Vorlesen, gemeinsam Basteln, das zuhören und gemeinsam Spaß haben, kurzum Familienzeit, dann doch wichtiger war, als das eine Buch, das man noch hätte lesen sollen.

Glückwunsch an alle, denen das Leben den Ein oder anderen Stein in den Weg gelegt hat, aber die es trotz allem geschafft haben, ausreichend genug Qualität aufs Papier zu bringen.

Schließlich möchte ich auch allen Freund*innen, Mitbewohner*inne, Partner*innen und Familienangehörigen gratulieren, die während der Phase der Abschlussarbeit zu „Co-Abhängigen“ wurden, die die ein oder andere Zickigkeit ertragen mussten, geduldig Pizzakartons und Kaffeetassen bei Seite räumten und dafür gesorgt haben, dass unsere Absolvent*innen den Weg aus den Büchern auch wieder herausgefunden haben. Auch Sie haben es geschafft.

Nachdem ich nun allen gratuliert haben, die diesen Preis in diesem Jahr nicht bekommen habe, möchte ich die Arbeiten vorstellen, die wir ausgezeichnet haben. Von den Arbeiten, die eingereicht wurden, haben es 7 Arbeiten in die nähere Auswahl geschafft. Nominiert für die Auswahl waren:

  • Hannah- Jo Maria Drückler: Digitale Selbstoptimierung von Mädchen*Entwicklung eines Konzepts für die Einbeziehung sozialer Netzwerke in die sexualpädagogische Praxis
  • Heinrich Hafke: Wenn Eltern zu Betreuern werden – Komplexe Herausforderungen im Übergang von der elterlichen Sorge zur rechtlichen Betreuung
  • Franziska Lange: Prostitutionsmythen
  • Lea Kersting: „Behandlungsverträge in der Perspektive der Sozialen Arbeit. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem psychiatrischen Hilfesystem am Beispiel der Akutbehandlung schizophrener Psychosen.“
  • Ines Koblitz: Unterstützte Entscheidungsfindung in der Krise: Das Konzept des „Offenen Dialogs“ zur Vermeidung von Zwang unter Mitwirkung der Sozialen Arbeit
  • Sonja Schneider: Stimme haben und gehört werden–Der Podcast als Teilhabe-Medium für Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • Oksana Kseniya Schulz: Zwischen Mehrsprachigkeit und Anderssprachigkeit – zur Migrantisierung von Kindern und Familien in Institutionen der frühen Kindheit

Herzlichen Glückwunsch allen nominierten Absolventen und Absolventinnen.

Ausgezeichnet werden in diesem Jahr drei Bachelorarbeiten, eine im BA Pädagogik der Kindheit und Familienbildung und zwei aus dem Studiengang Sozialen Arbeit. Ausgezeichnet werden die Arbeiten von Oksana Schulz, Heinrich Hafke und Sonja Schneider. Herzlichen Glückwunsch.

Die Arbeit von Oksane Schulz zwischen Mehrschachigkeit und Andersprachigkeit zur Migantisierung von Kindern und Familien in Instutionen der frühen Kindheit ist eine Arbeit aus dem Studiengang Pädagogik und der Kindheit und Familienbildung. Sie wurde von Prof. Andrea Platte und Prof. Franz Krönig betreut. Bereits die Fragestellung verweist auf die hohe Qualität dieser Arbeit: Sie verfolgt zunächst eine Fragestellung die für Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit von hoher Relevanz ist. Oksana beantwortet diese Frage aber nicht durch eine Darstellung von sogenannte „Kindern mit Migrationshintergrund“ , sondern geht dem „wie“ nach, wie nämlich Kinder „besondert werden“, wie zu „Migrantenkindern“ gemacht werden, warum also „mehrsprachigkeit“ als „anders“ etkettiert wird. Oksana Schulz kann überzeugend zeigen, dass die Mehrsprachigkeit von Kindern nicht als Ressource angesehen wird, sondern dass mit Mehrsprachigkeit häufig ein Förderbedarf unterstellt wird. Das besondere an Oksana Schultz Arbeit ist, dass sie eine Praxis erforscht in der sie sellbst eingebunden ist, nicht nur als Forscherin, sondern auch als Projektmitarbeiterin. Die eigene Kritik der Involviertheit in das Forschungsfeld läuft in Schultz Arbeit ständig mit und kann auch deshalb überzeugen, weil es Schulz schafft, einen kritischen Blick auf sozialpädagogische Praxis zu werfen ohne die Praxis abzuwerten. Es ist damit eine Arbeit, die sich in einer faszinierenden Weise zwischen Wissenschaft und Praxis bewegt. Herzlichen Glückwunsch – Oksana Schulz.

