Digital Stage

Theater- und Musikensembles stehen in Zeiten der Corona-Pandemie vor besonderen Herausforderungen: Gemeinsame Proben, Aufführungen oder Musik-Unterricht lassen sich mit den gängigen Videokonferenzsystemen nicht gut genug umsetzen. Um das zu ändern, hat ein interdisziplinäres Team im Zuge des Hackathons der Bundesregierung #WirVsVirus eine neuartige Software konzipiert.

„Digital Stage“ soll speziell auf die Bedürfnisse von Musik, Tanz, Theater und bildender Kunst ausgelegt sein. Die TH Köln beteiligt sich an der Umsetzung. „Die Tools, die im Home Office für die Videotelefonie genutzt werden, sind für Sprache optimiert. So heben die Algorithmen etwa die lauteste Geräuschquelle hervor und minimieren Nebengeräusche, um die Verständigung zu verbessern. Damit sind sie beispielsweise für Chorproben ungeeignet“, erläutert Damian Dziwis, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Christoph Pörschmann am Institut für Nachrichtentechnik.

Die neue Software soll es größeren Musik- und Theaterensembles erlauben, von zu Hause aus und mit handelsüblicher Technik im Internet zu proben und live auf einer digitalen Bühne gemeinsam vor Publikum aufzutreten. In einem späteren Schritt ist die Integration von 3D-Audio und Virtual-Reality-Formaten geplant. Alle Geräuschquellen sollen gleichzeitig für alle Teilnehmenden hörbar sein und dass ohne wahrnehmbare Verzögerung. Zudem ist eine Schnittstelle für Streamingdienste angedacht, damit beliebig viele Zuhörer über kostenlose und kostenpflichtige Plattformen dazu geschaltet werden können.

Aktuell stehen Entwicklung und Aufbau der technischen Infrastruktur, grundlegenden Programmierung und Unterstützer-Strukturen im Mittelpunkt. Das erste Zwischenziel ist es, gemeinsame Proben bei klarer Audioübertragung zu ermöglichen. Ein erster Prototyp soll zeitnah erscheinen. „Im späteren Projektverlauf wird das Thema 3D-Audio relevant, was das zentrale Forschungsgebiet der Technischen Akustik an der TH Köln ist“, sagt Dziwis. „Das Ziel ist dann, dass der Sound aus dem Kopfhörer so zu hören ist, wie man ihn auch im realen dreidimensionalen Raum hören würde. Musiker eines Orchesters sollen das Gefühl haben, am gewohnten Platz mit der gewohnten akustischen Umgebung zu sitzen.“

Das Projekt Digital Stage wurde initiiert vom !KF – Institut für künstlerische Forschung Berlin und steht unter der Federführung des Deutschen Zentrums des Internationalen Theaterinstituts (ITI). Kooperationspartner sind die Hochschule für Musik und Theater Hamburg, die Akademie für Theater und Digitalität am Theater Dortmund, die Hochschule Anhalt und die TH Köln.

21.4.2020

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