„Die Digitalisierungswelle surfen, statt überrollt zu werden“

Prof. Dr. Frithjof Klasen beim Einführungsvortrag (Bild: Profinet)

Professor des Campus Gummersbach der TH Köln war Programmdirektor für internationale Digitalisierungskonferenz in Frankfurt

Mit 340 Teilnehmer*innen konnte die Konferenz des Industriefachverbandes „PROFIBUS & PROFINET International“ (PI)  in Frankfurt im März 2019 einen Besucherrekord vermelden. Federführend bei der Programmgestaltung war Prof. Dr. Frithjof Klasen, Direktor des Instituts für Automation & Industrial IT (AIT) am Campus Gummersbach der TH Köln. Er sprach auf der Tagung in seiner Funktion als Vorstandsmitglied der deutschen PROFIBUS/PROFINET Nutzerorganisation (PNO), die Teil des weltweiten PI-Verbands ist. Im Einführungsvortrag stellte Prof. Klasen das „Big Picture“ vor: den Weg der bewährte Profinet-Technologie in die Welt der Industrie 4.0.  Als Gastredner hatte Prof. Klasen den Visionär und Erfolgsautor Frank Schätzing gewinnen können, er sprach über Perspektiven der künstlichen Intelligenz (KI) in unserer industriellen Gesellschaft. Die Herausforderung für die Menschheit im Umgang mit der KI wird sein, die Kontrolle über diese Entwicklung zu behalten.  

Profinet ist ein etablierter Kommunikationsstandard in der Automatisierungstechnik, eine Art Kommando-Sprache, mit der die Komponenten von Produktionsanlagen wie z.B. Sensoren, Motoren und Robotern gesteuert und überwacht werden können. Zur Verbreitung der Technologie entstand die „PROFIBUS/PROFINET Nutzerorganisation (PNO)“, ein Fachverband, der in Deutschland über 400 Mitgliedsfirmen und -organisationen angehören. Zu den Technologieherstellern zählen u.a. die Firmen ABB, Festo, Sick, Siemens und Weidmüller. Bei den Technologieanwendern sind u.a. Daimler, Volkswagen und BMW als Mitgliedsunternehmen zu nennen.

Auf der zweitägigen Konferenz besuchten die Teilnehmer*innen 55 Vorträge in vier parallelen Sessions. Eine Kernthese der Präsentationen: Zukünftig spielt bei der Auswahl des richtigen industriellen Kommunikationsmediums nicht mehr die Schnelligkeit der Datenübermittlung die wichtigste Rolle, sondern die Semantik. „Nur wenn die Daten auch von allen verstanden werden, sind Konzepte im Sinne von Industrie 4.0 überhaupt möglich“, erklärte der PNO-Vorstandsvorsitzende Karsten Schneider. Ein weiteres Thema war die Mobilfunk-Technologie 5G, die u.a. Firmen auf ihrem Werkgelände zur Datenübermittlung mit besonders hohen Übertragungsraten nutzen werden. 

Auf die Frage „Werden wir von der Digitalisierungswelle überrollt?“ gab Prof. Klasen die Antwort „Nein, wir surfen die Welle!“ um so ihren Schub für den Entwicklungsfortschritt zu nutzen. Mit mehr als 30 Jahren Industrieerfahrung im Bereich der industriellen Kommunikationssysteme beteiligt sich Prof. Klasen seit 2004 an der Entwicklung und Anwendung von PROFINET und zählt zu den international anerkannten Experten auf diesem Gebiet. Das Institut AIT am Campus Gummersbach ist eines der führenden Profinet Competence Centern. Es hat sich mit seinem akkreditierten Prüflabor auf die Zertifizierung von Profinet-Geräten und die Entwicklungsunterstützung für Gerätehersteller spezialisiert. Das AIT betreibt damit eines der weltweit acht Prüflabore für die Profinet-Technologie und betreut inzwischen mehr als 50 Industriekunden, auch aus dem Ausland.

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