GDCh-Kolloquium in Leverkusen

v.l.n.r.: Prof. Dr. M. Hochgürtel, Prof. Dr. A. Rehorek, Prof. Dr. B. Glüsen, Prof. Dr. K. Meerholz, Prof. Dr. U. Schörken, Dr. M. Follmann, Dr. P. Bell, Prof. Dr. J.-P. Stasch, Prof. Dr. H.-G. Schmalz, Prof. Dr. N. Teusch, Dr. K. Niefind , Prof. Dr. D. Burdinski (Bild: Heike Koralli/FH Köln)

Am 05. Mai fand das GDCh-Kolloquium des Ortsverbands Köln/ Leverkusen an der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften am CHEMPARK in Leverkusen statt. Auf Einladung von Prof. Dr. Nicole Teusch präsentierten Herr Prof. Dr. Johannes-Peter Stasch und Herr Dr. Markus Follmann von der Bayer Pharma AG aus Wuppertal aktuelle Wirkstoffentwicklungen aus dem Gebiet der Herzkreislaufforschung.

Die Präsentation mit dem Titel „Vom Dynamit zu neuen Herzkreislauf-Pharmaka: Die Stimulation der löslichen Guanylatzyklase als neues therapeutisches Prinzip“ lockte gleichermaßen Gäste von der Universität zu Köln, von der Bayer AG sowie Professoren, Mitarbeiter und Studierende von der in Leverkusen ansässigen Fakultät.

Die gefäßerweiternden Eigenschaften von Stickstoffmonoxid (NO) werden in der Pharmakotherapie bereits seit mehr als 130 Jahren genutzt, lange bevor die molekulare Basis von NO als wichtiges Signalmolekül, das an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt ist, entdeckt wurde. Auch heute noch spielen NO-Donatoren eine bedeutende Rolle bei der Behandlung von Herzkreislauferkrankungen. Inhaliertes NO bzw. organische Nitrate und
NO-freisetzende Medikamente sind jedoch mit erheblichen therapeutischen Nachteilen behaftet, beispielsweise einer Toleranzentwicklung bei Langzeitbehandlung und unspezifischen Effekten wie der post-translationalen Modifikation von Proteinen. Die positiven Wirkungen von NO werden durch die Stimulation der löslichen Guanylatcyclase (sGC) vermittelt, einem Häm-haltigen Enzym, welches das intrazelluläre Signalmolekül cyclisches Guanosinmonophosphat (cGMP) bildet. Vor kurzem wurden zwei Substanzklassen entdeckt, die die Wirkung der sGC NO-unabhängig verstärken, die sogenannten sGC-Stimulatoren und sGC-Aktivatoren. Neueste klinische Studien haben eindrucksvoll belegt, dass die direkte Stimulation der sGC zahlreiche Vorteile gegenüber NO-freisetzenden Medikamenten hat und zu neuartigen therapeutischen Standards für viele Erkrankungen der Lunge und des Herzens führen wird. Der erste Vertreter dieser neuen Medikamentenklasse, der sGC-Stimulator Riociguat, zeigte überzeugende Wirksamkeit in klinischen Phase III-Studien bei unterschiedlichen Formen des Lungenhochdrucks.

Johannes-Peter Stasch war bis vor kurzem Chief Scientist in der Herzkreislauf-Forschung von Bayer Pharma in Wuppertal. Außerdem ist er als Honorarprofessor für Arzneimittelforschung an der Universität Halle-Wittenberg tätig. Er ist Diplom-Chemiker, Apotheker für Arzneimittelinformation, promovierte an der Universität Würzburg und habilitierte sich in Pharmakologie an der Universität Halle-Wittenberg. Er hat mehr als 30 Jahre Erfahrung auf den Gebieten der Biochemie, Pharmakologie und Wirkstoffentdeckung und spielte die entscheidende Rolle bei der Entdeckung und Entwicklung der sGC Stimulatoren und sGC Aktivatoren. Seine Forschung hat zu mehr als 190 Patentanmeldungen, mehreren Entwicklungsprodukten und letztendlich zu Riociguat geführt. Stasch ist wissenschaftlicher Organisator der Internationalen cGMP Konferenzen und publizierte über 140 Originalarbeiten und 25 Buchkapitel. Seit kurzem ist Herr Stasch Mitglied in der renommierten Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Markus Follmann studierte Chemie in Deutschland und Japan. In 2000 promovierte er bei Prof. H. Kunz in Mainz. Nach einem zweijährigen Postdoc-Aufenthalt bei Prof. K.C. Nicolaou in La Jolla trat er 2003 in die Pharmaforschung der Aventis AG in Frankfurt ein. 2008 wechselte er nach Wuppertal zu Bayer Healthcare, wo er verschiedene Projekte in kardiologischen Indikationen leitete. Seit 2012 ist er Abteilungsleiter in der Medizinischen Chemie. Er ist Co-Autor von über 90 Publikationen und Patentanmeldungen.

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