Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Industrie
Wie gelingt es, wissenschaftliche Forschung und wirtschaftliche Praxis so zu verbinden, dass beide Seiten profitieren? Diesem Spannungsfeld widmet sich Lukas von Damnitz als Ingenieur und Doktorand mit großem Engagement – ganz im Sinne des Tandemprogramms der TH Köln, das es Wissenschaftler*innen früher Karrierestufen ermöglicht, Berufserfahrungen an der Hochschule und im Unternehmen zu sammeln.
Die STRIKO Verfahrenstechnik GmbH, ein Hersteller von Berstscheiben, statischen Mischern und Wärmetauschern, war sozusagen ein Early Adopter im Tandemprogramm: Aufbauend auf eine jahrelange Partnerschaft in Forschungsprojekten und dem Innovation Hub Bergisches RheinLand entschied Geschäftsführer Thomas Brück schon 2022, sich gemeinsam mit der TH Köln auf das Experiment Tandem einzulassen. Mit Erfolg: „Benjamin Treude, unser erster Tandemkandidat, hat unsere Firma im Bereich der Berstscheiben ein ganzes Stück nach vorne gebracht“, so Brück. Grund genug, dasselbe in der Strömungsmechanik zu versuchen – und da kam Lukas von Damnitz ins Spiel.
„Im Laufe meines Masterstudiums habe ich Interesse daran entwickelt, die Strömungsmechanik weiter zu vertiefen“, erklärt er. Ein Gespräch mit Denis Anders, Professor für Technische Mechanik und Strömungslehre sowie Leiter des Tandemprogramms, ebnete den Weg zum Unternehmen. „Ursprünglich war gar nicht geplant, dass ich ins Tandemprogramm einsteige, weil zu der Zeit alle Plätze belegt waren“, so von Damnitz. „Unsere Idee war, dass ich nach der Einarbeitungszeit in der Firma ein Forschungsprojekt anfange und dann darüber promoviere.“
Lukas von Damnitz verbindet das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Forschung und wirtschaftlicher Praxis.
(Bild: privat)
Zwischen Produktentwicklung und Promotion
Sein Start im Unternehmen war dementsprechend geprägt vom Tagesgeschäft im technischen Vertrieb. Anderthalb Jahre später wurden weitere Kollegen im Bereich eingestellt, sodass von Damnitz in Forschung und Entwicklung wechseln konnte – und ins Tandemprogramm einstieg, in dem inzwischen ein Platz freigeworden war. Seine Tätigkeit in der Firma ist heute vielfältig: Er arbeitet an der Projektdatei, mit der die Mischer ausgelegt und berechnet werden, ist Ansprechpartner bei technischen Fragen und kümmert sich um die interne Weiterbildung, etwa durch die Erstellung von Schulungsunterlagen. Seine neue Rolle beinhaltet zudem die Betreuung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter.
An der TH Köln knüpft seine Promotion, die kooperativ mit der Universität Siegen durchgeführt wird, an die praxisorientierten Aufgaben an: „Ich möchte Misch-Elemente entwickeln und optimieren, die besonders vorteilhafte Eigenschaften für die Industrie haben, zum Beispiel durch besonders geringen Druckverlust oder Energiebedarf“, erklärt von Damnitz. So entsteht ein direkter Nutzen aus der wissenschaftlichen Arbeit für die industrielle Produktentwicklung.
Balance zwischen zwei Welten
Die Doppelbelastung von Hochschule und Unternehmen bringt auch Herausforderungen mit sich. „Es gibt ein paar organisatorische Dinge, die man auf beiden Seiten machen muss: Zeiterfassung, Termine planen, das kostet Zeit“, beschreibt von Damnitz, der zwischen klar strukturierten Arbeitszeiten in der Firma und der selbstorganisierten Arbeitsweise für die Promotion hin- und herwechseln muss. Er sieht darin auch eine Lernkurve: „Am Anfang fiel es mir schwer, das Mittelmaß zu finden und strukturiert an der Promotion zu arbeiten.“ Jedoch sorgt eine klare Aufteilung der Arbeitstage für eine gute Organisation: Jeweils zwei Tage sind für die Arbeit im Unternehmen und an der Hochschule reserviert und ein Tag wird geteilt. Streng überprüft wird der Zeitplan von den Chefs aber nicht: „Man muss nicht stur an festen Wochentagen kleben“ betont Thomas Brück. „Es gibt auch immer wieder Zeiten, wo man die Schwerpunkte bündeln kann.“ Denis Anders ergänzt: „Das Tandem profitiert von der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen STRIKO und der TH Köln. Das funktioniert auch dann, wenn man nicht alles kleinteilig abspricht.“
Gemeinsame Zukunftsperspektiven
Was als Kooperation außerhalb des Tandemprogramms begann, wird auch das Ende der Förderung überdauern: Ab April 2027 wird von Damnitz der erste Tandemkandidat sein, dessen Beschäftigung zwischen Hochschule und Unternehmen über das Projektende hinaus fortgesetzt wird. Den Großteil der Personalkosten übernimmt dabei die STRIKO, während die TH Köln finanzielle Zuschüsse aus Prämien beisteuert sowie Zugang zu Laboren und Prüfvorrichtungen ermöglicht. So sind zumindest die nächsten zwei, drei Jahre gesichert, in denen von Damnitz seine Promotion abschließt – und ein neues Forschungsprojekt betreut, das durch das Zentrale Innovationsprojekt Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Das Tandemprogramm bringt Vorteile für alle Beteiligten – eine „Win-Win-Win-Situation“ nennt Anders das – und Lukas von Damnitz steht mittendrin in diesem erfolgreichen Netzwerk, das Wissenschaft und Wirtschaft verbindet.
Über das Personalgewinnungskonzept „PLan_CV“
Das Tandemprogramm ist ein Baustein des Projekts PLan_CV („Professur-Laufbahn an Hochschulen für angewandte Wissenschaften neu denken: Collaboration und Vernetzung“). Es soll exzellentes Personal für Professuren an der TH Köln gewinnen und eine bessere Durchlässigkeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft erreichen. Das Projekt wird im Rahmen des Programms zur Förderung der Gewinnung und Qualifizierung professoralen Personals an Fachhochschulen mit 12,4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.
Juli 2026