Die zweite Arbeit, die wir in diesem Jahr auszeichnen ist die Arbeit von Heinrich Hafke. Sie trägt den Titel Heinrich Hafke: Wenn Eltern zu Betreuern werden – Komplexe Herausforderungen im Übergang von der elterlichen Sorge zur rechtlichen Betreuung. Die Arbeit wurde im BA Soziale Arbeit geschrieben und von Prof. Dr. Dagmar Brosey und Prof. Dr.Renate Kosuch betreut. Eltern sorgen sich um ihre Kinder, sie kümmern sich um sie, sie stellen ihre eigenen Interessen zurück. Der Grund warum sie das tun, ist Liebe. Liebe – so wissen wir alle – ist ein konfuses und schwer zu beschreibendes Ding. Ganz anders verhält es sich mit dem Betreuungsrecht. Das Betreuungsrecht ist abstrakt, von Emotionen losgelöst – allerdings ähnlich wie die Liebe -sehr kompliziert. Eltern, die die rechtliche Betreuung ihre Kindes übernehmen, finden sich in einem komplexen Gefüge wieder. Die Leistung Heinrich Hafkes ist es, dieses Gefüge sorgfältig aufzudröseln. In Hafkes Arbeit liegt das Betreuungsrecht klar, verständlich und logisch vor uns. Der erste Teil der Arbeit begeisterte die Juristin der Kommission durch hohe rechtswissenschaftlichen Kenntnisse, alle anderen waren begeistert, dass sie diesen Teil auch verstehen konnten. Im zweiten Teil wendet Hafke dann seinen Blick zur spezifischen Situation der Eltern: Hier führt er, forschnungsmethodisch sauber Interviews mit Expert*innen durch und wertet diese inhaltsanalytisch aus was es für Eltern bedeutet, Betreuer*in für das eigene Kind zu werden, welche besonderen Hürden diese Form der Betreuung mit sich bring und er entwickelt Idee, wie Eltern zu unterstützen sind. Eine spannende Arbeit, mit hoher Relevanz für die Soziale Arbeit – Herzlichen Glückwunsch Heinrich Hafke.

Schließlich wird die Arbeit von Sonja Schneider ausgezeichnet. Sie ist ebenfalls im Bachelor Soziale Arbeit geschrieben worden. Sie trägt den Titel „Stimme haben und gehört werden–Der Podcast als Teilhabe-Medium für Menschen mit psychischen Erkrankungen“ und wurde betreut von Dr. Claudia Roller und Prof. Dr. Nina Erdmann Schneider geht der Frage nach, inwieweit Podcast ein Medium der Teilhabe für Menschen mit einer psychischen Erkrankung sein kann. Sie geht dieser Frage theoretisch nach und Sonja Schneiders Arbeit ist ein gutes Beispiel dafür, wie auch in einer Theoriearbeit neue Erkenntnisse erworben werden können. Über xy Seiten hinweg, verfolg Schneider ihre Fragestellung und bezieht dabei sowohl empirische Studien als auch Theorien aus den unterschiedlichen Bezugsdisziplinen der Sozialen Arbeit mit ein. In dieser Verknüpfung unterschiedlicher Theorie- und Empiriebestände in Bezug auf einen Gegenstand ist Sonja Schneiders Arbeit als herausragend und vorbildlich zu bezeichnen. Auf der Grundlage der theoretisch generierten Erkenntnisse entwirft Sonja Schneider dann ein Seminarkonzept für die Erstellung eines Podcasts mit Menschen mit psychischer Erkrankung. Aber auch hier stellt sie theoretische Bezüge und entwickelt ein hochreflektives, aber praktisches Seminarkonzept. Diese Leistung ist ohne Zweifel ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch Sonja Schneider.

Nach dieser Ehrung bleibt mir nur noch eins: Ihnen einen schönen Abend und alles Gute für Ihren weiteren Lebensweg zu wünschen.

Machen Sie es gut!

+ Unsere diesjährigen "Ausgezeichnet" - Preisträger*innen:

  • Oksana Kseniya Schulz: Zwischen Mehrsprachigkeit und Anderssprachigkeit – zur Migrantisierung von Kindern und Familien in Institutionen der frühen Kindheit
  • Sonja Schneider: Stimme haben und gehört werden–Der Podcast als Teilhabe-Medium für Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • Heinrich Hafke: Wenn Eltern zu Betreuern werden – Komplexe Herausforderungen im Übergang von der elterlichen Sorge zur rechtlichen Betreuung

Herzlichen Glückwunsch!

Mitglieder des Gremiums sind:

M.A. Sebastian Hempel (TH Köln), RA´in Petra Ladenburger (TH Köln), Prof. Dr. Katja Maar (TH Köln), M.A. Tanja Purucker (Frauenhaus Leverkusen, ehemalige Preisträgerin), Yaren Tanrikulu (Studentin), B.A. Sebastian Ulfik (ehemaliger Preisträger), Dipl. Päd. Melanie Werner (Soziale Arbeit plus, TH Köln)

Dezember 2020

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