MYCE-Talk – Berufseinstieg in die MINT-Branche

Wie gelingt Absolventinnen und Absolventen der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) der Berufseinstieg und wie sind die Karrierechancen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am 3. November eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Mythen und Himmelreiche – die Wahrheit über MINT-Berufe“, initiiert von Claudia Kreuder vom Institut für Produktion.

Die vier Referentinnen und ein Referent, alle Führungskräfte aus der MINT-Branche, berichteten im gut besetzten Hörsaal zwei Stunden lang über den Berufsalltag in ihren Unternehmen. Vielfältig, höchst anspruchsvoll und immer wieder motivierend, so lassen  sich die Aufgaben zusammenfassen, mit denen MINT-Absolventen konfrontiert werden. Auf dem Podium war man sich deshalb schnell einig: Die Branche ist ein "Himmelreich". Allerdings eines, zu dem der Zutritt kein Spaziergang ist.

Ohne Englisch geht es nicht

Die Führungskräfte erwarten von Bewerbern ein schnell und fokussiert absolviertes Studium, gute Abschlussnoten, gezielt ausgewählte Praktika und die unverzichtbaren Soft Skills wie Teamfähigkeit. Verhandlungssichere Englischkenntnisse sind ein Muss: "Ohne Englisch geht es nicht, denn unsere Ingenieure müssen mit dem Kunden über technische Details sprechen können", betont Regina Rüchel von der Kautex Maschienenbau GmbH. Bei einer Promotion kommt es auf die Branche an. "In den Naturwissenschaften ist der Doktortitel wegen der Forschungserfahrung sehr wünschenswert, bei den Informatikern und Ingenieuren eher eine Zusatz-Qualifikation", sagte Monika Puls-Rademacher vom Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie.

PodiumsdiskussionFührungskräfte aus der MINT-Branche diskutieren auf dem Podium (Bild: Costa Belibasakis/FH Köln)

Auf dem Podium (v. links):

  • Regina Rüchel, Direktorin Maschinenauftragsprozess, Kautex Maschinenbau GmbH, Bonn
  • Aminata Sidibe, Leiterin Entwicklung, NEXUM AG, Köln
  • Monika Puls-Rademacher, Personalberaterin, Mitglied Hochschulkommission, VAA (Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie e. V.)
  • Moderatorin Anke Fabian, Inhaberin EiQ inspirational quality, Düsseldorf
  • Silke Kanes, Director Product Development, Content Management AG, Köln
  • Torsten Pfalz, Geschäftsfeldleiter Kerntechnik, Bereich Energiesysteme und Automation, TÜV Rheinland Industrie Service GmbH, Köln

Interview mit Claudia Kreuder

Claudia KreuderClaudia Kreuder (Bild: Costa Belibasakis/FH Köln)

Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser Podiumsdiskussion?
Angefangen haben die Überlegungen mit unserer Veranstaltungsreihe „Kaminabend“, die  Studierende mit Wirtschaftsvertretern aus dem Kreis des International Boards of Advisors (IBoA) der Fakultät für Fahrzeugsysteme und Produktion zusammenbringt. Da mir die Frauenförderung am Herzen liegt, wollte ich darauf aufbauend eine mehrheitlich weiblich besetzte Podiumsdiskussion organisieren.

Wodurch zeichnen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus?
Alle Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer sind sowohl Experten in ihrem Fach als auch Führungskräfte. Zu solch interessanten Personen haben Studierende üblicherweise keinen direkten Zugang, da sie auf klassischen Jobmessen eher nicht vertreten sind. Im Anschluss an die Veranstaltung konnten die Studierenden mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Podiumsdiskussion ins Gespräch kommen und persönliche Kontakte schließen.

Wie beurteilen Sie die Situation in der MINT-Branche für Berufseinsteiger?
Die Chancen für Berufseinsteiger sind in der MINT-Branche sicher höher als in anderen Branchen. Gerade für Frauen sehe ich gute Chancen. Dass gemischte Teams und Strukturen besser funktionieren, hat sich mittlerweile herumgesprochen und da hat die MINT-Branche durchaus noch Nachholbedarf. Ein guter Abschluss ist jedoch leider kein Garant mehr für einen qualifizierten Job. Dies liegt zum einen an der „Plug&Play“-Einstellung vieler Unternehmen, die Bewerberinnen und -bewerber suchen, die nach Aktenlage perfekt auf die ausgeschriebene Stellenanzeige passen. Zum anderen können sich viele Absolventen die große Bandbreite ihrer potenziellen Einsatzmöglichkeiten nicht vorstellen. Da müssen wohl beide Seiten in Zukunft mehr Flexibilität zeigen.

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